ernst jünger in cyberspace

mailing list archive - AW: Uwe Pralle's essay 1

> -----Ursprungliche Nachricht-----
> Von:	Rebing [SMTP:Rebing@t-online.de]
> Gesendet am:	Donnerstag, 31. Dezember 1998 12:32
> An:	ernst-juenger-l@maillist.ox.ac.uk
> Betreff:	Uwe Pralle's essay 1
> 
> Dear Jungerites, 
> Below you will find the text of the essay by Uwe Pralle. I tried twice to send
> it as a WORD 
> attachment but it obvoiusly never arrived and got lost in cyberspace. So we
> have to put up 
> with the unadjusted right margins which make reading the text cumbersome. 
> Uwe Pralle  asked me to point out that the formal peculiarities of the essay
> are due to the 
> fact that it was written for radio and not for a print media. 
> Maybe some native speaker among the Jungerites might find the time to write an
> English 
> translation or at least a summary in English? 
> Thanks for all the good wishes for 1999, I wish the same to all of you! Gunter
> Rebing
> 
> 
> Die andere Halfte. Ernst Jungers education sentimentale.
> Ein biographischer Essay von Uwe Pralle
> Koproduktion Sender Freies Berlin, Norddeutscher Rundfunk, Bayerischer
> Rundfunk
> 
> COPYRIGHT
> Dieses Manuskript ist urheberrechtlich geschutzt. Es darf ohne Genehmigung des
> Autors nicht 
> verwertet werden! Insbesondere darf es weder ganz noch teilweise noch in
> Auszugen 
> abgeschrieben noch in sonstiger Weise vervielfaltigt werden. Fur
> Rundfunkzwecke darf das 
> Manuskript nur mit Genehmigung des SENDRS FREIES BERLIN benutzt werden.
> 
> 
> 
> TEXT:
> 2. ZITATOR:
> In einem Kapitel seiner Autobiographie ?Krieg ohne Schlacht" hat Heiner Muller
> 1992 von 
> seinem Besuch bei Ernst Junger vier Jahre vorher in Wilflingen berichtet.
> Seine Anekdoten 
> uber fruhere Junger-Lekturen und den Besuch enden unvermittelt mit der
> Feststellung:
> Jungers Problem ist ein Jahrhundertproblem: Bevor Frauen fur ihn eine
> Erfahrung sein 
> konnten, war es der Krieg.
> TEXT:
> Heiner Muller war fur solche raunenden Epigramme bekannt. Sollte Jungers
> ?Problem" also 
> gewesen sein, da? der Krieg dem Neunzehnjahrigen fruh kalte Blicke auf die
> Welt aufzwang und 
> ihn literarisch stets pragte? Oder spielt Junger hier nur den Gewahrsmann fur
> Mullers 
> Ansicht, die Moderne habe Kriege nicht etwa gebandigt, sondern ihre Erfahrung
> im 20. 
> Jahrhundert sogar noch verscharft? Offenbar hatte Muller mit dem Hinweis auf
> Jungers 
> Verhaltnis zum Krieg und den Frauen vor allem das ?Jahrhundertproblem" der
> Traumatisierung 
> im Auge: an Junger zeige sich eben exemplarisch, wie etwa die
> ?Materialschlachten" nach 1914 
> auch die Sinneswelten verheert und vom anderen Pol, den die Frauen markieren,
> abgeschnitten 
> hatten. Zumindest eine Leerstelle hat Heiner Muller mit diesen orakelhaften
> Andeutungen im 
> Bild von Junger getroffen: Frauen scheinen in seiner Literatur so wenig wie
> fur sie eine 
> Rolle gespielt zu haben - weder als er in den 20er Jahren seine Bucher uber
> den Ersten 
> Weltkrieg schrieb, noch spater, nachdem er diese Urerfahrung literarisch
> umgeschmolzen 
> hatte.
> Nicht zuletzt durch diese Schattenexistenz von Frauen in Jungers Vita und Werk
> hat sich 
> hartnackig die Ansicht behauptet, der Krieg sei fur ihn immer der Vater aller
> Dinge 
> geblieben. Widersprochen hat Junger solchen - und anderen - Ansichten uber
> sich selbst kaum 
> einmal, so wie ja auch seine Tagebucher einige Existenzzonen in Andeutungen
> oder Schweigen 
> hullen. Ernst Niekisch, in den 20er und 30er Jahren der
> nationalbolschewistische Vordenker 
> und mit Junger und vor allem dessen Bruder Friedrich Georg eng befreundet, hat
> dazu schon 
> 1958 einmal recht treffend bemerkt:
> 2. ZITATOR:
> Mitteilungen uber ihn und seine Lebensfuhrung, die ihn in ein legendares Licht
> rucken, 
> korrigiert er nicht, auch wenn er dazu Gelegenheit hatte; er ist der Meinung,
> da? man in das 
> Werden eines Mythos nicht eingreifen solle.
