ernst jünger in cyberspace

mailing list archive - Jünger-Symposion / Besprechung d. SCHWÄBISCHEN ZEITUNG

Schw=E4bische Zeitung, 04.04.2002:

Die gr=F6=DFte Gefahr ist, dass das Leben etwas Gew=F6hnliches wird=20

HEILIGKREUZTAL (sz) - Symposien k=F6nnen wie Mikroskope und Fernrohre zuglei=
ch wirken. Die Nah- und Fernsicht auf dem von 180 Teilnehmern aus ganz Eur=
opa besuchten 4. Symposion nahm sich der Geistes- und Wahlverwandtschaft a=
n, mit dem f=FCr Ernst J=FCnger so typischen Verfahren der Ann=E4herung an den G=
egenstand.=20

Sebastian Kleinschmidt, Chefredakteur der Zeitschrift "Sinn und Form", spr=
ach =FCber Gerhard Nebels Bild von Ernst J=FCnger. Als fr=FCherer Sozialdemokrat=
 und sp=E4terer Mitbegr=FCnder der Sozialistischen Arbeiterpartei hatte Nebel =
J=FCnger bislang als Faschisten verachtet. Doch nach der Lekt=FCre von J=FCngers=
 Essaysammlung "Bl=E4tter und Steine" war war beeindruckt. 1941 lernte er J=FC=
nger in Paris pers=F6nlich kennen und sch=E4tzen. Nebel erkennt als Quell der =
J=FCngerschen Autorschaft das Staunen, die Verehrung des Wunderbaren, das di=
e Kruste des Gew=F6hnlichen durchbreche und zitiert J=FCngers Satz: "Seien wir=
 auf der Hut vor der gr=F6=DFten Gefahr, die es gibt - davor, dass uns das Leb=
en etwas Gew=F6hnliches wird".=20

G=FCnter Figal (Universit=E4t Freiburg) sprach =FCber die Geistesverwandtschaft =
Ernst J=FCngers mit Goethe. Zwar k=F6nne Goethe kaum klar umrissen als speziel=
ler Anreger gelten, gleichwohl n=E4hmen Parallelen und Spiegelungen ab den S=
chriften der vierziger Jahre zu: etwa die zwischen Goethes "Kampagne in Fr=
ankreich" 1792 und "G=E4rten und Stra=DFen", dem =FCberwiegend in Paris entstand=
enen Tagebuch Ernst J=FCngers aus dem Jahre 1942. Vor allem im Alterswerk we=
rde das immerw=E4hrende Gespr=E4ch mit Goethe auch im Stil J=FCngers greifbar.=20

Francesco Fiorentino (Universit=E0 Roma Tre) referierte =FCber das Verh=E4ltnis =
zwischen Ernst J=FCnger und Heiner M=FCller im Kontext der Moderne, =FCber die B=
esetzung des urspr=FCnglichen individuellen Raumes des Agonalen durch die st=
rukturelle Gewalt der Technik. Die Schlacht von Langemarck im Jahre 1914, =
in der zehntausende ungen=FCgend ausgebildete deutsche Kriegsfreiwillige und=
 =E4ltere Reserveoffiziere als Kanonenfutter in die Schlacht geworfen wurden=
, nahm Friedrich Gaede (Dalhousie University ) zum Ausgangspunkt seiner Be=
trachtung =FCber Feuer, Licht und Dunkelheit bei Ernst J=FCnger und G=FCnter Gra=
ss in Hinblick auf den von beiden Zeitgenossen gleicherma=DFen gesch=E4tzten B=
arockautor Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen und dessen ber=FChmten =
Roman "Simplicius Simplicissimus".=20

Nicol=E1s S=E1nchez Dur=E1s (Universit=E4t Valencia) Beitrag "Die fr=FChe Kritik des=
 abstrakten Pazifismus bei Ernst J=FCnger" handelte von zwei von J=FCnger hera=
usgegebenen und heute wenig bekannten Bildb=E4nden =FCber den Ersten Weltkrieg=
. Durch eine vergleichende Analyse mit weiteren Bildwerken kommt er zu dem=
 Ergebnis, dass f=FCr J=FCnger die rasante Entwicklung der Technik eine breite=
 Spur zerst=F6rter Symbole zur=FCcklasse. J=FCnger kritisiere in seinen Bildb=E4nd=
en einen abstrakten Humanitarismus, der den Krieg im Namen des Fortschritt=
es und der Zivilisation rechtfertige.=20

Peter Trawny, Privatdozent an der Universit=E4t Freiburg, besch=E4ftigte sich =
mit Martin Heideggers Lekt=FCre von Ernst J=FCngers "Der Arbeiter", einem Essa=
y =FCber die technische Welt. Trawny ging der Frage nach, wie sehr ein Buch =
wie "Der Arbeiter" einen Weltzustand =FCberhaupt wiedergeben k=F6nne, wenn das=
 Sprechen selbst sich als unzureichend erweise und andererseits das Ungesa=
gte sich nur im Gesagten mitteilen lasse.=20

Helmut Lethen (Universit=E4t Rostock) stellte am Beispiel der Personenkonste=
llation Ernst J=FCnger und Konrad Lorenz dar, inwieweit das menschliche Bewu=
sstsein in biologische Baupl=E4ne eingelassen und in Momenten der Panik und =
des Erschreckens in ein Distanzverh=E4ltnis zu sich selbst gesetzt werde. Al=
bert von Schirnding, Direktor der Abteilung Literatur der Bayerischen Akad=
emie der Sch=F6nen K=FCnste, sprach in seinem biographischen Beitrag luzide =FCb=
er die einflussreiche Beziehung zwischen dem Ehepaar Clemens und Sophie Do=
rothee Podewils und deren Kinder zu den Br=FCdern Ernst und Friedrich Georg =
J=FCnger.=20

Thomas Pekar (Universit=E4t Tokio) r=FCckte J=FCngers Japanreise des Jahres 1965=
 als einen Teil des J=FCngerschen Orient-Diskurses, als Altersentdeckung und=
 "Lekt=FCre-Reise" in den Vordergrund. Seine Japan-Erfahrung wird mit einem =
Sich-Einlassen auf eine Handschrift verglichen und so lese J=FCnger das japa=
nische Alltagsleben und die japanischen Kultur als eine Reihe von "klassis=
chen" Zeichen und Gesten.=20

=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F
Keine verlorenen Lotto-Quittungen, keine vergessenen Gewinne mehr!=20
Beim WEB.DE Lottoservice: http://tippen2.web.de/=3Fx=3D13




Markup © John King, July 2001.