Liebe Juenger-Freunde, hier ein erster Bericht vom J=FCnger-Symposion in Rauischholzhausen bei Marb= urg; erschienen heute in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, verfa=DFt von = Lorenz J=E4ger. Beste Gr=FC=DFe, t=E9w=E9 (tobias=A0wimbauer) www.waldgaenger.de rittergut 06268=A0schnellroda Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.11.2002, Nr. 268 / Seite 35 Science Fiction und Fantasy bei Ernst J=FCnger=20 Die Ernst-J=FCnger-Forschung traf sich in Rauischholzhausen Alle Gro=DFeltern, so hei=DFt es, sehen auf den alten Fotos =E4hnlich aus. Aber = =E4hnlich ist nicht gleich. Bertolt Brecht, Gro=DFvater der deutschen Linken, = pries die Opferungen, die mit gro=DFen historischen Umw=E4lzungen einhergehen.= Aber der blo=DFe Vollzug w=E4re zuwenig gewesen, historische Vernunft sollte = walten: Deshalb mu=DFten in den Lehrst=FCcken, in der "Ma=DFnahme" und im "Jasag= er", die zu Opfernden auch noch ihr Einverst=E4ndnis mit der unausweichliche= n Notwendigkeit bekunden. Freilich konnte dort, wo einfach einer zuviel wa= r, die banale Begr=FCndung auch nachgereicht werden, etwa wenn einer beim Po= kerspiel immer gewann und deshalb von seinen Freunden =FCber Bord geworfen w= urde. Ernst J=FCnger, der die wirklichen Opfer seit 1914 gesehen hatte, verweigert= e sich diesem Spiel. Es gibt keine logische Stelle in seinem Werk, die zum= Opfer von vornherein zwingen w=FCrde. Daf=FCr stellt dieses Werk immer wieder= aufs neue die Frage, welchen wom=F6glich noch verborgenen Sinn der hundertt= ausendfache Opfertod gehabt haben k=F6nnte. Und soviel war klar, die Parolen= , mit denen J=FCnger 1914 ausgezogen war, trugen schon 1917 nicht mehr. War = es der Entwurf des "Arbeiters" als der neuen Herrschaftsfigur der technisc= hen Welt, die dem Soldaten der Materialschlacht eine sp=E4te Rechtfertigung = verschaffen sollte=3F Dies war die Frage, die Helmut Kiesel (Heidelberg), He= rausgeber des Briefwechsels von J=FCnger und Carl Schmitt, bei dem von der M= arburger Universit=E4t veranstalteten Internationalen J=FCnger-Symposion im he= ssischen Rauischholzhausen stellte. Das dortige Schlo=DF, erbaut von einem Semper-Sch=FCler f=FCr einen Diplomaten d= es Kaiserreichs, ist ein historistischer Traum des sp=E4ten neunzehnten Jahr= hunderts mit einem gro=DFz=FCgig angelegten Park, dessen Novembermelancholie d= ie Forscher bald wieder zur Arbeit trieb. Ein liebensw=FCrdiger Mittelalterh= istoriker erkl=E4rt uns die Landschaft und weist uns auf einen bedeutsamen O= rt in der N=E4he hin: Hier ist die Stelle, an der Konrad von Marburg, Beicht= vater der heiligen Elisabeth, sein Schicksal von der Hand eines bewaffnete= n Haufens traf: Der fromme Mann hatte seine Ketzerverfolgungen auch auf di= e jungen Damen des Adels ausdehnen wollen und dabei die Grenzen seiner Mac= ht verkannt. Es ist noch nicht lange her, da=DF die Literaturwissenschaft ihre Ber=FChrungs= angst =FCberwand und begann, sich ernsthaft mit J=FCnger zu besch=E4ftigen. Eine= r der Pioniere war vor einem Jahrzehnt Helmut Lethen (Rostock), der in sei= nem Buch "Verhaltenslehren der K=E4lte" den unheimlichen Verwandtschaftsverh= =E4ltnissen in der Weimarer Republik nachging. In Rauischholzhausen war Leth= en leider verhindert. Inzwischen ist man von der F=FClle der germanistischen= Dissertationen =FCberrascht, die sich mit Kriegsthemen