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Die ZEIT, 56. Jahrgang, Nr. 41 vom 4. Oktober 2001, Literaturbeilage, S. 8=
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Wegbereiter der Nazis
Die politischen Schriften des gl=FChenden Nationalisten Ernst J=FCnger
Von Kurt Sontheimer


Zu seinen langen Lebzeiten =96 er starb 1998 im Alter von 103 Jahren =96 wollt=
e Ernst J=FCnger seine politischen Schriften nicht in die Gesamtausgabe sein=
es Werks bei Klett-Cotta aufgenommen wissen. Nun erscheinen sie endlich in=
 einem separaten Band, den der in Bonn lehrende Politikwissenschaftler Sve=
n Olaf Bergg=F6tz musterg=FCltig mit Anmerkungen versehen und durch einen sach=
lich gehaltenen Kommentar in den historischen Kontext eingef=FCgt hat. Es is=
t gut, dass J=FCngers politische Publizistik, die sich auf die 14 Jahre der =
Weimarer Republik beschr=E4nkt, nun zusammenh=E4ngend greifbar ist. Bisher die=
nten seine in diversen nationalistischen Zeitschriften publizierten Artike=
l als viel zitierte Belege f=FCr einen Verherrlicher des Krieges und seiner =
Materialschlachten, einen gl=FChenden Nationalisten, dem die b=FCrgerliche Dem=
okratie verhasst war, und einen geistigen Wegbereiter des Nationalsozialis=
mus, mit dem er sich jedoch nicht gemein machte, als dieser an die Macht k=
am.

Nun sind alle seine gedruckten politischen Beitr=E4ge, 145 an der Zahl, die =
er von 1919 an, zun=E4chst in Diensten der Reichswehr, dann als immer erfolg=
reicher werdender freier Autor, in nationalistischen Bl=E4ttern und Sammelb=E4=
nden bis Ende 1933 verfasst hat, in chronologischer Reihenfolge nachzulese=
n =96 und siehe da: J=FCnger ist auch als unbarmherziger Ver=E4chter des konvent=
ionellen B=FCrgertums und der Weimarer Demokratie ein Stilist von hohen Grad=
en.=20

Er wurde seinerzeit auch von vielen verwandten rechten Bl=E4ttern um Beitr=E4g=
e gebeten, da er es war, der dem revolution=E4ren Nationalismus Weimarer Pr=E4=
gung eine Stimme gab, die verstanden und geh=F6rt wurde. Er war auch bereit,=
 dem linksliberalen Tagebuch von Leopold Schwarzschild die von ihm vertret=
ene Position des revolution=E4ren Nationalismus zu erkl=E4ren. In ihm finden s=
ich S=E4tze wie: =84Der wahre Wille zum Kampf jedoch, der wirkliche Hass hat L=
ust an allem, was den Gegner zerst=F6ren kann. Zerst=F6rung ist das Mittel, da=
s dem Nationalismus dem augenblicklichen Zustande gegen=FCber allein angemes=
sen erscheint. =85 Weil wir die echten, wahren und unerbittlichen Feinde des=
 B=FCrgers sind, macht uns seine Verwesung Spa=DF. Wir aber sind keine B=FCrger,=
 wir sind S=F6hne von Kriegen und B=FCrgerkriegen, und erst, wenn dies alles, =
dieses Schauspiel der im Leeren kreisenden Kreise, hinweggefegt ist, wird =
sich das entfalten k=F6nnen, was noch an Natur, an Elementarem, an echter Wi=
ldheit, an Ursprache, an F=E4higkeit zu wirklicher Zeugung mit Blut und Same=
n in uns steckt.=93

Nat=FCrlich ist ein solcher Stil Ausdruck einer ideologischen Besessenheit, =
die dem Demokratischen, dem Liberalen, dem Humanit=E4ren den Kampf ansagt un=
d die keine sprachliche =C4sthetik entschuldigen kann. J=FCnger hat seine Lese=
r und Anh=E4nger durch seine Heroisierung des Kriegserlebnisses f=FCr eine gew=
altt=E4tige und kriegerische Politik vorbereitet, die Deutschland am Ende ru=
inieren sollte. An diesem Band l=E4sst sich nun studieren, wie J=FCnger seine =
damalige revolution=E4re Weltanschauung begr=FCndet, entfaltet und zu politisc=
her Wirkung gebracht hat. Verglichen mit seinem Sprachverm=F6gen, das vom Gl=
auben an eine revolution=E4re Zeitenwende inspiriert war, ist der heutige Re=
chtsextremismus geradezu mit Sprachlosigkeit geschlagen. Doch was ist weni=
ger schlimm: Solche Eloquenz oder eine primitive Ideologie der Gewalt=3F J=FCn=
gers politische Publizistik ist schwer zu entschuldigen.

J=FCnger hat sich nach dieser Phase seines Kampfes f=FCr ein anderes Reich im =
Geiste der Frontsoldaten politisch nicht mehr ge=E4u=DFert, aber er hat seine =
in diesem Band festgehaltenen nationalistischen und militaristischen Obses=
sionen, die er wie selbstverst=E4ndlich als politisches Evangelium zu vermit=
teln wei=DF, niemals ausdr=FCcklich verworfen oder missbilligt. Diese Schrifte=
n geh=F6ren zu ihm und zu seinem ungew=F6hnlichen, vielseitigen, die Interpret=
en oft verunsichernden Werk. Es war an der Zeit, dass der omin=F6seste Teil,=
 eben seine politische Publizistik, nun allgemein zug=E4nglich wird. Mit sei=
ner Hilfe k=F6nnen wir den Geist kennen lernen, von dem die Nazis bei ihrem =
Zerst=F6rungswerk profitierten.


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Ernst J=FCnger : Politische Publizistik 1919=961933 Hrsg. von Sven Olaf Bergg=F6=
tz; Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2001;
850 S., 98,=96 DM =20




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