ernst jünger in cyberspace

mailing list archive - RE: Oligophrenia



-----Original Message-----
From:	Ulrich Oswald [SMTP:dear@ulri.ch]
Sent:	November 29, 1997 12:24 PM
To:	ernst-juenger-l@maillist.ox.ac.uk
Subject:	Re: Oligophrenia

Thomas Friese wrote:
> 
>..... Here, with my emphases, is a particularly relevant passage: 
>
 >       "Prognoses have been made which contend that our technology
will terminate in >pure necromancy, If so, everything we now experience
would be only a departure and >mechanics would become refined to a
degree that would no longer require any crude >embodiment. Lights,
words, yes even thoughts would be sufficient. Clearly the Zapparoni
>films had very nearly realized such a future. The dreams of old Utopians were >coarse-grained in comparison. With the freedom and elegance of dancers, the automatons >had opened up a world of their own. Here a principle operative only in dreams - namely, >that matter thinks- seemed to be realized."  
 >               Pg. 28-29, from the Noonday Press 1991 translation.

" Es gibt Prognosen, die behaupten, dass unsere Technik eines Tages in reine Zauberei ausmünden wird. Dann wäre alles nur Anlauf, an dem wir teilnehmen, und die Mechanik würde sich in einer Weise verfeinert haben, die grober Auslösungen nicht mehr bedarf. Lichter, Worte, ja fast Gedanken würden hinreichen. Ein System von Impulsen durchflutete die Welt. Die Zapparoni-Filme näherten sich solchen Prognosen deutlich an.  Was alte Utopisten ersonnen hatten, war demgegenüber grobdrähtig. Die Automaten hatten eine Freiheit und  tänzerische Eleganz gewonnen, die ein eigenes Reich erschloss. Hier schien verwirklicht, was man zuweilen im Traum zu fassen glaubte: dass die Materie denkt. "
Dies ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, wie auch die beste Uebersetzung dem Original nicht gerecht werden kann. Gerade die Prosa von Ernst Jünger zeichnet sich ja durch ihre Stereoskopie aus. Die eine Ebene, nämlich die platte Beschreibung, wurde in dieser Uebersetzung ganz gut getroffen. Die andere Ebene, nämlich die metaphysische Durchdringung der oberflächlichen Beschreibung durch ästhetische, moralische, befürchtende, warnende und auch ablehnende Wertungen, entzieht sich der Uebertragung. Sie ist allein durch die einmalige stilistische und sprachliche Sicherheit dieses Dichters bestimmt, mit welcher er das Klima schafft, in welchem sein Text verstanden werden soll. 
Ernst Jünger hat ja nicht nur während dieses Jahrhunderts (das von 1914 bis 1989 dauerte) stets Tagebuch geführt, sondern er hat sich auch immer zur laufenden und unmittelbar bevorstehenden kulturellen, politischen, technischen und philosophischen Entwicklung mit aller Klarsichtigkeit geäussert. In diesem Sinn haben Sie mit Ihrer Deutung schon recht:
Gemeint ist durchaus die Welt der Elektronik, der Computer und der
vernetzten Informationswelt, wie wir sie heute kennen. Aber bedenken
Sie: Vor dreissig Jahren konnte sich kein Mensch dies in den
Einzelheiten vorstellen. Ich habe kürzlich Fahrenheit 451 wieder
gesehen: In diesem Film kommt kein einziger Computer vor. Aber: Ich trage heute einen Phonophor erster Klasse in meiner Tasche (Marke Ericsson), ich bin gegenwärtig mit einer Art Luminar beschäftigt, über welchen Sie diese Nachricht gleich erreichen wird. Ich versuche, zu Handen des Punktamtes, auf meinem Computer meine Angelegenheiten zu regeln, und ich muss hoffen, dass nicht eine der realen bösartigen gläsernen Bienen, nämlich etwa ein Computervirus, diese Tätigkeit zunichte machen wird.  
Mit freundlichen Grüssen, Ulrich
P.S. Statt des Namens Zapparoni, der an Feltrinelli, Agnelli und
vielleicht auch an Olivetti anklingt,  können Sie sich heute getrost
Bill Gatesby vorstellen

(Although I understand German reasonably well, I will reply in English for the moment if you don't mind. Ironic considering the nature of your observations!)

I had seen the phonophor and Luminar in my own life but I must say I had never thought of Glass Bees as computer viruses - I had imagined various other electronic entities that zip through our communications channels (including the one you're reading), but never included viruses. It's a logical conclusion - the potential for causing large scale damage, such as Richard attributes to the Glass Bees, is certainly present. Following that interpretation, how would you then see Richard's speculations about the electronic Bees being used as messengers of love between human beings? Have I been too cynical in dismissing the rather vulgar examples that fill the Web? Or could the phenomenon be refined?

TKF

<<< application/ms-tnef: EXCLUDED >>>

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