Hello out there, this is the piece from this week's ZEIT (Nr. 41, 1. Oktober 1998, p. 58) that John mentioned. I think it should be considered as one of the last of a dying species, now that Juenger is dead and Kohl ist gone (at last). I wonder who's going to be the next enemy of the leftist elite? It's a bit like the CIA without the Soviets... In re Robert Neumann (*Vienna 1897; + Munich 1975): He wrote a book of literary parodies called "Mit fremden Federn" in 1927, Neuauflage in zwei Baenden 1955/57. And some of the pieces are brillant. I remember lauging out loud on a bus reading a take off on Henry James' Journals while I had to read the original at university. Well, here goes the essay, for what it's worth: DER RISS IN DER ZEITMAUER Gang der Geschichte, Abschied in Heiterkeit: Warum Helmut Kohl bei Ernst Juenger stets Trost gefunden hat / Von Thomas Assheuer 0hne das Luminar waere der Mann an der Zeitmauer an Langerweile gestorben. Denn wann immer der Held in Ernst Juengers Roman Eumeswil Heimweh nach Geschichte hatte, rettet ihn das Fernrohr in die Vergangenheit. Wie auf Kommando liess das seltsame Geraet die genialischen und exzeptionellen Epochen der Weltgeschichte vor dem Auge des tatenlosen Betrachters vorueberziehen. Waehrend sich die stationaere Gegenwart in die Unendlichkeit dehnte, befriedigte das Luminar die Sehnsucht nach dem revolutionaeren Augenblick und dem Einbruch historischer Zeit, Im Zenit seiner Amtszeit war der Politiker aus Oggersheim einmal beim Schriftsteller in Wilflingen zu Gast. Im alten Forsthaus sagte Juenger dem Kanzler einige Artigkeiten und zeigte ihm die Memorabilien der Vergangenheit, den durchschossenen Stahlhelm, die Sammlung letzter Worte, viele tote Schmetterlinge und aufgespiesste Kaefer aus aller Herren Laender. Damals feierte der Feuilleton-Tross des Kanzlers die Stunde der nationalen Empfindung und warf sich in den Staub der eigenen Demut. Und noch ehe sich das Ereignis recht eigentlich ereignete, hatte es sich schon verwandelt in Geschichte. In dieser Kunst war Juenger der einsame Meister. Im Handumdrehen verwandelte er chronologische Zeit in geometrische Ordnung, in Schreibordnung, Schmetterlingsordnung, Tagesordnung, Lebensordnung, Geschichtsordnung. Bevor ihn eine Erfahrung ein zweites Mal verwunden konnte, kaempfte er sie in der Arena seiner Tagebuecher nieder und beerdigte sie im Grab der Schrift. Fuer den spaeten Juenger war alles Schreiben eine Autopsie des Augenblicks. Geschichte? Davon haben wir genug gehabt. Panisch suchte er das Alte im Neuen, das Ewige im Augenblick und das Unzerstoerbare im Fluechtigen. Quod semper quod ubique... Juenger sagte Geschichte, Kohl sagte Geschichte, und beide wurden Freunde. Juenger war der Palaeontologe der Gegenwart, Kohl ihr Machthaber Beiden kam DIE GESCHICHTE aus der Zukunft entgegen, auf Stelzen und in Grossbuchstaben. Auch der Kanzler, der immer von seiner Liebe zum historischen Buch prahlte, sprach nur von "der" Geschichte -- als gebe es Geschichte nur im Singular, als Zeichen des Schicksals am Himmel ueber dem Adenauerhaus. Auch Kohl war ein Verwandlungskuenstler. Noch waehrend der historische Augenblick geschah, egalisierte Kohl ihn zur tragbaren Erinnerung. Das erklaerte den Ausdruck geistiger Abwesenheit in grossen Augenblicken. Nur einmal, 1989, gab es die Sicht auf ein weites Feld und die Erwartung einer freien Tat. Aber das Ereignis durfte keine Zukunft eroeffnen, sondern nur eine Vergangenheit beschliessen. Die nackte Revolution kletterte ueber die Zeitmauer, und Kohl war erleichtert. Sie trug den Mantel der Geschichte. Geschichte? Den Revolutionaeren von Paris hat Ernst Juenger im Mal 1968 den verrueckten Satz nachgerufen, sei seien blind fuer die "Grundtatsachen" der Gegenwart. Es gebe keine Geschichte mehr, nur das Heimweh nach ihr, wie eine "Trauer gleich der des Achill an der Leiche des Patroklus". Das war Juengers reaktionaeres Saxophonsolo, das alle Hoffnung auf Utopie, jeden Wunsch nach Veraenderung sofort zur mythischen Zeit versteinerte. Es gibt nichts Neues unter der Sonne, und "am Ende muss der Held Jeans tragen wie alle Welt Auch Kohl war die Taktik der Desillusion auf den Leib geschrieben, und meist endete sie im Zynismus des Gewoehnlichen. Wer Heimweh nach Geschichte hat, der frage das Luminar. Nichts hat die jungkonservativen AEsthetizisten mehr in Rage gebracht als Kohls Erwartungsstarre, die satte Historisierung des politischen Augenblicks. Kohl steht in der Kueche und verteilt die Stullen, immer dieselben. Es flattert ein Blatt von der Rolle der historischen Zeit, aber es flattert auch wieder zurueck. Der Kanzler murmelt einen Satz, und es war konkrete Anaesthesie. Kohl, sagten die Kritiker, war der Polier an der Zeitmauer. Fremd sei ihm jene konservative Ironie gewesen, die disparat zur Gegenwart steht und dem gelebten Leben Vorrang gibt vor den Taten der Politik. Den Boesartigkeiten der Gegner entspricht die Devotion seiner Verehrer. Kohls fusslaeufige Biographen suchen in der Wueste des Ausharrens nach mythischen Spuren. Sie fahnden nach Glanz und historischer Groesse; andere zaehlen die Maschen seiner Strickjacke, die er im Maerchenwald mit Gorbatschow zur Schau getragen hat. Vielleicht folgen alle dem Fehllaeuten der Nachtglocke. Vielleicht hat Kohl die antiquarischen Menschen in die falsche Himmelsrichtung geschickt. Vielleicht hat er vom historischen Mythos nur deshalb monoton geredet, um ihn mit einem mythischen Trick zur Strecke zu bringen. Dann haette er mit der Staffel seiner gesaettigten Phrasen "die Geschichte" nur gejagt, damit sie sich nie mehr ereignet. So war es nicht Bewunderung fuer die Geschichte, sondern legitime Furcht vor ihrem zweideutigen Augenblick. Diese Lektion der Geschichte war das Geheimnis seines Erfolgs und der Schluessel seiner Niederlage. Geschichte? Davon hatte es in diesem irrsinnigen Jahrhundert schon genug gegeben. Das Neue muss das Alte sein. Sichern wir die Bestaende. Zuletzt vertrieb Kohl sogar die Gespenster, die er selbst gerufen hatte. Berliner Republik? Um Himmels willen. Sechzehn verweht, Abschied am Jaegerzaun. Fuer den Fall, dass er sich selbst zum Schicksal werden sollte, hat Juenger dem Kanzler noch das Geheimnis der Heiterkeit verraten. Kohl kannte es schon, denn es war sein eigenes. Wenn alle Zukunft immer schon Vergangenheit ist, dann gibt es keine Niederlage. Auch eine verlorene Wahl ist Geschichte, und Kohl kann sagen, er sei dabeigewesen. Gerichtet. Und gerettet." All mistakes due to my shitty OCR.
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Markup © John King, 2008. Web archive generated Tue, 21st August 2007.