S=FCddeutsche Zeitung vom 10. Oktober 2001 Nationalismus=20 =20 Bombenattentate und andere Klopfsignale=20 =20 Von der indiskreten Lust, gef=E4hrlich zu sein: Ernst J=FCnger in seinen polit= ischen Schriften der Zwanziger Jahre un der Neue Nationalismus=20 GUSTAV SEIBT=20 =20 =BB Wir lernen einen sehr jungen, sehr begabten und sehr unbedachten Schrift= steller von betr=E4chtlichem Witz kennen. =AB =20 =20 (SZ vom 10.10.2001)- Nach dem Zweiten Weltkrieg hat Ernst J=FCnger eine Neup= ublikation seiner politischen Schriften aus den zwanziger Jahren nicht meh= r zugelassen. Der Autor, der sich beharrlich verwandelte und seine Werke n= euen Zeitlagen anpasste, sich aber nie =F6ffentlich korrigieren oder gar ein= en Irrtum eingestehen mochte, zeigte keine Neigung, seine fr=FChzeitige Entd= eckung des Gefreiten Adolf Hitler =84als Vorahnung eines ganz neuen F=FChrerty= pus=93 in die Situation von 1925 einzuordnen oder Auskunft dar=FCber zu geben,= ob er Hitler immer noch als =84den gr=F6=DFten deutschen Redner=93 wie im Jahre 1= 927 ansah. Im Jahre 1929 begr=FC=DFte J=FCnger eine Serie von Bombenattentaten, die rechtsr= adikale Gruppierungen gegen =F6ffentliche Geb=E4ude richteten, als =84Klopfsigna= le=93 =96 so sehr ihm =84als einem der besten Kenner der modernen Materialschlac= ht eine solche n=E4chtliche Feuerwerkerei vor fiskalischen Geb=E4uden zum mind= esten abgeschmackt=93 erschien. H=E4tte er derlei =84Klopfsignale=93 etwa in den s= iebziger Jahren einer bundesrepublikanischen =D6ffentlichkeit erl=E4utern soll= en=3F Daran war nicht zu denken. F=FCr die Aussparung der juvenilen Gelegenheitsschriften sprach zudem der Ge= sichtspunkt der Werklogik. Der Weg von den =84Stahlgewittern=93 (1920) zum =84Ar= beiter=93 (1932), vom heldenhaften Standhalten in der Materialschlacht zur D= iagnose der planetarischen Technisierung, verl=E4uft geradliniger ohne den U= mweg =FCber die Niederungen des =84Neuen Nationalismus=93, ohne den Tagesaktivis= mus und Verbalradikalismus der Soldaten- und Literatengr=FCppchen am rechten= Rand.=20 J=FCnger hatte ein gewisses moralisches Recht, das liegen zu lassen, denn er= hatte seine Aktivistenrolle schon vor 1933 aufgegeben und den Trennstrich= zum Nationalsozialismus bereits gezogen, als Hitler an die Macht kam. Sei= t dem =84Arbeiter=93 war er endg=FCltig zu dem stoischen Beobachter geworden, de= r mit den Katastrophen des Jahrhunderts auf Augenh=F6he stand, sich aber nic= ht mehr in sie verwickeln lassen wollte.=20 Jetzt liegt der dicke Packen von J=FCngers nationalpolitischer Publizistik z= um ersten Mal vollst=E4ndig gesammelt vor. Zum ersten Mal hat man ausf=FChrlic= h Gelegenheit, einen historisch-zeitgen=F6ssischen J=FCnger ganz ohne Retusche= n und =DCbermalungen kennen zu lernen, ohne die Werkhaftigkeit, mit der er s= eine sp=E4tere Produktion von vornherein auf Zeitdistanz brachte. Das Bild d= ieses Autors ver=E4ndert sich, obwohl alles politische Kompromittierende die= ses Textcorpus l=E4ngst bekannt ist und die neue Ausgabe kaum Gelegenheit f=FC= r neue Entr=FCstungen bietet. Wir lernen einen sehr jungen, sehr begabten und sehr unbedachten Schriftst= eller von betr=E4chtlichem Witz kennen, einen arroganten Frechling, brillant= , herzlos und ger=FCstet mit dem unbedingten Willen zur Modernit=E4t.