ernst jünger in cyberspace

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Hello outthere,

here's the review from this week's ZEIT. I hope you'll all be able to
recover the attachment.

In a review of Spielberg's newest and another movie calles "Small
Soldiers" by Joe Dante in that issue (p. 78) there's a cute little aside
as well. The later deals with toy soldiers with a life of their own, and
the author writes: "Ernst Jüngers Alptraum: 'In PVC-Gewittern.'" I liked
it...

Greetings from Berlin where it is cooooollld

Olaf
Im geistigen Minenfeld
Politik als Literatur? Paul Noack und Horst Seferens streiten über Ernst Jüngers Leben und Werk
Von Richard Herzinger

Vor einem guten halben Jahr hat Ernst Jünger im biblischen Alter von einhundertundzwei Jahren die Welt der 
Lebenden verlassen Die hier Verbliebenen aber streiten darüber, welcher Platz in der ewigen Bestenliste der 
Literatur- und Geistesgeschichte ihm zugewiesen werden soll. Eine neue Biographie zieht mit vorsichtiger 
Bewunderung die Bilanz des vieldeutig schillernden Lebens und Wirkens des Jahrhundertdichters und empfiehlt, 
Ernst Jünger ungeachtet mancher Vorbehalte in den Kanon des nationalen Kulturerbes aufzunehmen. Dagegen 
stemmt sich mit ideologiekritischer Vehemenz und enormem interpretatorischem Aufwand ein junger 
Literaturwissenschaftler, der in Jünger einen bloß als Schriftsteller camouflierten Strategen der Gegenaufklärung und 
geheimen Wegbereiter der Neuen Rechten sieht,
Solcher Streit ist freilich nicht neu. Jünger war spätestens seit 1989 zu einer zentralen Symbolfigur des erbitterten 
Kampfes um die Deutungsmacht über die kulturellen Paradigmen der alten Bundesrepublik geworden. Diese 
Auseinandersetzung führte zu einer grundlegenden Erschütterung linker und linksliberaler Hegemonie auf dem Felde 
der Ideen- und Literaturgeschichtsschreibung des 20. Jahrhunderts. Sichtbarstes Zeichen dafür waren die schrittweise 
politische Rehabilitierung des lange Jahre stigmatisierten Ernst Junger und seine Inthronisation als einer der 
bedeutendsten deutschen Schriftsteller des Säkulums anläßlich seines hundertsten Geburtstages im Jahre 1995.
Daß Jünger heute in den Seminaren und Feuilletons als weitgehend durchgesetzt gelten kann, ist aber nicht einfach 
dem Geschick neokonservativer Diskursstrategen geschuldet. Jünger ist auch für viele postutopische Linke längst zu 
einer Faszinations- und Identifikationsfigur geworden. Seine Haltung bot ihnen ein Modell der 
Entäuschungsverarbeitung: Zwar hatte er die extremistischen Exaltionen seiner konservativ-revolutionären 
Frühphase hinter sich gelassen, aber er hat sich doch zeitlebens geweigert, der normativen Kraft des Faktischen zu 
huldigen, die vom scheinbar alternativlosen liberalkapitalistischen System ausgeht. Das faszinierte nicht zuletzt die 
gestrandeten Intellektuellen des "realen Sozialismus", die ihre utopischen Resterwartungen nicht begraben wollten, 
ohne sie durch irgendeine metaphysische Absicherung ihrer Ressentiments gegen die westlichen Sieger des Kalten 
Krieges zu ersetzen. Jünger, der "Anarch", der die eiserne Reserve uralter transzendenter Werte gegen eine auch 
von der linken Kulturkritik beklagte ideelle moralische und seelische Entleerung in der Konsumzivilisation zu 
verteidigen schien, bei sich da als geistiger Wahlverwandter an. Der Konservative als der wahre Rebell, als der letzte 
noch über den Horizont moderner Selbstzerstörung hinausdenkende Ausdeuter kultureller Tiefenschichten: Diese 
Umdeutung, die ästhetizistische Rechte wie Botho Strauß und heroisch-pessimistische Linke wie Heiner Müller 
gleichermaßen ansprach, hat die Gegner des "Reaktionärs" Ernst Jünger in die Defensive gedrängt.
Nach den erhitzten interessegeleiteten Grabenkriegen der vergangenen Jahre wäre es nun höchste Zeit, die Phase 