> TEXT:
> Doch immerhin: kaum war Heiner Mullers Text bekannt, gab Junger in seinem
> Tagebuch 
> ausnahmsweise eine knappe Replik. Es mu? ihn beruhrt haben, da? mit dem
> ?Jahrhundertproblem" 
> auch beilaufig der Eindruck erwahnt war, er habe ?vor nichts Angst als vor
> Frauen". 
> Allerdings war das Datum seiner Replik fur ihn nicht beliebig; die Notiz ist
> vom 14. Marz 
> 1992; wie seit vielen Jahren, schreibt Junger, sei er an diesem Tag ?mit
> Blumen zum 
> Friedhof" gewesen; der 14. Marz ist der Geburtstag seiner ersten Frau Gretha,
> der ?Perpetua" 
> der Tagebucher, die 1960 gestorben war:
> 1. ZITATOR:
> ?Besuche" in Kirchhorst und Wilflingen konnten einen Band fullen. Auch
> Spiegelbilder zahlen 
> zur Existenz. So erfuhr ich vor kurzem, da? ich vor Frauen ?Angst habe". Da
> nur die meine 
> wahrend dieses Besuches anwesend war, mu? die Bemerkung dem hauslichen Klima
> zu verdanken 
> sein. Ich fande sie gut, wenn ?Angst" durch ?Achtung" ersetzt wurde.
> TEXT:
> Junger hat offenbar das Thema ?Frauen" gegen Deutungen seiner Innenwelt
> neutralisieren 
> wollen: und ?Achtung" umschreibt nun einmal eine weltlaufig-aristokratische
> Haltung, die von 
> diffuser, zu psychologischem Bohren einladender ?Angst vor Frauen" weit genug
> entfernt 
> scheint. Fur solche Gefahrenlagen fur sich und sein Werk hatte Junger immer
> ein 
> ausgezeichnetes Gespur - so wie Heiner Muller fur verborgene Problemlagen.
> Jungers Replik 
> ist ein Versuch, Riegel vor eine Tur zu legen, die nicht geoffnet werden
> sollte - nicht 
> unbedingt, weil dahinter etwa so gerne gesuchte ?Leichen" verborgen sind,
> sondern vielleicht 
> nur, weil das Offnen solcher Turen die Haltbarkeit seines literarischen
> ?Mythos" gefahrdet.
> Heiner Mullers Fingerzeig auf den Krieg und die Frauen fuhrt direkt in ein
> ungeschriebenes 
> Kapitel von Jungers Biographie. Nur lie?e sich diesem Fingerzeig schwer
> folgen, wenn dabei 
> nicht ein auch von Junger stets schweigend ubergangener Umstand zu Hilfe kame:
> seine erste 
> Frau hat nach dem 2. Weltkrieg ihrerseits zwei Bucher veroffentlicht. 1949
> erschien bei Hans 
> Dulk, einem kleinen Hamburger Verlag, ein Buch mit dem Titel ?Die Palette",
> das 
> Tagebuchnotizen und Briefe aus der Zeit von 1936 bis 1946 enthalt. 1955 folgte
> bei Neske in 
> Pfullingen ?Silhouetten", ein Band mit 29 Erzahlungen aus Gretha von Jeinsens
> Leben - wie 
> ihr Madchenname lautet, unter dem die Bucher veroffentlicht sind. Diese
> autobiographischen 
> Erzahlungen schlagen den Bogen von der Kindheitszeit in Hannover bis ins Jahr
> 1948, als die 
> Jungers aus dem Kirchhorster Pfarrhaus nach Ravensburg in Wurttemberg zogen.
> Nirgends sind beide Bucher im Zusammenhang mit Ernst Junger je beachtet
> worden. Offenbar 
> waren Kritiker genauso wie Anhanger Jungers mit dem einfach gestrickten Muster
> zufrieden, 
> da? er der geradezu metallisch kuhle Jahrhundert-Seismograph stets war und
> blieb. Bei allen 
> Debatten um Jungers Positionen in der Epoche der ?totalen Mobilmachung" wurde
> jedenfalls nie 
> einbezogen, in welcher Lebenslage sich denn der Seismograph jeweils befand und
> wie das seine 
> Seismogramme und Haltungen beeinflu?t haben konnte. Aber die langsame
> Verschiebung von 
> Jungers strategischen Positionen als Akteur und Beobachter seit den 20er
> Jahren bekommt 
> einige recht uberraschende Zuge, wenn man sich von Jungers eigenem Verdikt
> nicht abschrecken 
> la?t, alltagliche, 'triviale' Lebenslagen seien fur einen Autor wie ihn
> bedeutungslos. Auch 
> diese andere Halfte seiner Existenz, die durch Gretha Junger ein Stuck
> sichtbar wird, gehort 
> zu seiner Biographie; und durch sie sto?t man dann mitten in Jungers eigenen
> Schriften auch 
> wieder auf Spuren von Heiner Mullers ?Jahrhundertproblem": darauf, da? Jungers
> Haltung zum 
> Krieg sich anderte, als auch die Frauen zu seinen Erfahrungen gehorten.
