ernst jünger in cyberspace

mailing list archive - Die Schere

Well let's get the ball rolling. Inspite of the fact that the
translation of said text remains unclear, there is no reason not to
start reading. This is the first installment, 3 short paragraphs, p. 7-8
of _Die Schere_. Sorry to those who don't read german, maybe a
translation exists in your language? 

As for Herr Friese's suggestion, send me an e-mail with the passages
about the anarch and I will scan them in for those members who don't
have access to german, but might be able to find translations of
Eumeswil in their own languages. We could post these in English. I have
the translation.

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die Schere von E. Jünger


1

Jedermann hat, wie immer sie gerate und gelinge, seine eigene Kunst. Der
Trieb dazu, etwa zum Singen und zum Tanzen, ist ihm angeboren und
befriedigt sich im Spiel.
Es wäre müßig, zu fragen, ob dieser Trieb dem religiösen vorausgeht oder
ihm folgt. Beide sind untrennbar verbunden wie Ein- und Ausatmen — als
Empfangen und Dank.
In dieser Hinsicht betrachtet, sind Religionen mehr oder minder
gelungene Kunstwerke. Im Kunstwerk bestätigt sich die Zeit auf hoher
Stufe, obwohl Vollkommenes, das außerhalb der Zeit geahnt wird,
unerreichbar bleibt. Daher erschöpfen sich im Alltäglichen die Mode, in
den Jahrhunderten der Stil.
Wo Bilder fallen, müssen sie durch Bilder ersetzt werden, sonst droht
Verlust.

2

Die Kulte können nicht ohne Bilder bestehen. Selbst in der Wüste muß zum
mindesten ein Stein gesetzt werden. Dort ist etwas geschehen, dessen
wird gedacht. Vielleicht fiel ein Meteor vom Himmel, oder es ist nur ein
Gerücht. Dann wirkt das Gerücht stärker als die Tatsache.
Die Bilder sind das Urgestein der Kulte; sie leben länger als die
Götter, zu deren Ehren sie errichtet worden sind. Wir stehen vor einer
Statue, die aus dem Schutt geborgen wurde, und fühlen: Hier muß ein Gott
gewesen sein. Obwohl wir weder das Heiligtum noch seinen Namen kennen,
berührt uns ein verborgener Sinn, der auch dem Künstler selbst
verschlossen war. Im Kunstwerk lebt ein Glaube, der jedes Dogma
überwährt.

3

Jedermann ist auch der Autor seines eigenen Lebenslaufes, sein
Autobiograph. Er ist sein Romancier und ist sich dieser Aufgabe bewußt.
Daraus erklärt sich, daß fast jeder einen Roman zu schreiben zum
mindesten einmal begonnen hat.
Die Frage bleibt, wie dem Einzelnen diese Darstellung gelingt. Das hat
nichts mit seinen äußeren Umständen zu tun, und auch nicht damit, ob
sein Roman zu einem glücklichen Ende führt. Zu fragen ist vielmehr, wie
er mit seinem Pfund gewuchert hat—und dieses Pfund ist vorgegeben, schon
ehe er das Licht der Welt erblickt.

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Please Pardon the errors, I am reading the passages from the book and I
don't have time to make corrections. Sorry.

I will post twice a week for the time being. Let's see how things run
after that. The main thing is that we discuss material, and maybe here
is the point were the non-german speakers could participate. If there
are certain passages in question instead of translating the whole work
maybe just the lines you as the commentator commenting, could be
translated. 

"For example: "Vielleicht fiel ein Meteor vom Himmel..." "Maybe a meteor
fell from heaven..." This is a direct reference to the Kabaa in Mecca.
Where Abraham with his son Ishmael built a house (cube) to worship god."

This could be one method of commentary in which all members might be
able to participate. At least they would be able to follow the
discussion better.

Here's to our sucess and pleasure in this reading.
Enjoy!
Abdalbarr



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Markup © John King, 2008. Web archive generated Tue, 21st August 2007.