des Bekenntniszwangs für oder gegen junger hinter sich zu lassen und zu überprüfen. welche Aufschlüsse wir aus 
einer kritischen Lektüre ziehen könnten. Paul Noacks im Ganzen gesehen apologetische Biographie gibt dafür jedoch 
kaum produktive Impulse. Man muß dein Autor zugestehen daß sein Spielraum für eine Neuausleuchtung des 
Phänomens Jünger begrenzt und seine Aufgabe in gewisser Weise undankbar ist. Noack räumt im Vorwort ein , daß 
es sich bei seiner Lebensbeschreibung nur um eine unvollständige Annäherung handeln könne. Die Sichtung des 
Nachlasses des Toten beginnt erst, und was sie an neuen Einsichten in die über weite Strecken noch reichlich 
verschleierte Lebensgeschichte Jüngers zutage fördern wird, kann man noch nicht wissen.
Doch mit zunehmendem Verdruß vermerkt man bei der Lektüre hinter solcher Zurückhaltung eine geradezu 
leisetreterische Absicht des Autors, Junger salonfähig machen zu wollen, ohne skeptische Leser zu verprellen. Wie 
auf rohen Eiern balanciert Noack durch die Minenfelder der Jünger-Debatte "Im Oeuvre Jüngers" so resümiert er, 
"gibt es alles, was man ihm vorwirft: Kriegsverherrlichung, Kitsch, Geziertheiten, Halbbildung, politische 
Ahnungslosigkeit und modische Indifferenz. Doch das Gegenteil gibt es auch, und die Frage, wieweit gerade die 
abträglichen Seiten seines Charakters ihn befähigten, zu erkennen, was er erkannte, und zu schreiben, was er 
schrieb, laßt sich nicht beantworten" Der Agnostiker beantwortet sich die Frage in gewisser Weise aber doch selbst 
wenn er seinen Helden in gewunden defensivem Duktus zum Nationaldichter ausruft: Ernst Jünger „der Gruppe derer 
zuzugesellen, auf die ein Volk sich etwas zugute hält, kann nicht verwerflich sein," Nein, „verwerflich“ sicher nicht, 
aber ist es deshalb gerechtfertigt?
Noacks Biographie scheut vor entschiedenen Urteilen zurück, auch über die literarische Qualität der verschiedenen 
Werke Jüngers. Dabei ist doch gerade die in höchstem Maße umstritten. Wo Noack die Schattenseiten des 
politischen Wirkens Jüngers nicht umgehen kann, versucht er zu beschwichtigen. So zeigt er, wie sehr der legendäre 
neonationalistische Berliner Zirkel um Jünger in den späten zwanziger Jahren von bohemehaften Zügen geprägt war. 
Sein Verbalradikalismus entsprang einer träumerischen Realitätsferne, und die Atmosphäre in Jüngers Salon bestand 
aus einer eigentümlichen Mischung aus Exzentrik und Biederkeit.
Noack tut zwar gut daran, die legendären Weimarer „Konservativen Revolutionäre" auf ihr normales Maß 
zurechtzustutzen. Sie waren von den relevanten Kräften der Weimarer Rechten weitgehend isoliert. Doch macht dies 
ihre haßerfüllte antidemokratische und antisemitische Rhetorik weniger verabscheuungswürdig? Noack weiß keine 
rechte Antwort auf die Frage, warum Jünger sich nach anfänglicher Sympathie so schnell und nachhaltig vom 
Nationalsozialismus getrennt hat. Nur aus ästhetischem Dunkel oder auch aus moralischer Einsicht? Der Antwort 
näher gekommen wäre er vielleicht, wenn er sich die Thesen des „Nationalbolschewisten“ Ernst Niekisch genauer 
angesehen hätte, die Jünger seit 1929 im wesentlichen teilte. Für Nieckisch war Hitler ein verkappter "Römer", der 
den .“liberalistischen“ italienischen Faschismus kopiere und das deutsche Wesen der nationalen 
Erweckungsbewegung verrate. Der Nationalsozialismus erschien ihm als zuwenig radikal, zu „bürgerlich“. Niekisch 
hielt deshalb Hitler für ein „deutsches Verhängnis", doch seine eigenen Vernichtungsphantasien gegen die Kräfte der 
„Zersetzung deutschen Volkstums“ waren kaum weniger wahnsinnig als die des Führers". Daß Nieckischs linksrechts 
gestrickte totalitäre Variante am Ende keine Chance auf Realisierung hatte (und Niekisch im Widerstand gegen Hitler 
großen Mut bewies). weiß man erst in der Rückschau. Damals war diese Variante eine zwar wenig wahrscheinliche, 
aber immerhin denkbare, schreckliche Möglichkeit.