> Gretha Jungers Bucher werfen nicht etwa indiskret Licht auf Jungers
> Lebensstationen seit den 
> 20er Jahren; vor allem schildern sie ihren Blickwinkel auf das Leben bis in
> die ersten 
> Nachkriegsjahre, wobei Junger selbst nur selten im Mittelpunkt, aber fast
> immer im 
> Hintergrund steht. Zuweilen zeichnen sich auch nur kuriose Zuge Jungers ab;
> etwa als die 
> ?Dichtergattin" kurz nach Ende des 2. Weltkriegs einmal ihre Burden mit den
> Freiheiten des 
> ?Hauptmann Junger" verglich:
> ZITATORIN:
> Da lobe ich mir den Herrn Hauptmann, denn er kann immer, ohne Ansto? zu
> erregen, einen 
> kraftigen Kehrreim singen, auch wenn (...) Besucher nahen, er kann mit dem
> merkwurdigen 
> Zischlaut ?Ssssst" das Treppengelander hinunterrutschen, selbst wenn das
> seinen Jahren nicht 
> mehr entspricht, denn man wird hochstens sagen: ?Nun, fur einen alten
> Sto?truppfuhrer ist er 
> noch sehr gelenkig!" Von ihm wird nicht erwartet, da? er jeden Satz mit dem
> Ernst eines 
> Nabob beginnt, und man findet es vergnuglich, wenn er den Becher mehr schwingt
> als da gut 
> ist.
> TEXT:
> Manchmal blitzen auch leicht weltfremde Zuge Jungers im Zivilleben auf, etwa
> bei einem der 
> haufigen Umzuge in der Berliner Zeit, als sie 1928 aus dem Alten Westen in die
> Stralauer 
> Allee nach Friedrichshain zogen und er die Mobeltrager ergrimmte, weil er sich
> ohne seine 
> Frau ziemlich hilflos anstellte und den Umzug stundenlang aufhielt:
> ZITATORIN:
> Er war bereits Stunden vor mir in die Stralauer Allee gefahren, um dort den
> Mobelwagen zu 
> erwarten.
> Als ich dort anlangte, fand ich viel Volks vor der Ture, und die stammigsten
> unter den 
> Tragern verharrten tatenlos, aber grimmigen Angesichts am Fu?e der Treppe.
> ?Endlich!" riefen sie alle in einem Atemzug.
> ?Was ist denn?" fragte ich, banger Ahnungen voll.
> ?Nu!" sagte ihr Anfuhrer, und wand sich den Leder-Tragriemen um den Leib:
> ?Wat haben denn Sie for'n Mann? Der wees ja nich, wo det Sofa und wo det
> Kuchenbuffet hin 
> soll, von de Betten janz zu schweijen! Wissense: det is woll'n Professor, un
> det mach ja nu 
> hinjehn; wer ham ja ooch Verstandnis for'n jeistiges Jemiete, aber unsere
> Zeit, die ham wer 
> ooch nich jestohlen! Nu aber mal ran an die Bouletten!"
> Der ?Professor" befand sich in offensichtlich unglucklicher Gemutslage in dem
> leeren 
> Erkerzimmer seiner neuen Etage und begab sich eiligst von hinnen, als die
> Gestalt seiner 
> Frau nahte und wir ?ran gingen".
> TEXT:
> Der beruhmte weltfremde Professor also; das war im ubrigen, als Junger gerade
> ?Das 
> abenteuerliche Herz" beendet hatte und mit dem fur ihn spater stets
> wichtigsten seiner 
> Bucher, ?Der Arbeiter", begann, seinem Versuch, das widerspenstige Mobiliar
> der damaligen 
> Moderne in einer neuen Weltordnung geistig zu bandigen. Fur Mobiliar im
> trivialeren Sinn 
> fehlte dem ?jeistigen Jemiete" dabei jedoch die Aufmerksamkeit. Spater hat
> sich Junger den 
> Turbulenzen von Umzugen lieber von vornherein durch lange Reisen entzogen; und
> was den 
> ubrigen Alltag betrifft, so fuhrte er aus Gretha Jungers Blick ohnehin eher
> eine 
> traumerische Halbschattenexistenz.
> In ihren Erzahlungen nannte sie ihn - mit nicht zu uberhorender Ironie - stets
> nur den 
> ?Gebieter", wahrend er in ihren Tagebuchern ?Romain" hei?t. Der Name Junger
> fallt in beiden 
> Buchern nur ein Mal, bei der Schilderung eines Abends in Berlin kurz vor 1933,
> in deren 
> Mittelpunkt ein Auftritt von Goebbels steht; dort taucht Ernst Junger wie eine
> fremde, 
> zeithistorische Figur auf. Ob diese Pseudonyme - auch fur andere aus dem
> Freundeskreis wie 
> Carl Schmitt - viel verborgen hatten, falls sie in der NS-Zeit, wie Gretha
> Junger 
> befurchtete, bei Haussuchungen der Gestapo in die Hande gefallen waren, ist
> jedoch fraglich. 
