-----Ursprüngliche Nachricht----- Von: Olaf Schroeter <olaf.schroeter@gmx.de> An: ernst-juenger-l@maillist.ox.ac.uk <ernst-juenger-l@maillist.ox.ac.uk> Datum: Freitag, 13. November 1998 17:10 Betreff: Re: Juenger und conrad >Peter schrieb: > >> ich suche Materialien zu Ernst Juenger und Joseph Conrads Heart of >> darkness. Gibrt es irgendwelche Zusammenhaenge? Im Briefwechsel mit >> Schlichter scheint mir Juengers Zugang sehr zurueckhaltend, so dass ich >> davon ausgehe, daß es keine grossaaartigen Subtexte bei Juenger gibt. >> Aber vielleicht irre ich mich. >> Ein Hinweis in der naechsten zeit waere sehr interessant >> P.G. > >Hallo Peter, > >ich meine mich dunkel erinnern zu können, daß Jünger irgendwo in den >"Strahlungen" (es könnte auch "Siebzig Verweht" gewesen sein, aber eher >ersteres) ausdrücklich etwas über Conrad sagt. Meine intensive >Beschäftigung mit Jüngers Œuvre liegt leider schon über fünf Jahre zurück >und mein Gedächtnis ist mit 37 auch nicht mehr so frisch wie früher... Ich >werde mal heute abend versuchen, die Stelle zu finden. Ich hoffe, daß nicht >alles nur auf einer Einbildung beruht. > >Vielleicht kennt ja jemand da draußen die Stelle, die ich meine? > >Grüße aus Berlin > >Olaf "Strahlungen" is one right place: Paris, 16. August 1942 "Sonnabend und Sonntag in Vaux-les-Cernay bei Rambouillet als Gast des Oberbefehlshabers, der diese alte Abtei als Sommerresidenz benutzt. Der Aufenthalt hat den Vorteil, daß man dort tun und reden kann, was man für richtig hält, und keine Lemuren sieht. Die waldige Umgebung ist feucht, ja sumpfig, wie es der Regel der Zisterzienser, die wie die Biber bauten, entspricht. Ich sah den ehrwürdig schlichten Grabstein des frühen Abtes Theobaldus, den man als Saint Tbibaut de Marly kennt. Lektüre dort: Josef Conrad, >Ein Vorposten des Fortschrittes <, eine Erzählung, in der der Übergang vom zivilisatorischen Optimismus zur vollen Bestialität vorzüglich ge schildert wird. Zwei Spießbürger kommen an den Kongo, um Geld zu machen, und nehmen dort kannibalische Gewohnheiten an. Das ist der Vorgang, der von Burckhardt in größeren Zusammenhängen als »Schnellfäulnis« bezeichnet wird. Beide haben die Ouvertüre zu unserem Zeitalter gehört. Was Conrad schärfer als Kipling sieht, das ist die angelsächsische Konstanz in anbrüchigen Verhältnissen. Sie ist ein wunderlicher und unvorhergesehener Zug in unserer Welt, den man eher den Preußen prophezeit hätte. Der Unterschied liegt aber darin, daß der Engländer ein bedeutend größeres Quantum an Anarchie verdauen kann. Wenn beide Gastwirte in ramponierten Vierteln wären, so möchte der Preuße, daß das Reglement in jedem Zimmer aufrechterhalten wird. Er hält damit auch einen gewissen Anstrich von Ordnung aufrecht, unter dem das ganze Gebäude vom Nihilismus ausgefressen wird. Der Engländer läßt die wachsende Unordnung zunächst auf sich beruhen, fährt ruhig fort einzuschenken und zu kassieren und steigt endlich, wenn die Wirtschaft zu toll wird, mit einem Teil der Gäste nach oben und vermöbelt die anderen." The preface mentions Conrad as one of the guiding lights, and Gerhard Nebel, one of EJs friends is called "Outcast of the Islands". (EJ mentions an essay by Nebel: "Die Insektenmenschen") Maybe "Marble Cliffs" could be compared to Heart of Darkness (Kurtz ~ "Oberförster"?) Greetings Hartmut Dietz
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