Nun war jünger zwar ein Sympathisant der Ideen Niekischs, doch niemals ein dezidiert politischer Aktivist wie dieser. 
Und man muß ihm hoch anrechnen, daß er sich, im Gegematz zu Carl Schmitt und Martin Heidegger, mit dem 
Nazimachtapparat nicht eingelassen hat. Doch seine Distanz zum Nationalsozialismus ist bei weitem nicht so 
unproblematisch, wie sie bei Noack erscheint, Seit 1933 begegnet uns Jünger bei ihm nur noch als ein von der 
totalitären Verführung geläuterter Zeitbeobachter. Noch die gravitätischsten Manierismen, die Jünger zu deutschen 
Greueln einfallen, nimmt der Biograph ohne Anzeichen von Protest hin. Etwa wenn Jünger in grausam verrutschter 
Erhabenheit deklamiert: "Es gibt Untaten, die die Welt im Ganzen, in ihrem sinnvollen Zusammenhang berühren; 
darin kann auch der musische Mensch sich nicht mehr dem Schönen, er muß sich der Freiheit weihen." Zur 
Charakterisierung der zwielichtigen Schrift "Der Friede" von 1944, in der Jünger den Krieg zum ,reinigenden Feuer" 
stilisiert, fällt Noack nur die Platitüde ein: ",Der Friede' mag als ein einziges Plädoyer für verantwortete Freiheit 
verstanden werden". Zu Jüngers Rolle nach 1945 konzediert Noack, daß Jünger seine Vorbehalte gegen die 
Prinzipien von Demokratie und Menschenrechten nie ganz aufgegeben hat. Doch einen aktiven 
demokratiefeindlichen Impetus kann er bei dem zunehmend in die Rolle des Weltautors und Weltweisen 
hineinwachsenden Großschriftstellers nicht mehr erkennen.