> Nach dem Krieg konnen die Pseudonyme naturlich nur noch bezweckt haben, Junger
> vor ihrer 
> Optik abzuschirmen. Fur ihn, dem so viel an seinem Mythos lag, durfte alles,
> was ihn aus der 
> Hohe des Weltgeists auf die Erde zuruckholte, am eigenen Mythos gefrevelt
> haben. Ihren Wert 
> haben Gretha Jungers Bucher weder als intime Journale noch gar als
> literarische Werke einer 
> im Schatten des beruhmten Mannes verkannten Schriftstellerin. Vor allem
> ermoglichen sie 
> eines: eine bisher ubersehene Dynamik in Jungers Leben und Werk zu erfassen.
> Begegnet sind sie sich zum ersten Mal 1922 in Hannover. Im August 1995, als
> Hundertjahriger, 
> notierte Junger:
> 1. ZITATOR:
> Erinnerungen, insular. Gretha begegnete ich zum ersten Male auf der
> Hannoverschen 
> Georgstra?e vor dem Hause 22; Popp, ihr entfernter Onkel, machte uns bekannt.
> Sie war 
> sechzehn, ich siebenundzwanzig Jahr alt und sah wohl, wie es mir beim
> Betrachten von Photos 
> vorkommt, junger aus. Popp ruhmte mich gebuhrend und
> Das Fraulein staunt', da? in so jungen Jahren
> Er's in den Waffen schon so weit gebracht.
> TEXT:
> Die Verse von Ariost, Jungers Lieblingsdichter der fur ihn heroischen 
> Ersten-Weltkriegs-Zeit, lassen durch diese nuchterne Skizze der ersten
> Begegnung Waffenklang 
> klirren. Warum, macht Gretha Jungers Erinnerung deutlicher:
> ZITATORIN:
> An einem Herbstnachmittag wanderte ich uber die Georgstra?e, um den Pindopp
> abzuholen und in 
> van Houtens Kakao-Stube das ubliche Stuck Torte mit ihm zu verzehren.
> Nichtsahnend strebte 
> ich dem Zentrum zu.
> Es tauchte in der Ferne auf: ein wehender Militarmantel, eine Reichswehrmutze,
> ein 
> schleppender Sabel. Am Kragenausschnitt, weithin leuchtend: ein blauer Stern.
> Daruber hinaus erblickte ich ein paar blitzende Augen, die sich bei meinem
> Naherkommen mit 
> unwiederstehlicher Gewalt an mich hefteten und mich gleichsam in sich
> aufzunehmen schienen. 
> Diesmal tat mein Herz einen gewaltigen Schlag, so heftig, um nach kurzem
> Stillstand wie mir 
> schien, in einen wahren Trommelwirbel hinein zu geraten. Es schossen mir so
> viele Gedanken 
> zugleich durch den Kopf, da? ich mit au?erster Anstrengung meinen Blick
> geradeaus richtete, 
> um raschen Schrittes an dieser Gefahrdung vorbeizukommen.
> TEXT:
> Auch eine Art von Kriegsschauplatz, mit Trommelwirbeln des Herzens,
> herumschie?enden 
> Gedanken und Blickgeplankeln - ausgelost vom Auftritt einer seit der
> Kaiserzeit geradezu 
> erotisch besetzten Figur, des preu?ischen Leutnants, auch wenn dieser hier
> ?Welfe von 
> Geburt" war und ihr im gar nicht so preu?enfreundlichen Hannover uber den Weg
> lief. In den 
> Augen des sechzehnjahrigen Backfischs besa? die erste Begegnung ubersinnliche
> Zuge, denn sie 
> schlo? - wie es dann hei?t - den ?eigenen Willen (...) durch hypnotische
> Kraft" aus, so da? 
> der Leutnant mit dem blauen Stern hier immerhin sofort den vollstandigen Sieg
> errang. Am 
> folgenden Tag machte sie der besagte Onkel Popp formlich miteinander bekannt,
> nicht ohne der 
> Sechzehnjahrigen die Warnung mit auf den Weg zu geben, da? Junger nicht etwa
> einer der 
> ublichen Tanzstunden-Verehrer sei, sondern ein ?grosser Krieger", der ?wie der
> Teufel 
> (schie?t), und das augenblicklich!"
> Die weitere Anbandelung fand im Goethe-Gymnasium bei einer LiebhaberAuffuhrung
> des 
> ?Zerbrochenen Krug" statt, in der Gretha die Frau Marthe spielte - ubrigens
> neben Theo 
> Lingen als Dorfrichter Adam - und Leutnant Junger im Parkett sa?. Trotzdem war
> Gretha von 
> Jeinsen mit sechzehn kein so unschuldiger Backfisch mehr, wie es scheinen
> konnte; vom 
> Gymnasium war sie, ein impulsives Madchen mit hochst eigenem Kopf, vorzeitig
> abgegangen, 
> hatte bei einem protestantischen Pfarrer in Preu?isch-Strohen bei Nienburg ein
> Jahr die 
> Haushaltsfuhrung geubt - und was den Reiz der Waffen betrifft, so war sie
> vorher in Hannover 
> das einzige weibliche Mitglied eines ?Mannerbundes" gewesen, der den Freikorps
> des fruhen 
> Weimarer Burgerkriegsszenariums nacheiferte:
> ZITATORIN:
> es schwebte mir eine Barrikade vor, von Spartakisten verteidigt, die meine
> Gruppe zu sturmen 
> hatte und wo ich vielleicht die Fahne trug, oder auch Verwundete zu bergen
> hatte (...) 
