Gegengift. Zeitschrift f=FCr Politik und Kultur. Pfaffenhofen, 12. Jahrgang,= Heft 23 vom 1. Dezember 2001, S. 29-32: "Die Schleife" (S. 29:)=20 Der Glaube an die Einsamen entspringt der Sehnsucht nach einer namenlosere= n Br=FCderlichkeit, nach einem tieferen geistigen Verh=E4ltnis, als es unter M= enschen m=F6glich ist. Ernst J=FCnger, Das abenteuerliche Herz. Aufzeichnungen bei Tag und Nacht. "Unter der Schleife verstand er (Nigromontanus, der Verf.) eine h=F6here Art= , sich den empirischen Verh=E4ltnissen zu entziehen. So betrachtete er die W= elt als einen Saal mit vielen T=FCren, die jeder ben=FCtzt, und mit anderen, d= ie nur wenigen sichtbar sind. Wie man in Schl=F6ssern, wenn F=FCrsten erschein= en, besondere, sonst streng verschlossene Portale zu =F6ffnen pflegt, so spr= ingen vor der Geistesmacht des hohen Menschen die unsichtbaren T=FCren auf. = Sie gleichen Fugen im groben Bau der Welt, die nur das feinste Verm=F6gen zu= durchgleiten vermag, und alle, die sie je durchschritten, erkennen sich a= n Zeichen von geheimer Art." Diese Zeilen sind aus dem Capriccio Die Schleife aus Ernst J=FCngers Buch Da= s abenteuerliche Herz (die sp=E4ter so genannte zweite Fassung) - Figuren un= d Capriccios von 1938. Armin Mohler hat das St=FCck Die Schleife als zweites= hineingenommen in die von ihm herausgegebene Sammlung aus dem Abenteuerli= chen Herzen mit dem von J=FCnger entlehnten Titel Capriccios. Den Titel Die = Schleife tr=E4gt aber dar=FCber hinaus ein Buch, das Armin Mohler 1955 ediert = hat. Mohler, dessen Doktorarbeit=20 (S. 30:) Die Konservative Revolution in Deutschland 1918 - 1932 auch ein halbes Jah= rhundert nach Ver=F6ffentlichung als das prim=E4re Standardwerk zum Thema gelt= en kann, war von 1949 bis 1953 Sekret=E4r von Ernst J=FCnger. Er hatte dadurch= Gelegenheit, den gro=DFen Einzelg=E4nger der deutschen Literatur aus n=E4chster= N=E4he kennen zu lernen. Als engster Mitarbeiter bekam Mohler einen Einblic= k in J=FCngers sch=F6pferisches Wirken. So wurde der Schweizer in den Jahren s= einer Assistenz f=FCr J=FCnger von diesem auch mit der Lekt=FCre von Manuskripte= n betraut, die letzterer zu ver=F6ffentlichen plante oder sich noch unschl=FCs= sig war. Tobias Wimbauer zitiert im Nachwort der Neuausgabe der Schleife a= us einem Brief Mohlers an Erhart K=E4stner vom 14. November 1951. Mohler sch= ildert darin seine Lekt=FCre von J=FCngers Manuskript Der Waldgang, der dann 1= 951 erschien: "Da=DF dieses Buch der beste J=FCnger seit langem ist, das ist a= uch meine Meinung. Seit dem Arbeiter das erste Buch von ihm, das ich 'mit = heraush=E4ngender Zunge' gelesen habe. J=FCnger war sich erst =FCber die Publika= tion nicht schl=FCssig und gab mir das Manuskript zu lesen. Ich legte mich d= amit auf die Couch und las es in einem Zug in zweieinhalb Stunden. Dabei b= ekam ich einen ungeheuren Hunger; meine Frau musste st=E4ndig neue Fressalie= n anschleppen, und unsere Speisekammer leerte sich erschreckend. Dies Argu= ment best=E4rkte J=FCnger viel mehr als das, was ich =FCber das Manuskript sagte= ..." Auch nutzte Mohler