=20 Alles Widerw=E4rtige ist bekannt. J=FCngers Stellung zur =84Judenfrage=93, die er = f=FCr wenig bedeutsam hielt, war von ostentativer Herrenmenschenk=E4lte. Die J= uden und die Deutschen sah er wie Wasser und =D6l, die sich nicht vermischen= k=F6nnen. Je sichtbarer das J=FCdische sei, desto unsch=E4dlicher werde es, wes= halb der Jude auch den leisesten Wahn, in Deutschland Deutscher sein zu k=F6= nnen, aufgeben m=FCsse. Die Alternative laute: =84in Deutschland entweder Jude= zu sein oder nicht zu sein=93.=20 Verfassungsfeind J=FCnger Der publizistische Kontext dieser =C4u=DFerung ist gut erforscht, man kann das= in dem ausgezeichneten neuen J=FCnger-Handbuch von Steffen Martus nachlesen= , das auch J=FCngers Verbindungen zum Nationalsozialismus pr=E4zise rekonstrui= ert. J=FCngers antiliberale Idee vom Nationalen zielte auf soziale und kultu= relle Homogenit=E4t; das Rassische war ihm gleichg=FCltig, bestenfalls Metaphe= r. Aber die zitierte Formulierung von 1930 h=E4tte mindestens auf eine neue = Ghettobildung, wenn nicht auf Vertreibung hinauslaufen m=FCssen. Daran ist f= estzuhalten, auch wenn man unterstellt, dass zu diesem Zeitpunkt die physi= sche Judenvernichtung noch nicht absehbar war.=20 J=FCnger war erkl=E4rter Verfassungsfeind. Ob man die Republik auf dem =84kalten= oder dem warmen Weg=93 abschaffen solle, mit legalen Mitteln oder durch Rev= olution, das war die einzige Frage, die sich ihm stellte. Dass er selbst f= =FCr den warmen Weg sei, daran lie=DF er keinen Zweifel, und der Legalit=E4tskur= s der NSDAP war es dann auch, er ihn 1930 zum Bruch mit der Hitler-Bewegun= g veranlasste. J=FCngers Republikfeindschaft tr=E4gt eine eigene Farbe. Er gla= ubte nicht an die Legende vom =84Dolchsto=DF=93; er hielt sie f=FCr eine Erfindung= des Wilhelminischen Establishments, das seinen eigenen Zusammenbruch eine= r Revolution in die Schuhe schieben wollte, die f=FCr J=FCnger nur eine Auswec= hselung der Fassaden bedeutete.=20 F=FCr ihn stand vielmehr fest, dass der Krieg noch gar nicht zu Ende war, da= ss er weiterging und deshalb noch gar nicht verloren sein konnte. Vorerst = war die Politik =84die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln=93, und sch= on deshalb war die Republik, die von den vorl=E4ufigen Siegern =FCbernommene V= erfassung, eine untaugliche Staatsform. Die Neuausgabe der J=FCngerschen politischen Schriften zeigt, in welchem Aus= ma=DF sein Denken noch bis zum =84Arbeiter=93 von der nie akzeptierten Niederlag= e im Ersten Weltkrieg gepr=E4gt war. Hier wird eine ganz andere Werklogik si= chtbar als die, welche J=FCnger durch seine Aussparungen und Umarbeitungen h= interher konstruierte. J=FCngers Blick auf die reformierte b=FCrgerliche Welt = der Weimarer Zeit kommt aus der Erfahrung der Materialschlacht. Der Stil e= iner Epoche, so dozierte er 1925, =84offenbart sich in einer Schlacht ebenso= klar, wie in einem Kunstwerk oder in dem Gesicht einer Stadt.