> Kurzum: man war durchaus geneigt, aus mir eine kraftvoll sturmende Germania zu
> machen.
> TEXT:
> Naturlich blieb nicht aus, da? sie dort auch den Jungen die Kopfe verdrehte;
> fur das Klima 
> nicht nur bei Spro?lingen solcher Beamten- und Offiziersfamilien zu Beginn der
> 20er Jahre 
> ist aber bezeichend, da? es nicht bei vaterlandischen Traumereien bleiben
> mu?te - wofur 
> schon bald einer aus dieser sogenannten ?Gruppe Wumbo" sorgte:
> ZITATORIN:
> Um uns zu beweisen, da? ernsthaftere Dinge zu bewaltigen sind, schleppt er
> eines Abends ein 
> Maschinengewehr in mein Schlafzimmer und verbirgt es unter dem rosa
> Tullvorhang meines 
> Toilettentisches. Es folgen Karabiner und Pistolen, zum Teil auf dem Schrank
> oder unter 
> meiner Leibwasche versteckt; die Brigade braucht jeden Schu? Munition, wie er
> sagt, jedes 
> Stuck Eisen, und gegenuber diesen Argumenten verschwindet naturlich mein
> schwacher Protest.
> TEXT:
> In der aufgeladenen Atmosphare der fruhen 20er Jahre stand der Beginn dieser 
> Liebesgeschichte, die 1925 in Leipzig zur Hochzeit fuhrte, auch im Zeichen
> gemeinsamer 
> politischer Haltungen. Im Jahr ihrer ersten Begegnung hatte Junger ?In
> Stahlgewittern" 
> veroffentlicht, und nachdem er im August 1923 seinen Abschied aus der
> Reichswehr genommen 
> hatte und in Leipzig ein Zoologiestudium begann, setzte er nicht nur die
> Schriften zum 
> Ersten Weltkrieg fort. Nun setzte auch die Phase politischer Agitation fur die
> extreme 
> Rechte ein, vor allem durch Publikationen in Kampforganen wie ?Standarte",
> ?Arminius" oder 
> ?Vormarsch". Spater hat er von den Pamphleten mit ihren militanten und
> antisemitischen Tonen 
> nichts mehr wissen wollen und sie aus der Werkausgabe verbannt.
> Das Leben der Jungers - erst in Leipzig, dann in Berlin - spielte sich in
> einer Sphare ab, 
> die man die 'nationale Boheme' nennen kann. In Leipzig gehorten der Philosoph
> Hugo Fischer 
> und Bruder Friedrich Georg dazu. Wie geradezu knochern patriachalisch Ernst
> Jungers Haltung 
> damals war, zeigt eine kurze Szene:
> ZITATORIN:
> Wahrend die Punschbecher kreisten, ergab sich das mannliche Dreigestirn
> philosophischen 
> Themen. Mich beschaftigten diese in meinen jungen Jahren nicht allzusehr, und
> die Frage, ob 
> Kant in der Entgegensetzung von Begriff und Wirklichkeit eine Verwechslung des
> Pflichtgebots 
> beging, erschien mir nicht unbedingt wesentlich fur ein weibliches Gemut.
> Bachofen und 
> Matriarchat: hier wurden die Fischerin und ich schon aufmerksame Zuhorer. Nach
> meiner 
> bescheidenen Ansicht bewegten sich Dichter und Philosophen in Raumen, die
> nicht zu Erde und 
> Meer gehoren, aber in einem sich erganzenden Sinne waren sie sehr wohl auf
> beides 
> angewiesen.
> Terra - Mare - Mater: von ihnen stammt alles und alles kehrt zu ihnen zuruck.
> Dies wurde 
> selbstverstandlich sogleich als eine matriarchalische Herausforderung
> empfunden und 
> besonders der Gebieter ereiferte sich sehr. Ich wurde belehrt, da? wir Frauen
> ein Nichts 
> sind im Vergleich zu dem alles uberragenden und alles uberschattenden
> mannlichen Prinzip, 
> eine Wolke, ein sich auflosendes Gebilde etwa, dem erst der gewaltige
> Gottervater Gestalt 
> verleiht, und was dergleichen Uberheblichkeiten mehr sind. Allein, die
> verwunschte Demut, 
> die man hier erwartete, wollte sich durchaus nicht bei mir einstellen, und
> Schwager Fritz, 
> wie immer weise und schlichtend, entschied den Streit zu Gunsten beider,
> wahrend ich 
> hingebungsvoll an den Windeln fur meinen ersten Sohn nahte, voll des Eifers,
> meinen 
> kunftigen Platz in eben diesem Matriarchat auszufullen.