seinen Zugang zum Bewunderten, um diesen immer wie= der nach subjektiv wahrgenommenen Widerspr=FCchen oder Fehlurteilen in seine= m Werk zu befragen. Mohler ver=F6ffentlichte 1955 im Verlag Die Arche, Z=FCrich, Die Schleife - Do= kumente zum Weg von Ernst J=FCnger. Das Buch enth=E4lt in erster Linie pr=E4gnan= te Stellen aus J=FCngers Werk, in denen er Auskunft gibt =FCber seine Herkunft= , einschneidende Erlebnisse oder auch innerste Einstellungen. Mohler widme= te das Buch Ernst J=FCnger zum 60. Geburtstag am 29. M=E4rz 1955. Die Schleife= ist sozusagen die kleine Festschrift. Denn Mohler gab zugleich die eigent= liche Festschrift zu J=FCngers 60. heraus. In dem Gratulationsband Freundsch= aftliche Begegnungen steuerte Mohler selbst den Beitrag bei Begegnungen be= i Ernst J=FCnger, Fragmente einer Ortung.=20 Die Schleife enth=E4lt neben eigenen Reflexionen J=FCngers auch Beschreibungen= der Perzeption J=FCngers durch Dritte. So schildert ein Vertrauter aus der = Fremdenlegion, wie er J=FCnger erlebt hat. "All Dein Tun und Treiben wurde m= ir pflichtgetreu von S. berichtet, denn ich selbst konnte mich nicht gut =FC= berzeugen, da es f=FCr uns =C4ltere (S. 31: Werbung. S. 32:) verboten war, sich in den R=E4umen der 26. Kompanie= aufzuhalten oder sehen zu lassen. So erfuhr ich also auch gleich, nachdem= Du mit noch zwei Kameraden die Kaserne verlassen hattest, von Deinem Vorh= aben. (...) Tats=E4chlich brauchte ich Dich nicht lange zu suchen, denn ich = traf Euch gerade, als Ihr gr=F6=DFere Mengen Feigen und sonstige Lebensmittel = am Einkaufen waret. Dort stellte ich Dich auch zur Rede und sagte Dir auf = den Kopf, da=DF Du eine Dummheit im Schilde hast. Anfangs leugnetest Du es a= ber weg..."=20 Nicht mehr mit aufgenommen wurden die in der Erstausgabe enthaltenen Photo= s und die Bibliographie.=20 Hervorzuheben ist das bereits erw=E4hnte Nachwort des Germanisten und J=FCnger= -Forschers Tobias Wimbauer. Der 1976 Geborene ist Herausgeber des Personen= registers zu s=E4mtlichen Tageb=FCchern Ernst J=FCngers (Rombach Verlag, Freibur= g). Wimbauer hat sich bereits damit ein gro=DFes Verdienst in der J=FCnger-For= schung erarbeitet. Im Nachwort mit umfangreichen Anmerkungsapparat zeichne= t Wimbauer detailliert den Weg Mohlers mit Ernst J=FCnger nach.=20 Die in der Schleife abgedruckten Texte J=FCngers sind mittlerweile l=E4ngst wi= eder zug=E4nglich. Insoweit hat sich die damalige Absicht Mohlers, in einer = Art von "Bl=FCtenlese" (S=FCddeutsche Zeitung) Versch=FCttetes f=FCr Interessierte= wieder zutage zu f=F6rdern, heute erledigt. Dennoch enth=E4lt der Band auch d= ar=FCber hinaus genug heute wieder Lesenswertes. So ist allein Mohlers launi= ge Beschreibung eines f=FCr Ernst J=FCnger typischen Tagesablaufs am Schlu=DF de= s B=E4ndchens eine Perle im weiten Ozean der J=FCnger-Sekund=E4rliteratur. Matthias Pierre Lubinsky =5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F= =5F=5F=5F=5F Die sch=F6nsten Ski-Regionen der Alpen - jetzt bei Ferienklick.de http://ferienklick.de/ski/=3FPP=3D2-5-100-105-38
Markup © John King, July 2001.