29 Der Vorschauer nahm also zwei Mal an seinem Begräbnis teil: zunächst in der Schau, als er am Fenster stand, dann in der Wirklichkeit. Das Verhältnis hat sich verschränkt: die Schere der Atropos, vorerst in der Potenz gesehen, wirkte nun in actu—sie schnitt zu. Doch das tut dem Vorschauer nicht mehr weh. 30 In der Vorschau hat ein Zeitsprung stattgefunden; eine Vorhut wurde vorausgeschickt. Insofern wird in der Schau nicht Zukünftiges, sondern Vergangenes gesehen. Der Vorschauer hat die Gegenwart überholt. So kam es zur verblüffenden Identität des Geschauten und seiner Wiederholung in der Zeit. Für Schopenhauer galt das Zweite Gesicht als Bestätigung seiner These, »daß alles, was geschieht, mit strenger Notwendigkeit eintritt«. Den jungen Grillparzer hat solch »unentrinnbares Verhängnis« bestürzt. Sein Schicksalsdrama »Die Ahnfrau« wird von der Kritik als »vorübergehende Irrung« eingestuft. Da es sich aber beim Zweiten Gesicht um eine Rückschau handelt, ist auch dessen Notwendigkeit normal. Absolut notwendig und nicht zu verändern ist alles Vergangene. Schiller: Was man von der Minute ausgeschlagen, Gibt keine Ewigkeit zurück. Greetings! Abdalbarr
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