=93=20 Die Landschaft der Materialschlacht war f=FCr ihn =84von einer Eint=F6nigkeit, w= ie sie nur die Maschine hervorbringen kann, hier hatte dieselbe Kraft, wel= che die unendlichen, mit Motorpfl=FCgen bestellten Weizenfelder Nordamerikas= und die grauen Fabrikst=E4dte der Steinkohlebezirke hervorgebracht hatte, i= hre =DCbersetzung in die mechanische Vernichtung erfahren.=93 Diesen Zusammenh= ang von modernem Krieg und moderner Produktionsweise hat J=FCnger f=FCnf Jahre= sp=E4ter in der Abhandlung =FCber die =84Totale Mobilmachung=93 auf Ideologie und= Politik erweitert. Denn der Ausdehnung des technischen Produktionskrieges= auf die Wirtschaft im Hinterland muss eine entsprechende Mobilisierung in= der Gesellschaft und im politischen System antworten. Die Verfassung der = Nation muss, will sie sich im modernen V=F6lkerkampf behaupten, sozial, krie= gerisch und autorit=E4r sein, also auf die Zwischeninstanzen des St=E4ndischen= , aber auch der liberalen =D6ffentlichkeit und des Parlamentarismus verzicht= en. Bezaubert vom Kommunismus Bezeichnend ist in diesem Zusammenhang die vorurteilsfreie Sympathie, die = J=FCnger fr=FChzeitig f=FCr den Kommunismus bekundet. Als Kampfbewegung stehe er= =84uns n=E4her als die Demokratie=93, erkl=E4rt er 1925, im selben Jahr preist er= Mussolini und Hitler als Vertreter des neuen F=FChrertums. Es ist das Total= it=E4re, was ihn am kommunistischen System bezaubert; was ihn davon trennt i= st eine Gr=F6=DFe, die J=FCnger, beeinflusst von Carl Schmitt, f=FCr etwas vorwieg= end Instrumentelles h=E4lt: die universalistische Ideologie. =84Menschheit=93 is= t ihm nur eine =84S=E4ugetierspezies=93; nur die Nation als das Besondere, woran= sich die V=F6lker freuen, erlaubt jenes Leben f=FCr ein =FCbergeordnetes Wesen,= das alle Kr=E4fte des Daseins in eine Richtung bringt.=20 Die Republiken und die Demokratien des Westens, zumal das franz=F6sische Wel= tkriegsgedenken mit der Figur des Unbekannten Soldaten betrachtet J=FCnger i= ndes keineswegs mit Geringsch=E4tzung; sie sind f=FCr ihn aber nicht allgemein= g=FCltige Modelle, sondern autochthone Ideologien, die der Schlagkr=E4ftigkei= t eines Besonderen dienen.=20 Deutschland unterlag, weil es eigenw=FCchsiger Rechtfertigungen von vergleic= hbarer Schlagkr=E4ftigkeit entbehrte. J=FCnger spricht von =84Reklame=93 =96 die Erm= ordung eines Thronfolgers in Sarajewo 1914 war ein schlechterer Grund f=FCr = Kriegsfuror als die Verletzung der v=F6lkerrechtlich geheiligten Neutralit=E4t= Belgiens durch die Deutschen. =84Es ist unzweifelhaft, dass uns die ganze v= erb=FCndete Welt nicht h=E4tte widerstehen k=F6nnen, wenn wir die F=FChrung des We= ltkrieges mit einem weltrevolution=E4ren Anspruche von h=F6chstem Range verbun= den hatten=93, hei=DFt es 1930. Statt dessen wartete Deutschland mit einem =84Ge= misch von schlechter Romantik und mangelhaftem Liberalismus=93 auf. Vor dem Hintergrund dieser Argumentationsfigur muss man den =FCberraschendst= en und einsichtsvollsten Satz dieser Schriften lesen: =84Es ist weniger die = Republik, die uns st=F6rt, als der Mangel an Republikanern in ihr.=93 Das ist = kein Vorwurf, auf den eine Besserung des =DCbelstandes zu folgen h=E4tte, sond= ern eine Feststellung, die beweisen soll, dass die Republik f=FCr das unhint= ergehbar Besondere, das die deutsche Nation darstellt, nicht geeignet ist.