Welt am Sonntag vom 7. Oktober 2001 Die Wut des Frontoffiziers Buch-Tipp Von Heimo Schwilk Ber=FChmt geworden ist der Schriftsteller Ernst J=FCnger, der 1998 im Alter vo= n fast 103 Jahren starb, durch seinen Kriegsbuchklassiker "In Stahlgewitte= rn" (1920) und die Widerstandsparabel "Auf den Marmorklippen" (1939). Dass= er als junger "Nationalrevolution=E4r" in den zwanziger Jahren zahlreiche Z= eitschriftenaufs=E4tze verfasste, in denen er gegen die Weimarer Republik Fr= ont machte, ist bis heute nur dem kleinen Kreis der J=FCnger-Kenner und -Kri= tiker bekannt. Zu Lebzeiten wollte Ernst J=FCnger die im Geiste eines gl=FChen= den Nationalismus und aggressiven Antiliberalismus geschriebenen Texte nic= ht wieder ver=F6ffentlicht wissen. Im Verlag Klett-Cotta, in dem auch das We= rk J=FCngers erscheint, kommt jetzt ein Band heraus, der die zwischen 1919 u= nd 1933 in diversen nationalistischen Organen publizierten Beitr=E4ge verein= t (Ernst J=FCnger: Politische Publizistik 1919-1933, 850 Seiten, 98 Mark). D= er Bonner Politikwissenschaftler Sven Olaf Bergg=F6tz hat die 145 Aufs=E4tze e= diert und mit Erl=E4uterungen sowie einem umfangreichen biografischen Nachwo= rt versehen. Der hier vorabgedruckte Beitrag entstand 1925, als sich der Drei=DFigj=E4hrige= nach dem Abbruch seines Zoologiestudiums neu zu orientieren suchte. Die l= ange aufgestaute Wut des hochdekorierten ehemaligen Offiziers =FCber die pol= itischen und sozialen Verh=E4ltnisse entlud sich ab September 1925 in dutzen= den von Artikeln, die J=FCnger im "Stahlhelm", der Verbandszeitschrift ehema= liger Frontsoldaten, und in den Bl=E4ttern der radikalen Rechten (in der "St= andarte" erschien am 15.11.1925 "Der Pazifismus") publizierte. Themen der = brillant formulierten Essays, denen auch ein Klaus Mann Anerkennung zollen= musste, sind die Folgen von Versailles, die Idee des "neuen Nationalismus= ", die Begr=FCndung von Kampf und Krieg, der Niedergang des B=FCrgertums und d= ie Notwendigkeit der Revolution. Der Pazifismus (I)=20 In einem vergessenen und jetzt neu edierten Essay der 20er-Jahre "In Stahl= gewittern" wird die pazifistische Idee als Wunschdenken entlarvt Von Ernst J=FCnger Blicke in stillen N=E4chten zum gestirnten Himmel empor, und suche Dich dabe= i in jene m=E4chtigen Theorien des abendl=E4ndischen Denkens zu versenken, nac= h denen ein gl=FChender Urnebel die Welten wie Geschosse in den Raum hinauss= chleudert und der Kreislauf der Systeme sich unendliche Zeiten durch das W= indspiel der ihnen innewohnenden Kr=E4fte in Ordnung h=E4lt, bis das alles wie= der zu einem wirbelnden Chaos zusammengeschmettert wird, das neue Welten i= n seinem feurigen Scho=DFe h=E4lt. Und dann blicke mit bewaffnetem Auge in die= Welt, die ein Wassertropfen umschlie=DFt. Du wirst in ihr dieselben Gesetze= von Spannung und Ausgleich wiederfinden. Du wirst darin Wesen entdecken, = lichtgr=FCn oder glasklar, die sich in taumelnden und rollenden Bahnen beweg= en, die ihren Raum zu beherrschen suchen und die ihre winzigen Organe zum = Angriff oder zur Abwehr ausstrecken, wenn ihnen das Fremde entgegentritt. = Blicke in den fr=FChlingsgr=FCnen Wald, der das Leben selbst zu verk=F6rpern sch= eint, und =FCberlege Dir, da=DF