Genau damit aber Will Sich der Literaturwissenschaftler Horst Seferens nicht zufriedengeben. Seine Studie 
konzentriert sich auf die Frage, inwieweit Jüngers konservativ-revolutionäre Denkfiguren auch in seinen nach 1945 
geschriebenen Texten präsent bleiben. Scheites' Befund ist klar Eine Bruch zwischen Früh- und Spätwerk, wie ihn die 
Jünger-Philologie zumeist annimmt, habe es so nicht gegeben. jünger habe nach 1945 seine nationalrevolutionären 
Inhalte bewußt "camoufliert" und im "Verdunkelungszusammenhang' literarischer Metaphorik eine 
gegenaufklärerische "Ikonographie" entwickelt. mit deren Hilfe er verdeckte strategische Botschaften an die aus dem 
offiziellen Diskurs ausgegrenzte rechtsextremistische "Subkultur" habe übermitteln können. Diese Intention war laut 
Seferens nicht nur für Jüngers literarisches Schaffen in den Nachkriegsjahren. sondern auch noch in den siebziger 
und achtziger Jahren entscheidend. Anhand von Erzählungen wie Aladins Problem und Eumeswil schlüsselt Seferens 
zentrale Motivkomplexe der Zeit- und Zivilisationskritik Jüngers auf. Detailliert zeigt er, wie Jünger 
Wirklichkeitsbeobachtung quasimythologisch umformt, Lind wir er mit Hilfe dieses "stereoskopischen Blicks" seiner 
Fundamentalkritik an der deutschen Nachkriegsdemokratie Ausdruck geben kann, ohne in politische Eindeutigkeit 
verfallen zu müssen. Dieses "stereoskopische Verfahren habe, so Seferens, weitreichende Folgen für die 
Wahrnehmung der empirischen Realität und das Verhalten in ihr. Die Faktizität der konkreten Gegenwart wird zur 
bloßen Oberflächenerscheinung degradiert und in ihrer Gültigkeit suspendiert. Jünger entzieht den Begriff der 
Wahrheit dein Bereich der empirischen Erfahrungswelt und transzendiert ihn in eine Sphäre des "Geistigen',  der 
Urbilder." Doch eine solches Verfahren könnte Seferens auch bei den meisten konservativen und 
demokratieskeptischen Autoren der Nachkriegszeit finden, angefangen bei Gottfried Benn. Und es hat überhaupt eine 
sehr lange und weitreichende Tradition in der literarischen Moderne, nicht nur der "rechten" und nicht nur in 
Deutschland. Die Umdeutung des Nationalsozialismus zum bloßen Symptom eines allumfassenden "Nihilismus" , 
dem dann im gleichen Atemzug auch der "Amerikanismus" zugeschlagen wird, ist eine typische konservative 
Transformationsfigur der Nachkriegszeit, und sie wurde auch von manchem "Linken" als akzeptabel empfunden. 
Warum solche Denkfiguren ausgerechnet bei jünger eine Geheimbotschaft darstellen sollen und wieso die 
"Uneigentlichkeit der poetischen Rede" ausgerechnet ihm "als exklusives Medium für eine politisch-strategische 
Theoriebildung" dient, kann Seferens nicht plausibel machen. Er liest in die Bilder Jüngers verschlüsselte politische 
Botschaften hinein, und wenn er feststellen muß, daß diese literarischen Figuren auch noch andere Deutungen 
zulassen, erklärt er gerade das zum besonders subtilen Trick der Diskursstraiegie.

Daß man Literatur nicht einfach als ideologische Manifeste ihres Autors auffassen kann, sieht offenbar auch Seferens 
ein. Weil er aber über kein analytisches Instrumentarium verfügt, um zwischen politischer Intention und ästhetischer 
Wirkung eines Textes zu unterscheiden, geht er in die Offensive und behauptet, Jüngers fiktionale Texte seien keine 
Literatur im eigentlichen Sinne: "Die Unterscheidung zwischen fiktionalen und nichtfiktionalen Texten ist im Falle 
Jüngers hinfällig. (. ) .)Auch die strenge Differenzierung zwischen dem Autor und seinen Figuren ist aufgehoben, da 
der Unterschied zwischen Literatur und Politik, zwischen Wirklichkeit und Fiktion außer Kraft gesetzt ist." Mit Hilfe 
solch waghalsiger Setzungen versucht Seferens zu beweisen, daß sich die entscheidenden Aussagen im literarischen 
Werk Jüngers mit den Programmen der Neuen Rechten decken. Nun wehrt sich Seferens zu Recht gegen die in der 
Jünger-Forschung vorherrschende Tendenz zur entpolitisierenden Betrachtung des immer auch politisch brisanten 
Werks des umstrittenen Autors. Doch wenn der prägende Einfluß Jüngers auf den Denkstil der heutigen Epigonen 
der konservativen Revolution auch einer intensiven Untersuchung wert ist- Jüngers Sympathien Jüngers für die 
radikale Rechte können die Wirkung seines literarischen Werks und seiner auratischen Persönlichkeit nicht 
erschöpfend erklären.


Paul Noack: Ernst Jünger
Eine Biographie; Alexander Fest Verlag, 
Berlin 1998; 368 S., 49,80 DM


Horst Seferens: Leute von übermorgen und von vorgestern. 
Ernst Jüngers Ikonographie der Gegenaufklärung und die deutsche Rechte nach 1945; 
Philo Verlagsgesellschaft, Bodenheim 1998; 399 S., 78,- DM

Markup © John King, 2008. Web archive generated Tue, 21st August 2007.