Liebe Juenger-Freunde, Neben dem Artikel von L. J=E4ger in der FAZ ist heute auch in der S=FCddeutsch= en Zeitung ein Symposionsbericht. Dokumentation anbei. Beste Gr=FC=DFe, t=E9w=E9 (tobias=A0wimbauer) www.waldgaenger.de --- S=FCddeutsche Zeitung, 18.11.2002 Ich irre mich nicht=20 In Marburg wurde Ernst J=FCnger zum Fachmann f=FCr Niederlagen=20 Bis sp=E4t in die Nacht sa=DF sie im Vorraum des Speisesaals, mit Rotweinglas = und Zigarette in der Hand, und gab Auskunft. M=FCde schien sie, trotz ihrer = f=FCnfundachtzig Jahre, nicht zu werden; eine echte Lady, in schwarzem Kost=FC= m mit goldener Brosche oder altrosafarbener Strickjacke und Perlenkette am= n=E4chsten Tag. Schriftsteller-Witwen geh=F6ren zu den unverzichtbaren Figure= n der Literaturgeschichte, umstritten immer dann, wenn sie sich von dem Na= chlass des verstorbenen Ehemanns nicht trennen wollen; in jedem Fall aber = wandelnde Ged=E4chtnistr=E4gerinnen, die Anekdoten und Erinnerungen zu erz=E4hle= n und das Erbe ins rechte Licht zu r=FCcken wissen.=20 =84Frau Dr. Liselotte J=FCnger=93, wie die Anwesenden sie in den vergangenen Tag= en auf einem Marburger Symposion gerne ansprachen, scheint ein beinahe ung= ezwungenes Verh=E4ltnis zu den Schriften ihres Mannes zu haben. Wo Ernst J=FCn= ger =FCber seinen Tod hinaus f=FCr Diskussionen sorgt, erweckt sie eher den Ei= ndruck, selbst nicht auch noch umstritten sein zu wollen: Schon vor Jahren= gab sie den Nachlass an das Literaturarchiv in Marbach, wo sie fr=FCher ein= mal als Archivarin gearbeitet hatte. Und obwohl sie jetzt bedauerte, dass = in den Marburger Vortr=E4gen zu J=FCngers =84Politik, Mythos und Kunst=93 seine sp= =E4ten Romane kaum zur Sprache kamen, dass immer nur von den Weltkriegen die= Rede war, h=F6rte sie sich, meist ganz vorne sitzend, doch alles genau an. = Am Abend konnte, wer wollte, in kleinen Gespr=E4chsrunden von ihr erfahren, = =84wie es wirklich war=93 mit J=FCngers sp=E4ter Konversion zum Katholizismus, wob= ei sich die Witwe zuweilen ironischer gab als so mancher der neugierig Fra= genden.=20 Als =84Schlachtenbummlerin=93 der J=FCnger-Rezeption, wie es einmal hie=DF, wurde = Liselotte J=FCnger auf Schloss Rauischholzhausen das volle Programm geboten.= Denn was die von Lutz Hagestedt organisierte Veranstaltung auszeichnete, = war sicher, dass hier nicht nur die Dunkelm=E4nner zu Wort kamen, die sich o= hnehin allj=E4hrlich im oberschw=E4bischen Heiligkreuztal mit dem =84Freundeskre= is der Br=FCder Ernst und Friedrich Georg J=FCnger=93 treffen. Die Perspektiven = waren so vielf=E4ltig wie die Forschung selbst: Neben denen, die es sich nic= ht nehmen lie=DFen, passagenweise und mit Schneid aus den publizistischen Sc= hriften der zwanziger Jahre vorzulesen, war eine ganze Reihe lang etablier= ter Kritiker zugegen und jene =C4stheten unter den Literaturwissenschaftlern= , die verfolgten, wie der Autor =84die regenbogenfarbige Haut der Dinge mit = Schwert und Feder zur k=F6stliche Beute macht=93. In der Diskussion wurde deme= ntsprechend aus allen Ecken Kritik laut, doch meist ohne gro=DFe Polemik.