> TEXT:
> Die Ironie ist nicht zu uberhoren. Viel spater, als er im Marz 1944 nach einem
> Urlaub in 
> Kirchhorst im Zug nach Paris sa?, skizzierte Junger - nicht ohne Respekt -
> einmal kurz ihre 
> angriffslustige Haltung; ohne aber zu erwahnen, da? auch er selbst ihr oft
> nicht entging.
> 1. ZITATOR:
> Im Halbschlaf uber dies und jenes nachgedacht. Mir fiel die treffende
> Bemerkung Perpetuas 
> uber Weininger ein: ?Der hat sich doch sicher im Herbst umgebracht." In dieser
> Hinsicht 
> besitzt sie Urteilskraft und durchdringt, ohne sich imponieren zu lassen, den
> gro?ten 
> geistigen Apparat, als ob er nicht vorhanden ware, um seinen Trager zu
> beurteilen. Gerade 
> scharfe Intelligenzen erscheinen ihr gegenuber wie der Vogel Strau?: indem sie
> mit dem Kopfe 
> in ihren Theorien, Philosophemen und Utopien wuhlen wie in kristallisiertem
> Sande, bieten 
> sie ihr ahnungslos den ganzen Korper zur belustigten Betrachtung dar.
> TEXT:
> In den 20er und fruhen 30er Jahren war diese 'nationale Boheme' ein merkwurdig
> schillerndes 
> Phanomen: Weltkriegsveteranen, Freikorpsleute, von der Dolchsto?legende
> getriebene 
> Attentater aus burgerlichen und aristokratischen Kreisen mischten sich mit
> Dichtern, 
> Literaten, vaterlandischen Erweckern und Verachtern der dekadenten
> Massengesellschaft in 
> einem Klima, das von nationalem Pathos und Machttraumen selbst dekadent
> vibrier-te. Ihr 
> kleinster, aber nicht sehr lange tragfahiger gemeinsamer Nenner war der Hass
> auf die 
> Weimarer Republik. In Gretha Jungers Skizzen zeichnet sich das eigentumliche
> Nebeneinander 
> von Gewaltmentalitat und Rauber-und-Gendarm-Spiel in dieser Welt ab - auch das
> ein Zug von 
> Generationen, die zuerst den Krieg kennengelernt hatten und mit seinen Mitteln
> dann unter 
> anderem gegen die nun allerdings republikanischen Autoritaten rebellierten.
> Dieses Klima 
> zeigt eine Erinnerung, die von einem Treffen bei Franz Schauwecker ausgeht.
> Dieser 
> Schriftsteller hat damals den ?Front-Geist" des Ersten Weltkriegs mit dem 
> Nationalsozialismus verkoppelt; und mit ?Bogumil" ist hier Friedrich Hielscher
> gemeint, ein 
> anderer nationaler Vordenker und enger Freund Jungers seit der Berliner Zeit:
> ZITATORIN:
> Dann kommen wir auf Ernst v. Salomon zu sprechen, der gerade, des
> holsteinischen 
> Bombenwurfes verdachtig, in Untersuchungshaft sitzt. Da wir gewohnt sind, ihn
> in geringen 
> Zwischenraumen dort sitzen zu sehen, so ware diese Tatsache an sich kein Grund
> zur 
> Beunruhigung. Seine Frau Lilo ist bei mir gelandet, nachdem ihre Wirtin, die
> selbst in den 
> Privatkoffern Bomben mit Zeitzundung vermutete, sie kurzerhand auf die Stra?e
> gesetzt hatte. 
> Bogumil bemerkt hierzu, da? es Menschen gibt, die anstatt normaler
> Gehirnkammern einen 
> aufgespannten Regenschirm in Bewegung setzen, zum Schutz gegen alles mogliche
> Unheil, das 
> ihnen drohen mag. Unsere verschiedenen Wohnungen sind seit dem Augenblick von
> Salomons 
> Verhaftung Gegenstand der erhohten Aufmerksamkeit der sogenannten ?Melonen"
> geworden; es 
> sind dies gewisse Herren in Zivil und schwarzem steifem Hut, auch ?Hartmann"
> genannt. 
> Besagte Herren pflegen in zeitlichen Abstanden und nach ihrer Ansicht
> glucklich getarnt als 
> harmlose Spazierganger, jeweils einen schragen Blick auf die Front der Fenster
> werfend, auf 
> der Stra?e auf und ab zu wandeln. Verdachtig ist in diesem Berlin der Jahre
> 1928-30 jeder 
> von uns, und ab 1933 wiederum. Aber dies ahnen wir glucklicherweise noch
> nicht.
> Geruchte besagen, da? mein Gebieter die Briefkasten nur mit Pistolenschussen
> zu offnen 
> pflegt (...)
> Es waren noch selige Zeiten. Ungestraft durften wir, wenn die verschiedenen
> Verschworer in 
> unseren Wohnungen tagten, vom Balkon herab die Melonen darauf aufmerksam
> machen, ?da? es 
> noch ein wenig dauere". Sie besa?en noch so etwas wie Humor. Sie verschwanden
> um die nachste 
> Ecke, und sie kehrten wieder, um die Pappelbaume zu betrachten; das so
> freundliche Winken 
> von Katinka und mir wurde hoflich ubersehen. Die kunftige Gestapo besa? andere
> Methoden.