jeder einzelne Baum und jeder kleinste Halm in= einem erbitterten Kampf um Licht und Nahrung erwachsen ist. Wirf Dein Net= z aus in die tiefsten, dunkelsten Abgr=FCnde des Meeres, und Du wirst Wesen = herausziehen, mit riesigen M=E4ulern, mit Scheinwerfern, welche die Beute su= chen, und mit Fangarmen, welche sie w=FCrgend ergreifen sollen. Stelle einen= beliebigen Gegenstand vor Dich hin, und mache Dir dabei ganz klar, da=DF do= rt, wo dieser Gegenstand steht, kein anderer stehen kann, da=DF er durch die= reine Tatsache seiner Existenz schon andere Existenzen beeintr=E4chtigen mu= =DF, und sei es nur die der Luft, die er nur durch =DCberwindung eines Widerst= andes verdr=E4ngt, den Du vielleicht nicht wahrnimmst, der aber trotzdem bes= teht. Und dann blicke hinein in Deine eigene Existenz. Jeder Deiner Schritte geh= t =FCber das Leben selbst. Jeder L=F6ffel voll Nahrung, den Du zu Dir nimmst, = bedeutet Leiden und Untergang der lebenden Kreatur, bedeutet die Verdr=E4ngu= ng und Verletzung eines fremden Rechts. Jeder Schnitt, den die Sense tut, = jeder Axthieb, der in den Schlachth=E4usern f=E4llt, wird gegen das volle Lebe= n gef=FChrt. Du f=FCrchtest eine Krankheit und kochst Dein Trinkwasser ab: Das= hei=DFt, da=DF Du unz=E4hlige Lebewesen Deiner pers=F6nlichen Sicherheit wegen zu= einem langsamen und qualvollen Tode verdammst. Du bist wirklich krank gew= orden, und der Arzt spritzt Dir ein Gegengift ins Blut, das hei=DFt, da=DF geg= en Armeen von Bakterien eine Entscheidungsschlacht geschlagen werden soll.= Oder Du wirst durch eigene Kr=E4fte gesund: Die Abwehrstoffe Deines K=F6rpers= haben den eingedrungenen Feind vernichtet. Willst Du Dir Vorw=FCrfe machen = deshalb=3F Dann geh hin und stirb. Solange Du lebst, =FCbst Du Recht aus, und = das hat unweigerlich die Verdr=E4ngung anderer, schw=E4cherer Arten des Rechte= s zur Folge. Alles Leben unterscheidet sich und ist schon deshalb kriegerisch gegeneina= nder gestellt. Im Verh=E4ltnis des Menschen zu Pflanzen und Tieren tritt das= ohne weiteres hervor, jeder Mittagstisch liefert den unwiderleglichen Bew= eis. Das Leben =E4u=DFert sich jedoch nicht nur im Kampfe der Arten untereinan= der, sondern auch im Kampfe innerhalb der Arten selbst. So steht auch der = Mensch, wann und wo es auch sei, im Kriege wie im Frieden in einem unaufh=F6= rlichen Kampfe gegen den Menschen selbst. In jeder Stellung, in jeder Stuf= e, die der Einzelne erklimmt, in jedem Schritt, den er tut, liegt die Verd= r=E4ngung von anderen, m=F6ge sie auch ebensowenig wahrnehmbar sein wie die Ve= rdr=E4ngung der Luft durch jenen Gegenstand, von dem eben die Rede war. Es i= st z. B. ein wahrer Satz, da=DF das Gesch=E4ft das Geld anderer Leute ist. Auc= h hinter den scheinbar friedlichsten Einrichtungen, wie hinter der moderne= n Reklame oder hinter der Polizei, steckt doch ein ganz unerbittlicher Wil= le zum Kampf. Durch Gesetze, Vereinbarungen, Zusammenschl=FCsse, kurz durch = den sozialen Kontrakt, wird dieser Kampf latent und weniger sichtbar gemac= ht, aber wie schneidend seine Waffen sind, das wei=DF jeder Einzelne. Dassel= be gilt f=FCr das Verh=E4ltnis der Staaten unter sich. Das Gegenteil behaupten= hie=DFe sich Lebenseinheiten denken wollen, die