= Darum f=FCrchtet sich J=FCnger auch so wenig vor der Drohung der Weltrevoluti= on, die von der Sowjetunion ausgeht.=20 Neuer Nationalismus Im September 1933 erkl=E4rt er, nach dem innenpolitischen Sieg =FCber den Komm= unismus befinde sich Deutschland gegen=FCber Russland in einer Lage wie Kard= inal Richelieu gegen=FCber den Protestanten, =84die er im Interesse des absolu= ten Staates im eigenen Lande vernichtete, w=E4hrend er in seiner =E4u=DFeren Pol= itik auf sie rechnete=93. Das war sechs Jahre vor dem Hitler-Stalin-Pakt.=20 Der Soziologe Stefan Breuer hat in einer langen Reihe glanzvoller Studien = die widerspr=FCchlichen und vielf=E4ltigen Ideologeme der deutschen Rechten un= ter dem Stichwort der Ungleichheit systematisiert. Sein j=FCngstes, abschlie= =DFendes Buch zu diesem Thema erscheint in einer gl=FCcklichen F=FCgung gleichze= itig mit den J=FCngerschen Politikschriften. Was deren Kommentar nicht leist= et =96 eine abgrenzende Einordnung ins Wortfeld dieser Rechten -, das kann m= an m=FChelos dem Band von Breuer entnehmen. J=FCngers =84Neuer Nationalismus=93 un= terscheidet sich deutlich von den rassistischen, den aristokratisch-reakti= on=E4ren, den fundamentalistischen und v=F6lkischen Auspr=E4gungen des Ungleichh= eitsdenkens.=20 Der =84Neue Nationalismus=93 projiziert die Ungleichheit auf die Ebene der V=F6l= ker, er ist nach innen aber egalit=E4r, scharf antib=FCrgerlich. Nach au=DFen wi= rd daraus ein aggressiver Imperialismus, nach innen ein totalit=E4res Verst=E4= ndnis von Gemeinschaft. Die soziale Tr=E4gerfigur der aggressiven Nation sol= l der Arbeiter werden, die fortgeschrittenste Gestalt der Geschichte, ein = zwischen dem Soldatischen und dem Proletarischen changierender Typus von g= rausamer und kompromissloser H=E4rte, der auf den Schlachtfeldern des Materi= alkrieges ebenso zu Hause ist wie in den Fabriken der Industrie.=20 =84Geschichte wiederholt sich nicht in ihren Inhalten, wohl aber in ihren Ko= nstellationen=93: Der Arbeiter als gemeinschaftsstiftender Typus der deutsch= en Nation beerbt den aggressiv f=FCr die Menschenrechte k=E4mpfenden B=FCrger de= s franz=F6sischen Revolutionsimperialismus =96 so baut J=FCnger in das nationali= stische Ungleichheitsdenken einen geschichtsphilosophischen Zeitpfeil ein.= Das erkl=E4rt auch, warum es ihm nach dem Jahrzehnt seiner nationalistische= n Erhitzung so leicht fiel, das nationale Element aus seinem Denken wieder= auszuscheiden, ohne die =FCbrigen Parameter =E4ndern zu m=FCssen. Es ist auch s= chwer einzusehen, warum der =84Arbeiter=93 eine exklusiv deutsche Gestalt sein= sollte, wenn jener Epochenstil, den J=FCnger in den industriellen Materials= chlachten des Ersten Weltkrieges erkannte, sich auch in den Weizenfeldern = Nordamerikas zeigte.=20 J=FCngers Nationalismus zeigt einen Soldaten, dem es nicht gelingen will, vo= n den Schlachtfeldern ins Leben des Friedens zur=FCckzukehren.=20 Stefan Breuer hat den verbalen Radikalismus und die Neigung zur Dramatisie= rung in der Parteipolitik des Kaiserreichs auf die praktische Einflusslosi= gkeit des Parlaments im politischen Tagesgesch=E4ft zur=FCckgef=FChrt. Die polit= ische =D6ffentlichkeit war Schwatzbude, weil sie machtlos war. In der Weimar= er Zeit kam der Extremismus der Kriegheimkehrer hinzu.