> TEXT:
> Das ?Spiel", die Weimarer Republik herauszufordern, zeigte erst im Ruckblick
> seine 
> gefahrlichen Fluchtpunkte. Allerdings schilderte Gretha Junger eine Szene aus
> dem Winter 
> 1929, die auch fur Ernst Junger einen merkwurdigen Einschnitt bedeutete. Noch
> funfzehn Jahre 
> spater kam er auf sie zuruck, ohne im Tagebuch aber uber Andeutungen
> hinauszugehen:
> ZITATOR:
> Paris, 20. Januar 1944
> Nachmittags besuchte mich Dr. Gopel, wahrend ich abends mit Hielscher im
> Raphael zusammen 
> war. Dabei kam das Gesprach auch auf den seltsamen Abend in Stralau im Winter
> 1929, der mit 
> dem gro?en Euphon und der Verbrennung von Mobeln begann, und an dem er sich
> mit Edmond uber 
> den gluhenden Kohlen die Hand reichte.
> TEXT:
> Wenn man Gretha Jungers Beschreibung des seltsamen Abends hort, wird auch
> einiges uber Ernst 
> Jungers Technik der Tagebuchnotizen deutlich: er registriert Ereignisse, la?t
> sie selbst 
> aber oft im Ungefahren. An dem Abend des klirrend kalten Winters 1929, in dem
> in Berlin die 
> Kohlezufuhr unterbrochen war und in der Wohnung in der Stralauer Allee die
> Temperatur ?14 
> Grad unter Null" betragen habe, standen plotzlich Jungers Geschwister Hanna
> und Friedrich 
> Georg, ein Dichter namens Joachim, Edmund Schulz mit Freundin Margret und
> Friedrich 
> Hielscher vor der Tur. Man begann, alte Mobel zu zersagen, um wenigstens ein
> Feuer machen zu 
> konnen, wahrend Gretha Junger aus einer Kneipe Gurken und Rum holte. Jungers
> ?gro?er Euphon" 
> war ein ziemliches Gelage, und es verlief so:
> ZITATORIN:
> Es brennt kein Licht; die Gesichter, im Widerschein der Flammen wechselnd von
> Blasse zu 
> lebhaftem Rot, sind in ihren einzelnen Zugen kaum erkennbar. (...) Der schwere
> Rum, den wir 
> trinken, verfluchtigt die leichten Wolkchen satirischer Laune. Wir befinden
> uns ganz 
> offensichtlich in einer Schiffskabine, auf hoher See: der Sturm, der sich
> drau?en erhebt, 
> peitscht Schnee und Eiskorner gegen die Fensterscheiben. Immer noch ein wenig
> frierend, 
> rucken wir dichter zusammen; eine merkwurdige Tafelrunde, wie sie nur der
> Zufall 
> zusammenfuhren kann. (...)
> Die riesenhafte Gestalt von Joachim scheint ganz in sich zusammengesunken.
> ?Sie gleichen 
> Danton", sage ich, ?aber ich vermisse das Feuer seiner Beredsamkeit!"
> ?Wie wir hier sitzen, sind wir alle Revolutionare! Es gibt ein Schweigen, das
> sich im 
> eigenen Feuer verzehrt." (...)
> Bogumils Entzucken an der Runde, ja selbst an der magischen Schwere, die sich
> langsam des 
> Raumes bemachtigt, ist augenscheinlich; seine Bewegungen bekommen etwas
> Hupfendes, und den 
> Feuerhaken in der Hand, halt er uns ein Referat uber das Christentum, das er
> ablehnt. Er 
> steht im Begriff, eine neue Sekte zu grunden. Hieruber entsteht mit dem
> Gebieter ein 
> theologisches Gesprach und ein Meinungsstreit zu dritt uber das Dogma, wie
> uber Christus 
> selbst. (...) Es wird das Problem der Taufe besprochen, des osterlichen
> Festes, das er nicht 
> als Auferstehung, sondern als Fruhlingsfest der alten Gotter begangen sehen
> will.
> ?Zum Wotan fehlt Ihnen aber noch der Brustumfang", sagt der Gebieter, wie es
> denn uberhaupt 
> an diabolischen Ereiferungen und Bemerkungen nicht mangelt.
> Edmund, dessen Herkunft und Erziehung eine streng christliche zu nennen ist,
> schien unser 
> Getrank in einen Zustand Dostojewski'scher Traumgesichter versetzt zu haben;
> er pariert 
> daher die Theorien Bogumils im Gegensatz zu seiner sonstigen Wachheit und
> Gewandtheit mehr 
> mit den Augen und in seinen Gesten und sitzt, die Hande weit von sich
> gestreckt, den Kopf 
> auf die Brust geneigt, dusteren Sinnes da. Sein Anblick mag an einen Seher
> erinnern, der den 
> fernen Stimmen lauscht, an einen Sterndeuter. Endlich spricht der Traumende
> aus, was ihn als 
> Vorstellung bewegt:
> Er sieht sich als Sunder in der Holle, schmachtend vor Pein und Folter; im
> Himmel sitzt 
> Margret an der Seite von Christus in Gestalt einer Taube, um fur ihn zu
> bitten. Vergeblich. 