den Gesetzen des Lebens nic= ht unterworfen sind. Das sind utopische Konstruktionen theoretisierender G= ehirne ohne Fleisch und Blut. Man k=F6nnte dar=FCber hinweggehen, ohne ein Wor= t zu verlieren, und die Tatsachen sprechen lassen, wenn es nicht n=F6tig w=E4r= e, die Ergebnisse des Verstandes ununterbrochen mit der Wirklichkeit in Ei= nklang zu halten. So ist es erfreulich und wohl auch bezeichnend f=FCr eine = neue Wendung in allen Schichten, da=DF in diesen Tagen ein Buch eines modern= en Philosophen, Freyer (der Soziologe Hans Freyer ver=F6ffentlichte 1925 "De= r Staat", d. R.), erschienen ist, in dem in sehr geistiger Weise nachgewie= sen wird, da=DF alle Ma=DFnahmen der Politik, bewu=DFt oder unbewu=DFt, auf den Kr= ieg berechnet sind. B=FCndnisse, Vertr=E4ge, internationale Abmachungen, das a= lles sind F=FChlh=F6rner, Tastf=E4den und Vorbereitungen der absoluten Macht. Un= d wenn k=FCrzlich im Simplicissimus (M=FCnchner politisch-satirische Zeitschri= ft, d. R.) ein Bild erschien mit der Unterschrift, da=DF "vor und nach dem K= riege die Diplomaten zusammen zu fr=FChst=FCcken pflegen", so ist das eine Wah= rheit in der Fassung eines grimmigen Humors. Die Kanonen sind nicht dauern= d im Feuer, aber sie sprechen immer mit. Auch Schopenhauer w=E4re hier zu zi= tieren mit seiner Fabel von der Gesellschaft der Stachelschweine, die sich= f=FCr gew=F6hnlich so weit auseinanderhalten, da=DF eine mittlere Temperatur en= tsteht, aber da=DF diese Entfernung und Abgrenzung nur durch die aufeinander= gerichteten Stacheln und ihre empfindlichen Stiche aufrecht erhalten wird= . Was innerhalb der Staaten der soziale Kontrakt bewirkt, die Regelung der S= pannungen zwischen den Individuen, das leistet im Verh=E4ltnis der Staaten u= ntereinander die Politik. Das alles sind Binsenweisheiten, deren G=FCltigkei= t jedoch der Geist wie immer in Zeiten gro=DFer Ersch=FCtterung, so auch in de= r unseren, durch neue Fragestellungen erproben will. Rezepte aller Art lie= gen nat=FCrlich bereits fix und fertig vor. Das gro=DFe Heilmittel gegen die S= pannung innerhalb des Staates selbst gefunden zu haben, beansprucht der Ko= mmunismus, das gegen die Spannungen der Staaten gegeneinander der Internat= ionalismus, und das gegen den Krieg speziell der Pazifismus. Da=DF der Frontsoldat kein Pazifist sein kann, ist selbstverst=E4ndlich. Aber = er besitzt die Pflicht, sich mit dem Pazifismus zu besch=E4ftigen und gegen = ihn in Stellung zu gehen, denn durch ihn wird er in seiner sittlichen Halt= ung unmittelbar angegriffen. Zun=E4chst mu=DF noch ein wichtiger Unterschied k= largestellt werden, der zwischen Friedensliebe und Pazifismus. Friedlieben= d ist im Grunde jeder anst=E4ndige Mensch, und auch der Frontsoldat rechnet = sich nicht zu den Raufbolden, denen es ein besonderes Vergn=FCgen macht, sic= h den Sch=E4del einschlagen zu lassen. Aber der Pazifismus setzt den Frieden= als sein h=F6chstes Ziel, w=E4hrend der Frontsoldat glaubt, da=DF es Werte gibt= , um die mit allen Mitteln gek=E4mpft werden und f=FCr die jedes Opfer gebrach= t werden mu=DF. Beide Haltungen entspringen bestimmten Willensrichtungen, un= d beide bauen sich nat=FCrlich ihre weltanschaulichen Ger=FCste auf den