Aus dem Tagblatt vom 11.3.2002 =A9 St. Galler Tagblatt AG=20 =20 Schiffbruch an den Marmorklippen=20 Ernst J=FCnger mit La Fura dels Baus in Mannheim auf der Opernb=FChne=20 Ernst J=FCngers kontroverses Buch =ABAuf den Marmorklippen=BB als Oper, gespielt= von La Fura dels Baus: eine brisante Urauff=FChrung in Mannheim, die aber a= n den Klippen des Stoffs scheitert.=20 Reinhard Kager=20 Die einen lesen den Roman als Dokument des Widerstands gegen den Nationals= ozialismus, die anderen als Beleg f=FCr Ernst J=FCngers Affinit=E4t zu rechtsnat= ionalem Gedankengut: =ABAuf den Marmorklippen=BB, 1939 entstanden, gilt als ei= nes der umstrittensten B=FCcher des 1998 verstorbenen deutschen Dichters.=20 Die gl=FChende Sprache, mit der J=FCnger schildert, wie zwei in der Abgeschied= enheit einer Rautenklause lebende Br=FCder beobachten m=FCssen, dass sich unte= r der Regie eines wild gewordenen Oberf=F6rsters mordende Horden formieren u= nd das Land - die Marina um die bizarren Marmorklippen - verw=FCsten, l=E4sst = reflektierende Distanz jedenfalls vermissen. Selbst wenn in dem Waidmann d= er leidenschaftlich gerne jagende G=F6ring erblickt werden k=F6nnte, formulier= t J=FCngers mystischer Jugendstilkitsch keine explizit kritische Position ge= gen=FCber der eskalierenden Gewalt der Banden des Oberf=F6rsters.=20 Distanzlos=20 Insofern war es wohl schon ein Fehler, dass der italienische Komponist Gio= rgio Battistelli und sein Librettist Giorgio van Straten den Roman eins zu= eins f=FCr die neue Oper =FCbertrugen, die jetzt im Nationaltheater Mannheim = zur Urauff=FChrung gelangte: Just in der Verdichtung zu neun Szenen wirkt di= e direkt aus der Prosa zu Dialogen geformte Sprache J=FCngers nur um so prob= lematischer. Und der Geruch des Faschistoiden wird angesichts von S=E4tzen, = wie: =ABEr hat den Drachen der Furcht in seiner Brust erlegt=BB, noch erheblic= h penetranter. Vielleicht h=E4tte die intendierte Rettung des Romans gelinge= n k=F6nnen, w=E4re Battistelli, der ja auch schon Stoffe von Antonin Artaud un= d von Pier Paolo Pasolini (=ABTeorema=BB) vertonte, musikalisch einen kontrapu= nktierenden Weg gegangen. Aber der von einem diffusen Streicherstrom besti= mmte Orchestersatz, der im Verlauf der rund eineinhalbst=FCndigen Oper durch= den Einsatz massiven Schlagwerks immer rhythmischer verdichtet wird, vers= t=E4rkt bloss den atavistischen Grundzug von =ABAuf den Marmorklippen=BB.=20 Mensch-Maschinen-Kn=E4uel=20 Da nutzt es wenig, dass Battistelli die musikalischen Schichten auff=E4chert= , um den Chor im Sinne einer =ABakustisch-visuellen Dramaturgie=BB oft verr=E4um= lichend aus dem Off singen zu lassen, wenn die immer brachialer und primit= iver werdende Rhythmik J=FCngers Distanzlosigkeit zur Gewalt - unter der Lei= tung Adam Fischers - auch noch musikalisch verdoppelt. Die katalanische Gr= uppe La Fura dels Baus bietet ihr ganzes Repertoire auf: zuckende Menschen= kn=E4uel, forsche Feuerschlucker und fliegende Leiber. Doch das Regiekonzept= wirkt wenig kl=E4rend. Immerhin zeigt Carlos Padrissa, der Kopf der Truppe,= in den Szenen, als sich die Hirten rund um die Br=FCder Minor (Thomas Berau= ) und Otho (Thomas Jesatko) zu einer Art Gralsprozession um Computerbildsc= hirme formieren, explizit Technik-kritische Z=FCge - trotz des massiven Eins= atzes technischer Hilfsmittel wie Videos, Computeranimationen und jeder Me= nge hydraulischer Tricks. Als dann der Oberf=F6rster als vierk=F6pfiges Monste= r aus dem B=FChnenhimmel schwebt, um die wie Mumien in weisse Lumpen geh=FCllt= e Menge in die entscheidende Schlacht am schauerlichen K=F6ppelsbleek zu tre= iben, scheint doch wieder unkritisch die Frage gestellt: Ist Macht nicht g= eil=3F =5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F Keine verlorenen Lotto-Quittungen, keine vergessenen Gewinne mehr!=20 Beim WEB.DE Lottoservice: http://tippen2.web.de/=3Fx=3D13
Markup © John King, July 2001.