> Angesichts seiner Leiden, und au?erstande ihm Hilfe zu bringen, fliegt sie
> umher und pickt 
> mit dem Schnabel das eine gottliche Auge aus, um es ihm als Balsam auf seine
> Wunden 
> hinabzusenden.
> Wir alle wenden uns wie erstarrt von der Scheu?lichkeit dieser Darstellung ab,
> die in Trance 
> auszuarten scheint. Ein Schweigen entsteht, das tiefer um uns lagert als die
> Dunkelheit. 
> Dann sagt Joachim laut, und indem er das Wort neu zu bilden scheint: ?E-kel-
> haft."
> Alle geben ihm recht. Der Gebieter pruft den also Verurteilten mit dem Blick
> eines 
> Psychotherapeuten, interessiert an einem Vorgang, der, wenn auch
> offensichtlich unter dem 
> Einflu? der Trunkenheit, dennoch ein Stuck des Vorhanges zu luften schien, der
> sonst den 
> inneren Raum verbarg. (...) Die Atmosphare ist lastend. Wenn der Vergleich
> einer 
> Schiffskabine stimmt, so befinden wir uns jetzt vor dem Ausbruch eines
> Scirocco, und das 
> Zittern der Planken kundigt die Gewaltsamkeit des Sturmes an. (...)
> Schwer hebt sich der Riese Joachim von seinem Sitz. Nun also bricht der Sturm
> los, denke 
> ich. Blitz und Donner entladen sich zu gleicher Zeit; sein tiefes mannliches
> Organ mischt 
> sich mit dem hohen Diskant Bogumils, der wie ein tuchtiger Sekundant vor und
> zuruck springt, 
> um etwaige Blo?en seines Duellanten zu decken und seinen Angriffsgeist zu
> schuren. Au?er uns 
> Frauen sind alle aufgesprungen und in Bewegung; wir fuhlen uns in eine Arena
> versetzt und 
> au?erstande, den Streit zu beenden oder zu schlichten. Edmund, sich allein
> sehend, gewinnt 
> die ganze Scharfe seiner Dialektik zuruck. Die Gespenster sind verflogen, der
> Rausch hat ihn 
> verlassen, und nur der Damon seines Wesens ist noch in seinem Blick zu spuren.
> 
> Wie es kam, wei? ich nicht mehr zu sagen: plotzlich fanden sich seine und
> Bogumils Hande in 
> der Glut der Flammen vereinigt, wie um die Entscheidung, den Richterspruch
> herauszufordern, 
> der dieses Duell beenden sollte, und entschlossen, - dies sah man beiden an -
> lieber die 
> Haut versengen zu lassen, als auch nur einen Zoll an Boden nachzugeben. Es war
> mehr als das: 
> eine tiefe, zum Ausbruch drangende Feindschaft beider, die sich aus dem Grunde
> ihrer 
> Gegensatzlichkeit erhob. Verachtung und Abwehr auf Seiten Bogumils, wahrend
> Edmund sich der 
> Kalte seiner Beobachtung uberlie?, messend und wagend, wie er dem Gegner am
> besten 
> beizukommen vermochte. In eben diesem Augenblick hatten sie ihren Standort
> verlassen, zum 
> ersten Male stellten sie sich: mude des Geplankels, der Wortspiele, mude auch
> der 
> Verdrossenheit an jeder ihrer Begegnungen. Jetzt ging es um Kimme und Korn.
> Noch sa?en wir alle benommen und starrten auf das Schauspiel, das sich uns
> bot; dann sprang 
> ich auf und ri? die beiden auseinander, gewaltsam, zornig. Ich drohte, den Rum
> zu sperren, 
> das Feuer zu loschen und durch das Fenster erfrischende Luft einziehen zu
> lassen.
> Ein Lachen ertont, und es wirkt befreiend, denn der Gebieter vernimmt hochst
> belustigt den 
> Donner meiner Rede; Joachim nennt das den Gipfel an weiblicher Energie,
> Bogumil protestiert 
> mit lateinischen Versen, Edmund entweicht ins Nebenzimmer, und die
> revolutionare Stimmung 
> richtet sich gegen meine Person.
> TEXT:
> Eine kurze, heftige Eruption erbitterter Feindschaft zweier Mystiker aus dem 
> nationalistischen Lager - und alles andere als ein 'gro?er Wohlklang'. Junger
> ist zuerst 
> spottischer Provokateur und, als die Eruption beginnt, kuhler Beobachter im
> Hintergrund, 
> 

Hello everybody,

please find attached Uwe Pralle's essay in Word 95 format.

Many regards,
O. Wieters


 

<<< application/msword: EXCLUDED >>>

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