Fundam= enten dieses Willens auf. Vielleicht ist es bei dem beschr=E4nkten Raum am b= esten, das Bruchst=FCck eines Gespr=E4chs einzuschalten, wie es =E4hnlich in uns= erer Zeit unz=E4hlige Male gef=FChrt werden mag. - - - Der Pazifismus (II)=20 Fortsetzung A.: "Wie k=F6nnen Sie mich einen Sch=E4dling nennen=3F Sehen Sie denn nicht ein,= da=DF ich nur das Beste will=3F Wie k=F6nnen sittliche Forderungen =FCberhaupt sc= h=E4dlich sein=3F Forderungen, die durch die gr=F6=DFten Gefahren vertreten worden= sind=3F Verfolgen Sie doch nur die Geschichte, ich meine nat=FCrlich die eige= ntliche und wesentliche Geschichte der Menschheit, die Geschichte der Vern= unft und der Kultur und nicht die des kriegerischen Wahnsinns, die sich wi= e ein blutiger Strom durch die Zeiten zieht und durch die leider noch in f= ast allen unseren Schulen das Denken und Empfinden schon von Kind auf verg= iftet wird. Auch Sie geh=F6ren zu jener kritiklosen Masse, die planm=E4=DFig zum= Kanonenfutter erzogen worden ist. Lernen Sie doch denken, versuchen Sie n= ur einmal den Bann Ihrer angeborenen Vorurteile von sich abzustreifen! Der= sittliche Mensch ist auf dem Marsch. Fr=FCher glaubte man ebenso steif und = fest, da=DF es Hexen g=E4be, die auf Besenstielen ritten, wie Sie jetzt daran = glauben, da=DF es Krieg geben mu=DF. Es mu=DF aber keine Kriege geben! Denken Si= e daran, da=DF es S=F6hne von M=FCttern sind, die sich gegenseitig niederschie=DFe= n. Seien Sie ganz ehrlich, und geben Sie zu, da=DF auch Sie im Grunde Ihrer = Seele wohl f=FChlen, da=DF es unsittlich und barbarisch ist, Menschen zu t=F6ten= , zu blenden oder zu verst=FCmmeln - Menschen, von denen auch Sie einer sind= ." B.: "Wenn ich das zugeben wollte in dem Sinne, den Sie meinen, m=FC=DFte ich m= ich als einen Verbrecher bezeichnen. Ich pers=F6nlich habe in dem letzten Kr= ieg Menschen get=F6tet, ich habe das als meine Pflicht angesehen und mache m= ir noch heute keinen Vorwurf daraus. Aber wir d=FCrfen unserer Unterhaltung = nicht den wechselnden Ma=DFstab von Sittlichkeitsbegriffen zu Grunde legen. = Unser bis zum Relativismus gesteigertes Bestreben nach Objektivit=E4t hat un= s seit nun fast hundert Jahren davon =FCberzeugt, da=DF auch die Sittlichkeit = nichts Absolutes, sondern da=DF sie vielmehr eine Funktion sehr verschiedene= r Kr=E4fte ist, die zu den Breitengraden, den Menschen und ihrer Zeit in ein= er ganz bestimmten und ver=E4nderlichen Beziehung steht. Sie verfechten eine= Idee, die pazifistische, und ich nehme an, da=DF Sie Ihre Idee f=FCr gr=F6=DFer u= nd m=E4chtiger halten als Ihre eigene Person, da=DF Sie den Willen haben, ihr = jedes Opfer zu bringen, da=DF Sie also z. B. die Konsequenzen ziehen w=FCrden,= wenn der Staat die pazifistische Bet=E4tigung schwer bestrafen w=FCrde, was i= n seinem eigensten Interesse zu hoffen ist. Sie w=FCrden es andererseits auc= h f=FCr Recht halten, wenn die Anh=E4nger des Krieges mit Gewalt an dem verhin= dert w=FCrden, was Sie einen Wahnsinn nennen=3F Nun, ich bin ganz in derselben= Lage, nur da=DF meine Idee die nationale ist. Wir k=F6nnten also das Gespr=E4ch= schlie=DFen, das doch zu keinem Ergebnis f=FChren kann." A.: "Aber lieber Freund, speisen Sie mich doch nicht so billig