=20 J=FCngers Schriften der zwanziger Jahre sind eine glanzvolle Best=E4tigung der= Diagnosen in Sebastian Haffners =84Geschichte eine Deutschen=93. Der Frontsol= dat kann nicht mehr normal existieren. Es ist ihm =84eine Lust, gef=E4hrlich z= u sein=93; er sehnt sich =84nach einer starken, einheitlichen und m=E4nnlichen E= ntfaltung des Lebens=93. Die Materialschlacht war dies gesteigerte Leben, si= e machte die sonderbare Tatsache sichtbar, =84dass es =FCberhaupt nichts gibt,= was der Mensch nicht aushalten k=F6nnte=93, und =84in diesem starren Aushalten = liegt eine germanische Wucht, es erinnert an den Kampf der Nibelungen zwis= chen den Tr=FCmmern von Etzels Saal=93. So wurde der Weltkrieg zum =84gro=DFen rot= en Schlussstrich unter der b=FCrgerlichen Zeit=93. Und so wird eine =C4sthetik d= es Erhabenen psychologisch und politisch.=20 Wille zur Zeitgenossenschaft In der Materialschlacht nimmt das starr aushaltende Individuum sowohl den = Schrecken wie das Kollektiv in sich auf. Es erf=E4hrt sich als pers=F6nlich st= ark, weil es teilhat an einer =FCberpers=F6nlichen Kraft. Das Individuum versc= hwindet im Rausch des Kollektiven, Gef=FChle werden im Trommelfeuer plattgeh= =E4mmert. Zur=FCckbleibt eine merkw=FCrdige Ruhe, die man auch Leere nennen k=F6nn= te. Zu dieser Exaltation des gesteigerten Lebens und der Kraft geh=F6rt auch J=FCn= gers unbedingter Wille zur Zeitgenossenschaft. Stark ist, wer jung und mod= ern ist. Er spricht im Namen des Kommenden und verdammt das =DCberlebte zum = Untergang. Fotografie und =84Lichtspiel=93 interessieren ihn nicht weniger als= gleichzeitig Walter Benjamin. Er gesteht, =84dass ich eine gute moderne Aut= omobilreklame mit weit gr=F6=DFerem Genusse lese als eines jener Produkte, in = denen unter Voraussetzung v=F6llig verfehlter Anspr=FCche versucht wird, Frage= stellungen des deutschen Idealismus oder des Naturalismus wieder aufzuw=E4rm= en=93. Kein Zweifel, h=E4tte es das Netz damals schon gegeben, Ernst J=FCnger h=E4= tte die Homepage www.materialschlacht.org unterhalten. Kurioserweise ist gerade das, was J=FCnger fr=FChzeitig ausschied, der =84Neue N= ationalismus=93, die antiuniversalistische Gef=FChlslage bis heute nicht erled= igt. 1993 hat Stefan Breuer in einer Studie zur =84Konservativen Revolution=93= darauf hingewiesen, dass die Erben des neuen Nationalismus heute in Bagda= d und in Teheran sitzen. Alles lebe dort weiter, die antiwestliche Rhetori= k, die sich nahtlos mit der Begeisterung f=FCr modernste Waffentechnik verbi= ndet, die chauvinistische Exaltiertheit, die Neigung zu paranoiden Konstru= ktionen, die allenthalben satanische M=E4chte am Werk sehen, =84der verbohrte = Partikularismus, der zugleich die weltgeschichtliche Sendung der eigenen K= ultur postuliert=93.=20 Man m=FCsse, so Breuer, erkennen, dass der westliche Universalismus auch ein= e Waffe sei, Transportmedium und Begleitideologie einer technologischen Zi= vilisation, nur dann k=F6nne man die Gefahrenlage f=FCr den Westen zutreffend = einsch=E4tzen.