Diesen Artikel finden Sie auf NZZ Online unter: http://www.nzz.ch/2002/03/= 11/fe/page-article811AJ.html=20 =20 Copyright =A9 Neue Z=FCrcher Zeitung AG, 11. M=E4rz 2002, 02:12 =ABAuf den Marmorklippen=BB=20 Eine Oper von Giorgio Battistelli nach Ernst J=FCnger=20 Die Sensation war in diesem Fall die Vorlage. F=FCr seine j=FCngste, seine dre= izehnte Oper, einen Auftrag des Nationaltheaters Mannheim, hatte sich der = 1953 bei Rom geborene Komponist Giorgio Battistelli n=E4mlich einen Text von= Ernst J=FCnger ausgew=E4hlt - nicht irgendeinen, sondern die Erz=E4hlung =ABAuf d= en Marmorklippen=BB, =ABdurchgesehen im September 1939 beim Heer=BB. Auf knapp 1= 50 Druckseiten schildert J=FCnger - aus der Perspektive der Erinnerung eines= Gelehrten, der sich mit einem Gleichgesinnten in eine Klause zur=FCckgezoge= n hatte - die Idylle eines menschlichen Daseins in Ruhe und Frieden, in =DCb= ereinstimmung mit der Natur und den hergebrachten Gewohnheiten, dann aber = auch den Einbruch roher Gewalt und umfassender Zerst=F6rung, wie sie von ein= em in den nahe gelegenen W=E4ldern herrschenden Oberf=F6rster ausgeht. Mag sein, dass ein Italiener - selbst einer, der im Kreis um Hans Werner H= enze beim Cantiere d'arte von Montepulciano aufgewachsen ist - dem Buch J=FC= ngers unbefangener begegnet, als es einem Leser deutscher Zunge m=F6glich is= t. So meisterlich die Erz=E4hlung mit ihrer langen, ganz und gar verhaltenen= Ausbreitung der idyllischen Zust=E4nde in der grossen Marina und der im let= zten Drittel in m=E4chtigem Accelerando ausbrechenden Schlacht gebaut ist, s= o sehr dr=E4ngt sich die detaillierte Schilderung des mit scharfen Hunden ge= f=FChrten Kampfes in den Vordergrund - als ob die ausf=FChrliche Einleitung bl= oss Vorwand f=FCr das blutige Finale w=E4re. Ja selbst in der heiteren Stimmun= g dieser Einleitung herrscht ein latentes Klima der Gewalt, etwa in den Mu= stern autorit=E4ren Denkens, die sich noch und noch finden. Mag auch sein, dass das Buch J=FCngers als ein Dokument des Widerstands gele= sen werden kann - insofern n=E4mlich, als hier kritisch und warnend die Schr= ecken vorweggenommen werden, die sich zur Entstehungszeit des Textes abzei= chneten. Tatsache ist freilich, dass in J=FCngers Erz=E4hlung Gewalt, Tod und = Untergang als Voraussetzung f=FCr das Entstehen von Neuem gefeiert werden, u= nd Giorgio Battistelli selbst spricht in einer kurzen Einleitung zu seinem= Werk von der =ABgrandiosen Katastrophe=BB, in die J=FCngers Vision m=FCnde. Die M= usik Battistellis, wie sie anl=E4sslich der Mannheimer Urauff=FChrung der Oper= zu h=F6ren war, unterstreicht das doppelt und dreifach. Sie lebt von dr=F6hne= ndem Klang, wuchtigem Pathos und dem harten Schlag einer ausgebauten Perku= ssion. =DCber weite Strecken herrscht ein Pathos, das seine Wurzeln bei Wagn= er findet, und gern spiegelt sich der Konflikt zwischen Gut und B=F6se im di= rekten Kontrast von Tonalit=E4t und Dissonanz. Unter der Leitung von Adam Fi= scher haben sich das Ensemble, der Chor und das Orchester des Nationalthea= ters Mannheim ihren Aufgaben mit letztem Engagement hingegeben, und dennoc= h blieb nach neunzig Minuten die Frage, ob es denn wirklich so einfach sei= . Einfach=3F Das ist nun doch ein schwieriges Wort angesichts der szenischen U= msetzung des Werks durch die katalanische Truppe La Fura dels Baus, die du= rch ihre grandiose Produktion von Hector Berlioz' =ABLa Damnation de Faust=BB = bei den Salzburger Festspielen 1999 in Erinnerung ist. Kein Aufwand wurde = hier gescheut. Heerscharen an Artisten und Statisten waren aufgeboten, die= Technik der Mannheimer B=FChne wurde nach Massen ausgen=FCtzt, Licht, Audio u= nd Video waren mit letztem Raffinement eingesetzt, ein Darsteller - er gab= die aus einem Baum hervortretende Stimme der Erinnerung - wurde gar live = aus Barcelona auf die B=FChne geschaltet. Doch so vielf=E4ltig die Anregungen = zur Deutung des Geschehens, die der Regisseur und Ausstatter Carlos Padris= sa zusammen mit seiner Mitarbeiterin Valentina Carrasco entwickelt hatte, = auch ausfielen - unter dem Strich blieb es bei einem modernen Totentanz, d= er in seiner =DCppigkeit jeder Grand Op=E9ra wohl angestanden h=E4tte. Auch auf = dieser Ebene dominierte die =E4sthetisch verbr=E4mte Darstellung von Gewalt, v= ermochte auch jener Brief nichts zu =E4ndern, der jedem Zuschauer =FCbergeben = wurde und der den letzten Satz aus J=FCngers Erz=E4hlung enthielt: =ABDa schritt= en wir durch die weit offenen Tore wie in den Frieden des Vaterhauses ein.= =BB Ob all dem szenisch-musikalischen Get=F6se ging eine Besonderheit des Projek= ts vollkommen unter. Die Erz=E4hlung J=FCngers zeichnet sich dadurch aus, dass= sie keinen einzigen Satz in direkter Rede enth=E4lt - und das stellt auch d= en gewieftesten Librettisten vor ernsthafte Schwierigkeiten. Battistelli h= at sich auf Grund dieser Ausgangslage aufgemacht, eine Oper zu schreiben, = in welcher der Sprache und dem Vokalen nicht die herk=F6mmliche Pr=E4senz zuko= mmt: eine Oper in dritter Person, in konstanter Mauerschau sozusagen. Das = Vokale ist vollkommen ins musikalische Ganze integriert, der Text bleibt =FC= ber weite Strecken unverst=E4ndlich und wird deshalb immer wieder in grossen= Lettern auf den B=FChnenhintergrund projiziert. Das b=F6te Anlass, =FCber eine = neue Ordnung der dramaturgischen Parameter nachzudenken - w=E4re das Prinzip= durchgehalten. Der Komponist und sein Librettist Giorgio Van Straten habe= n es aber nicht lassen k=F6nnen, einzelne Beschreibungen aus J=FCngers Text in= direkte Rede umzusetzen, was ausgesprochen opernhaft, gestelzt und ein bi= sschen l=E4cherlich wirkt. Allein, es ist wahrhaft nicht das einzige Problem= an diesem St=FCck und dieser Produktion. Peter Hagmann =20 =20 =20 =5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F Keine verlorenen Lotto-Quittungen, keine vergessenen Gewinne mehr!=20 Beim WEB.DE Lottoservice: http://tippen2.web.de/=3Fx=3D13
Markup © John King, July 2001.