ab! Nat=FCrli= ch ist eine Idee wichtiger und wertvoller als der einzelne Mensch. Aber do= ch nur eine richtige Idee! Keine Idee, die verstaubt und vermottet ist wie= die alten Fahnen, die in den Zeugh=E4usern h=E4ngen! Sie werden doch nicht ve= rlangen, da=DF sich jemand z. B. f=FCr die Idee von Sch=F6ppenstedt (dort soll E= ulenspiegel sein Unwesen getrieben haben, d. R.) totschie=DFen lassen soll. = Das, was Sie die nationale Idee nennen, ist heute veraltet wie die Kleinst= aaterei; es ist zu einer Art Verkehrshindernis geworden, das der Fortschri= tt der modernen Verkehrsmittel fr=FCher oder sp=E4ter beseitigen mu=DF. Ich will= zugeben, da=DF es keine absolute Sittlichkeit gibt, da=DF sogar der Hexenproz= e=DF im Rahmen der mittelalterlichen Landschaft notwendig war, da=DF auch die = Kriege ihre Berechtigung hatten, aber wir leben heute nicht mehr im Mittel= alter. Denken Sie biologisch, und verfolgen Sie, wie sich die Lebenseinhei= ten zu immer gr=F6=DFeren Komplexen zusammenschlie=DFen. Die vereinigten Staaten= von Europa sind eine biologische Notwendigkeit, die Idee des V=F6lkerbundes= ist der erste, unvollkommene Schritt zu diesem Ziel, das wiederum zu den = vereinigten Staaten des Erdballs f=FChren wird. Denken Sie fernerhin =F6konomi= sch an den Krieg als an eine ma=DFlose Energieverschwendung, die schon das l= etzte Mal auch f=FCr den Sieger keinen Erfolg brachte, welcher der H=F6he des = verbrauchten Kapitals auch nur im mindesten entspricht, ganz abgesehen von= anderen Werten, die sich nie wieder ersetzen lassen. K=F6nnen Sie auch nur = einem einzigen Menschen das Augenlicht wiedergeben=3F Nein, heute ist der Kr= ieg nicht einmal mehr ein Gesch=E4ft!" B.: "Ich kann beim besten Willen in der Idee der Nation ebensowenig etwas = Veraltetes entdecken wie etwa in der Familie, an der die Aufkl=E4rung ja auc= h schon lange genauso zu r=FCtteln versucht. Sie sprechen zu verstandesm=E4=DFig= =FCber Kreise, in die man hineingeboren wird. Sie m=FCssen damit rechnen, da=DF= der nationale Mensch seinem Lande ebensowenig objektiv gegen=FCberstehen ka= nn wie Sie vielleicht Ihrer Mutter oder einer anderen Person, der Sie gef=FC= hlsm=E4=DFig verbunden sind. Und da Sie das biologische Gebiet ber=FChren, so we= rden Sie gut tun, darin eine biologische Tatsache zu erblicken, die sich i= m letzten Krieg durch viele Millionen Tote aller kriegf=FChrenden Nationen b= est=E4tigt hat." A.: "Die f=FCr einen schrecklichen Irrtum gefallen sind." B.: "Irrtum oder nicht, jedenfalls steht die Tatsache fest, da=DF der Mensch= jeder Nation mit allem, was er hatte und war, in diesen Krieg gezogen ist= . Auch die Tatsache, da=DF Sie ihre Fragestellung diesem Ereignis verdanken = und da=DF der V=F6lkerbund, den Sie so begr=FC=DFen, undenkbar w=E4re ohne den vorau= sgegangenen Krieg. Biologisch ist der Kampf eine Lebensform von vornherein= . Und wenn ich mir rein verstandesm=E4=DFig vielleicht gr=F6=DFere Einheiten als d= ie der Nation vorstellen kann, so ist es mir ganz undenkbar, da=DF sie nicht= den Gesetzen der Macht unterworfen sein sollten, die immer bis an ihre =E4u= =DFersten Grenzen geht. Jede Kraft besitzt nur Sinn auf einen Gegensatz. Auc= h der V=F6lkerbund hat in seinen Statuten den