ernst jünger in cyberspace

mailing list archive - R: List Discipline


-----Messaggio originale-----
Da: Bertil Häggman <bertil.haggman@helsingborg.se>
A: ernst-juenger-l@maillist.ox.ac.uk <ernst-juenger-l@maillist.ox.ac.uk>
Data: giovedì, 4. febbraio 1999 20:18
Oggetto: SV: List Discipline



On the other hand it is clear that during
the EJ service in the Reichswehr it was
a modest military organisation that
also protected the republic from
internal enemies.

Greetings

Bertil Haggman

Ich habe leider den Anfang dieser Diskussion verpasst. Wenn aber Deine These
die sei sollte, dass EJ zur fraglichen Zeit so etwas wie ein demokratischer
Tugendbold ohne militaristisch-imperialistischen Einschlag war, so wäre
diese Meinung wohl sehr unhistorisch. Schliesslich hat EJ nicht nur in der
Reichswehr, sondern auch (im vorgerückten Alter, also vermutlich +/-
freiwillig) zuerst als Kompaniekommandant, dann als schöngeistiger
Stabshengst in Paris, in Hitlers Wehrmacht gedient. Der schöne Mann trug,
wie man aus den Photos leicht merkt, nicht ungerne die Uniform mit dem
geflügelten Hakenkreuz.
EJ gehörte  wohl zu jenem damals recht häufigen Offizierstyp, der zwar
Hitler plebeisch und zu radikal fand,  aber im Prinzip in vielen Belangen
mit ihm einig ging (inkl. Judendiskriminierung, sofern nicht zu brutal, und
Expansionspolitik) und ganz willig seine Abenteuer mitmachte, solange alles
gut ging. Zu dieser Kategorie gehören auch die verschiedenen Stauffenbergs
usw. Diese Leute haben ihre Offiziersehre zweimal verloren: zuerst durch
ihre Beteiligung an einem - wie sie von Anfang an wussten - moralisch nicht
zu rechtfertigenden und unritterlich geführten Krieg, dann durch Verrat an
ihren Chef als die Sache krumm lief.
Als gebildeter Laie (Schweizer Milizoffizier) halte ich von den
militärischen Leistungen dieser deutschen Offiziersgeneration recht viel.
Ihre Kasinofähigkeit haben aber diese Leute - inklusive EJ - allesamt
verloren.

Roberto Haab



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