=20 Was J=FCnger in =84Autor und Autorschaft=93 selbst einmal behauptet hatte, dass = =84Vortr=E4ge in leeren Betrieb=93 f=FChrten, mit Reisen und Anstrengungen verbund= en seien und sich ihnen ein meist =84unfruchtbares Gerede=93 anschlie=DFe, best=E4= tigte sich also nur bedingt. Anstrengend war es nat=FCrlich. Das =84Gerede=93 li= e=DF einen aber aufhorchen, wenn etwa Steffen Martus den Schriftsteller J=FCng= er als einen =84Fachmann f=FCr Niederlagen=93 charakterisierte und dessen Gedank= enfigur vom =84Scheitern als Chance=93 in Anlehnung an Wolfgang Schivelbuschs = k=FCrzlich ver=F6ffentlichtes Buch =FCber die =84Kultur der Niederlage=93 umriss. Po= litisch gelte diese Form des =84Krisenmanagements=93 sowohl f=FCr die zwanziger = Jahre, in denen der Autor den verlorenen Krieg in einen Etappensieg umdeut= et, wie f=FCr die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, auf den er mit einer Opfe= rmetaphysik reagiert. Doch auch in den sp=E4teren Erz=E4hlungen, so Martus, ta= uchten immer wieder Helden auf, die den Misserfolg in einen Erfolg umdeute= n, sich im Angesicht der Niederlage selbst erh=F6hen.=20 Der letzte Souver=E4n=20 Ganz =E4hnlich formulierte es Harro Segeberg: Ohne Katastrophe gebe es in J=FC= ngers Werk keine H=F6herentwicklung. Und je totaler die Katastrophe, desto r= adikaler die Neusch=F6pfung: =84Die Menschen-Ordnung=93, hei=DFt es 1939 in =84Auf d= en Marmorklippen=93, gleiche =84dem Kosmos darin, dass sie von Zeit zu Zeiten,= um sich von neuem zu geb=E4ren, ins Feuer tauchen muss.=93 Segeberg widmete s= ich unter dem von Robert Musil geborgten Titel =84Wir irren vorw=E4rts=93 dem Ut= opischen in J=FCngers Schriften, das er von der technischen und sozialen Uto= pie der zwanziger und fr=FChen drei=DFiger Jahre =FCber die naturwissenschaftlic= he =84Science Fiction=93 der Zeit nach 1945 bis hin zum kosmologischen Blick =FC= ber die =84Zeitmauer=93 verfolgte. Die Strukturregel, so die Diagnose, bleibe = gleich und werde in immer neuen Variationen durchgespielt. =84Ich irre mich = nicht=93, hat J=FCnger einmal gesagt. Und tats=E4chlich revidiert der Schriftste= ller das seinem Denken zugrunde liegende Modell an keiner Stelle. Vielmehr= radikalisiert er die Pr=E4missen und weitet sie ins Universale aus.=20 Argumentationen dieser Art r=E4umten mit der sonst oft forcierten Trennung i= n einen =84fr=FChen=93 und einen =84sp=E4ten=93 J=FCnger =96 vom =84Alten=93 und =84Neuen Testam= ent=93 ist auch gerne die Rede =96 auf. Und nat=FCrlich ist es, auf einer andere= n Ebene, J=FCngers =84ameisenhafter Trieb, am beschriebenen und bedruckten Pap= ier herumzuminieren=93, seine =84Revisions-Manie=93, die diese Kontinuit=E4t herst= ellt: Von 1920 bis zu der seit 1978 erschienenen Ausgabe letzter Hand, ver= sah er seine Weltkriegsschriften mit immer neuen Streichungen, Hinzuf=FCgung= en und Umstellungen. =84Das geht aber niemand etwas an. Deshalb wird es hier= =FCberkleistert. Quatsch Quatsch Mist Unsinn erledigt=93, =FCberschreibt er sch= on im Manuskript der =84Stahlgewitter=93 einen nunmehr unlesbaren Bleistiftein= trag vom 18. M=E4rz 1918 mit violetter Tinte. Es ist nicht zuletzt dieses =84H= erumminieren=93 das sich als Teil des Krisenmanagements begreifen l=E4sst, als= ein =84Vorw=E4rtsirren=93, mit dem der Autor sich eine sonst angeschlagene hist= orische Instanz sichert: =84Er bleibt=93, so der aus Tokyo angereiste Literatu= rwissenschaftler Josef F=FCrnk=E4s, =84der letzte Souver=E4n=93. JULIA ENCKE =5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F Viren=3F Wir wissen nicht was Ihr Arzt empfiehlt. Wir empfehlen den Virencheck f=FCr Dateianh=E4nge! http://freemail.web.de/features/=3Fmc=3D021159
Markup © John King, July 2001.