ernst jünger in cyberspace

mailing list archive - Re: Der Spiegel 44/97: Juenger-Schlichter

On 27th of October, Martin Schwarz quoted:
>>
Das Juenger-Bildnis zwar, 1937 wirklich zustande gekommen und derzeit in
einer
Tuebinger Schlichter-Ausstellung zu besichtigen, zeigt den
"Stahlgewitter"-Autor als heroisch-nackte Halbfigur mit seinen Narben aus
dem Ersten Weltkrieg, mit leicht glasigem Fernblick und in einem geglaetteten
Verismus, wie er, bloss stuemperhafter, gleichzeitig auch als Stil
offizieller
"deutscher Kunst" gepflegt wurde. Die Korrespondenz zwischen Portraitisten
und Portraitiertem jedoch laesst hinter die Fassade blicken. Juenger, 102,
hat
sie nun als spaetes "schoenes in memoriam" fuer seinen Freund Schlichter
 1890 - 1955) zur Veroeffentlichung freigegeben.
>>

Another quote from Heiner Muellers recall of his visit to EJ in 1988 (from
Krieg ohne Schlacht, Koeln, 92):
*Ich fragte ihn, ob er in seiner Berliner Zeit vor 1933 Brecht getroffen
habe. Juenger sagte ganz schnell: "Nein, nie." Dann mischte sich seine Frau
ein, sagte: "Aber du hast doch diese Geschichte mit Rudolf Schlichter
erzaehlt." - "Ach so,ja, ungefaehr zwoelfmal", sagte er, genauso schnell. Und
dann erzaehlte er die Geschichte: Brecht stand vor dem Juenger-Portrait von
Schlichter, einem Oelgemaelde - die haben sich natuerlich doch oefter
getroffen: Carl Schmitt, Brecht, Juenger, Bronnen, ich glaube, auch Benn, es
gab da eine Kneipe in Berlin, "Zum schwarzen Ferkel" - jedenfalls stand
Brecht vor dem Bild und sagte: "Deutscher Kitsch". Das war vielleicht der
Grund, warum Juenger, als ich ihn nach Brecht fragte, ganz schnell "nein,
nie" gesagt hat.
*

There is another, earlier portrait of EJ by Schlichter, from 1929, showing
him in a suit with crossed arms. The one referred to in the anecdote is
probably the one reproduced in this weeks Der Spiegel. 

Walter Hedderich
Wahe@aol.com



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