Krieg vorgesehen, und wenn der= Zusammenschlu=DF der ganzen Erde erfolgen sollte, so k=F6nnte das nur zu eine= r riesigen Verwesung f=FChren wie zu der des r=F6mischen Imperiums, als keine = Macht ihm mehr gegen=FCberstand. Ein Dasein ohne Spannungen und Kampf, das i= st ein Dasein ohne Sinn. Es ist m=F6glich, da=DF am Ende jeder Kultur ein gro=DF= es, =FCberragendes Reich steht, aber damit deutet sich eben bereits das Ende= an. Sie sehen im Kriege nur die Vernichtung, nicht die Geburt. Auch die F= rage der Kosten kann keine Rolle spielen: Es gibt Dinge, f=FCr die kein Prei= s zu hoch ist, selbst nicht der =E4u=DFerste des heroischen Unterganges!" A.: "Sprechen Sie doch nicht von Heroismus und von pers=F6nlichem Mut! Die Z= eiten sind vorbei. Lesen Sie von General von Sch=F6naich (Franz von Sch=F6naic= h war 1906-11 =F6sterreichischer "Reichskriegsminister", d. R.), der als alt= er Soldat die Dinge verstehen mu=DF, die Schrift =FCber den Krieg vom Jahre 19= 30, aus der Sie sehen werden, wie der Fortschritt der technischen Mittel, = vor allem des Gaskrieges, zu einer sinnlosen gegenseitigen Vernichtung und= zu einem zwecklosen Leiden f=FChren mu=DF, das sich keine Phantasie ausmalen = kann." B.: "Ich habe sie gelesen, aber ich kann nicht einsehen, was der technisch= e Fortschritt mit der sittlichen Haltung zu schaffen haben soll. Selbstver= st=E4ndlich wird jeder Krieg ausgetragen mit den Mitteln seiner Zeit, und ei= n Geschlecht, das Maschinen baut, wird sich auch im Kampfe sein technische= s Arsenal nutzbar machen. Da der Krieg schon immer auch die M=F6glichkeit de= s v=F6lligen Unterganges umfa=DFte, so wird auch in Zukunft nicht anzunehmen s= ein, da=DF die R=FCcksicht auf seine Schrecknisse, wie gro=DF sie auch sein m=F6ge= n, ein entschlossenes Volk zur=FCckhalten wird. Es gibt im Bereiche der M=F6gl= ichkeiten nichts, was man nicht vom Menschen erwarten d=FCrfte. Au=DFerdem, wenn Sie den Fortschritt des Pazifismus von dem Fortschritt in s= ittlicher Erkenntnis abh=E4ngig machen wollen, so m=FCssen Sie zugeben, da=DF ge= rade die fortgeschrittenen V=F6lker sich den weniger fortgeschrittenen gegen= =FCber schw=E4chen m=FCssen. Vergleichen Sie daher die Exekutivaufgabe des V=F6lke= rbundes mit denen der Polizei, so m=FCssen Sie mir zun=E4chst erkl=E4ren, warum = die Polizei bis heute noch nicht die Verbrechen abgeschafft hat. Ihr V=F6lke= rbund wird seine Kriege im Bewu=DFtsein des absoluten Rechts f=FChren und nach= Anwendung eines gewissen Zeremoniells - aber so weit waren wir 1914 auch = schon." A.: "Ich sehe, Sie sind hoffnungslos in Ihre militaristische Ideologie ver= rannt." B.: "Ich habe mich bem=FCht, beim Tats=E4chlichen zu bleiben." A.: "Die Tatsachen werden durch den Geist bestimmt." B.: "Der Geist wird sich immer mit allen Mitteln zu verwirklichen suchen."= A.: "Das wird auch der Pazifismus tun." B.: "Sie wollen also dem Kriege den Krieg erkl=E4ren=3F" A.: "Ja!" B.: "Das ist ein Wort, das sich h=F6ren l=E4=DFt."=20 Ernst J=FCnger (1895-1998) =5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F= =5F=5F=5F=5F Sie surfen im Internet statt im Meer=3F Selbst schuld! Auf zum Strand: http://lastminute.de/=3FPP=3D1-0-100-105-1
Markup © John King, July 2001.