besch=E4ftigen - ihre = Zahl scheint proportional zu den Auslandseins=E4tzen der Bundeswehr anzuwach= sen. Auch Ulrich Fr=F6schle (Dresden) ging den merkw=FCrdigen Beziehungen zwischen = rechts und links nach. Er verglich die Vorstellungen vom "politischen Dich= ter", wie sie im Kreis der radikalen Expressionisten, bei Kurt Hiller und = Ludwig Rubiner kursierten, mit den Schriften J=FCngers. =DCberraschend waren s= eine Textfunde zur Hochsch=E4tzung des extremen Jakobinismus, St. Justs und = Robespierres, durch den fr=FChen J=FCnger. Die Br=FCcke bildete das "Blut". Der = sp=E4teren M=E4=DFigung nach dem Thermidor vermochte der revolution=E4re Nationali= st so wenig abzugewinnen wie den "b=FCrgerlichen" Politikern seiner Zeit. Da= s Blut f=FChrte Fr=F6schle dann auch zu der Frage, welche geistesgeschichtlich= en Filiationen J=FCnger mit der Wunden- und Blutmystik des deutschen Pietism= us verbinden k=F6nnten. Man wei=DF aus medizinischen Untersuchungen, da=DF bei Rennfahrern die Sehst=E4r= ke exorbitant gesteigert ist. Auch bei dem Sto=DFtruppf=FChrer des Ersten Welt= kriegs=3F Rainer Zuch (Marburg) jedenfalls widmete sich der "=FCberscharfen Wa= hrnehmung" J=FCngers und stellte einige der K=FCnstler vor, =FCber die der Schri= ftsteller meditiert hatte: Alfred Kubin und Rudolf Schlichter. In Paris ha= tte er die Ateliers von Picasso und Georges Braque besucht. Schlichters me= isterliche Zeichnung "Atlantis vor dem Untergange" hing =FCber J=FCngers Schre= ibtisch: Das Bild einer kontemplierenden Gruppe, die von einem erh=F6hten St= andpunkt aus Abschied von ihrem Reich nimmt. Ein Bild Schlichters zur "Ges= chichte von der Messingstadt" aus "Tausendundeine Nacht", die im perversen= Spiel zwischen Leben und Tod die Dekadenz vorausahnen l=E4=DFt, konnte J=FCnger= zu seinem Bedauern nicht erwerben. An Hieronymus Bosch und seinen Zeitgen= ossen faszinierten J=FCnger die Beziehung der ersten technischen Ger=E4te und = dem Schrecken: Messer auf R=E4dern etwa. Ein gegl=FCcktes wissenschaftliches Symposion bringt neben dem unvermeidlich= en Getriebe, in dem der Text zu feinstem Staub zermahlen wird, auch das po= sitiv =DCberraschende. So konnte man in Rauischholzhausen etwas =FCber die Sci= ence-fiction- und Fantasy-Elemente im Werk J=FCngers erfahren: =DCber das tech= nisch fortgeschrittene Spielzeug der "Gl=E4sernen Bienen" und die Utopie ein= es telekommunikativ abrufbaren Gesamtarchivs (freilich nach feinen hierarc= hischen Zugangsregeln) in dem Roman "Heliopolis". Karl Pr=FCmm (Marburg) war= nte in einem besonnenen Beitrag vor der allzu enthusiasmierten Aneignung J= =FCngers in der gegenw=E4rtigen Medientheorie. Rotraut Fischer untersuchte das= Fr=FChwerk mit Blick auf Cervantes, einen anderen Soldaten-Schriftsteller. = Aber auch die alten K=E4mpen der Emanzipation wu=DFten sich Geh=F6r zu verschaff= en. Ein Marburger Germanist gab eine scharfe Analyse der Hausfrauenrolle d= es "Stierleins", J=FCngers Ehefrau. Lieselotte J=FCnger h=F6rte zu, aufmerksam-w= ach und gelassen, und lie=DF sich die Verwunderung =FCber ihren sp=E4ten Ritter = nicht anmerken. LORENZ J=C4GER =5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F Viren=3F Wir wissen nicht was Ihr Arzt empfiehlt. Wir empfehlen den Virencheck f=FCr Dateianh=E4nge! http://freemail.web.de/features/=3Fmc=3D021159
Markup © John King, July 2001.