ernst jünger in cyberspace

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Sehr stark gekürzte Fassung des von mir erwähnten Artikels von Ritter v.
Kuehnelt-Leddihn in "Timor Domini" (Quelle:
www.abanet.ch/christiana/TD981.htm)


Erik v. Kuehelt Leddihn: «Alle Wege führen nach Rom»
Der Schriftsteller Ernst Jünger wurde katholisch

Ich bin betrübt über den Tod von Ernst Jünger, den ich öfters besucht
und mit dem ich oft korrespondiert hatte. Er stand unserem Glauben immer
schon nahe und wollte sogar seinen Sohn Ernst katholisch taufen lassen,
was aber seine erste Frau verhinderte. Ich selbst figuriere einige Male
in seinem Tagebuch (1981-1985) «Siebzig verweht» im Zusammenhang mit der
«Unbefleckten Empfängnis», die er (wie auch die meisten Katholiken)
missverstand. Fleissig betete ich für seine Konversion, die im Jahre
1996 stattfand, aber nicht der Öffentlichkeit kundegetan wurde. Er wurde
natürlich auch gut katholisch begraben.
Er war ein brillanter Mann. Ich hielt ihn für den grössten deutschen
Schriftsteller und vielleicht war er in Frankreich (dort zumeist kurz
«E. J.» genannt) noch berühmter und wurde mehr verehrt als in
Deutschland. Vor dem Ersten Weltkrieg war er der Fremdenlegion
beigetreten und nur durch Bemühungen seines Vaters gegen ein Lösegeld
von 1’000 Goldmark wieder freigekommen. Im Weltkrieg bekam er den «Pour
le Mérite-Orden», nach dem Krieg umwarben ihn die Braunen als Helden,
doch entkam er nur durch ein Zögern Hitlers dem Konzentrationslager für
seine einzigartige Erzählung «Auf den Marmorklippen» (1939). Auch sein
fast so begabter Bruder Friedrich Georg schwebte in grösster Gefahr.
Jünger bekam den Goethe-Preis. Bei der grossen Gedenkfeier in Verdun
hielt Ernst Jünger im Beisein von Ministerpräsident François Mitterand
und Bundeskanzler Helmut Kohl die Gedenkrede. Als Gegenleistung
besuchten Mitterand und Kohl gemeinsam den uralten, aber geistig so
frischen Greis in seiner Behausung, einem Seitengebäude des Schlosses
der Grafen Schenk von Stauffenberg (der am 20. Juli 1944 einen
Attentatsversuch auf Hitler unternommen hatte) in Wilflingen. Ein
einzigartiger Mann! Er ruht nun in Gott, der ihn fast 103 Jahre alt in
die Ewigkeit berief, an die er allerdings immer schon geglaubt hatte!
Requiescat in Pace!
Erik von Kuehnelt-Leddihn

Nachsatz der Redaktion:
An seiner Beerdigung nahmen 2’000 Menschen teil, darunter Erwin Teufel,
der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, ein Vertreter der
Bundesregierung in Bonn und fünf Generäle.
Seine Sämtlichen Werke in 18 Bänden erschienen im Klett-Cotta-Verlag
Stuttgart (ISBN 3-608-93673-4, DM 980.-)
Im Lexikon des Konservatismus erschien eine mehrseitige Würdigung Ernst
Jüngers, in der es über sein Verhältnis zum Nationalsozialismus heisst:
«Die Einstellung der NSDAP zu Ernst Jünger war zwiespältig: Obwohl
Jünger kein Hehl daraus machte, dass die Wehrmacht für ihn der
massgebende Faktor im Staate war, bot ihm die NSDAP zweimal (vergeblich)
einen Sitz im Reichstag an – erst 1927, dann wieder 1933 nach der
«Machtergreifung». (Dass dem zweiten Angebot kurz zuvor eine
Hausdurchsuchung der Gestapo bei Jünger vorausging, war typisch für das
Chaos der Instanzen in den Anfängen des Dritten Reiches.) Im grossen
Ganzen war Jünger als «grosser nationaler Dichter» unantastbar, solange
er auf Akte des Hoch- und Landesverrats verzichtete. Noch nach
Erscheinen des Romans «Auf den Marmorklippen», der heute u.a. mit Werner
Bergengruens «Der Grosstyrann und das Gericht» als einer der grossen
Widerstandsromane gilt, die im Dritten Reich publiziert wurden, hielt
Hitler an dieser Maxime fest – wie Jüngers erste Frau Gretha Jünger
(1906-1960) unter Hinweis auf Zeugen bestätigte.»





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