=20 Im =DCbrigen ist J=FCnger gerade in seinen Voraussagen durch das Jahrhundert w= iderlegt worden. =84Modern=93 war er als Zeitgenosse, nicht als Prophet. Die B= estandsaufnahme der totalit=E4ren Tendenzen seiner eigenen Zeit bleibt beein= druckend. Doch was er f=FCr das Sicherste hielt, der Untergang des B=FCrgertum= s, ist nicht eingetreten. Im Konsumenten mit seiner individuellen Gl=FCckssu= che hat das B=FCrgerliche =FCberlebt, und es ist in den Konsumentenheeren der = zweiten Nachkriegszeit zu einer ganz unst=E4ndischen Massenerscheinung gewor= den. Die planetarische Technisierung ging zuletzt andere Wege als die von = J=FCnger vermuteten.=20 Trotzdem ist die konsumistische Individualisierung auch in den westlichen = Gesellschaften nicht alles geblieben.=20 J=FCnger hat f=FCr das gesteigerte Leben im Kollektiven, die Lust am =DCberpers=F6= nlichen nicht nur kriegerische Bilder. Einmal spricht er von dem Instinkt,= =84dem man sich triebhaft anvertraut, wie es ein Schwarm von V=F6geln tut, we= nn die Zeit des Zuges gekommen ist. Die Pers=F6nlichkeit soll in sich die ti= efere Bedeutung sp=FCren durch das Gef=FChl, das Werkzeug eines gro=DFen Schicks= als zu sein. Ein anderes Mal verwendet er das Gleichnis =84eines jener M=FCcke= nschw=E4rme, die wir zuweilen als sehr regelm=E4=DFige S=E4ulen =FCber den Spiegeln = von Gew=E4ssern beobachten k=F6nnen=93.=20 Wenn heute ein Schriftsteller wie Rainald Goetz zur Love Parade geht und v= on der =84immensen Realit=E4t der gleichzeitigen Anwesenheit sehr vieler Mensc= hen voreinander=93 schw=E4rmt, dann ist das gewiss nicht das Gleiche. Denn bei= Goetz kommt das Bewusstsein hinzu, =84die sich exponentiell aneinander stei= gernde Austauschung geistiger Kr=E4fte so vieler einzelner Menschen durch ih= re Blicke=93. Goetz glaubt, =84dass jeder, der an einem solchen Ort wirklich m= it dem eigenen K=F6rper anwesend IST, und das offenen Auges sieht, mit Entse= tzen und Gl=FCck zugleich in diesen millionenfach gebrochenen Spiegel seiner= selbst schaut, und davon ersch=FCttert und bewegt, dann irgendsoetwas sagen= muss wie: ja, so einer bin ich also auch. Ein sogenannter Mensch.=93=20 Das ist etwas anderes als die faschistische Vergottung des Kollektivs, die= J=FCnger betreibt, ja es ist ihre humane Widerlegung; aber es geh=F6rt in die= selbe Kategorie von Gef=FChlen, und niemand, der heute Ernst J=FCngers furchtb= are politische Schriften liest, kann so tun, als w=FCsste er nicht, wovon di= e Rede ist. ERNST J=DCNGER: Politische Publizistik. 1919 bis 1933. Herausgegeben, kommen= tiert und mit einem Nachwort von Sven Olaf Bergg=F6tz. Verlag Klett-Cotta, S= tuttgart 2001. 850 Seiten, 98 Mark.=20 STEFFEN MARTUS: Ernst J=FCnger. Verlag J.B. Metzler, Stuttgart und Weimar 20= 01. 269 Seiten, 25,80 Mark.=20 STEFAN BREUER: Ordnungen der Ungleichheit =96 die deutsche Rechte im Widerst= reit ihrer Ideen 1871-1945. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt = 2001. 424 Seiten, 98 Mark. =20 =20 =5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F 1.000.000 DM gewinnen - kostenlos tippen - http://millionenklick.web.de IhrName@web.de, 8MB Speicher, Verschluesselung - http://freemail.web.de
Markup © John King, July 2001.