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Liebe J=FCnger-Freunde

im heutigen REUTLINGER GENERALANZEIGER nachstehender Artikel mit Bez=FCgen z=
u J=FCnger und Rudolf Schlichter. Der genannte Landeskonservator Rieth ist z=
usammen mit EJ und Bundespr=E4sident Heuss abgebildet in Schwilk, S. 237.

Im Netz l=E4=DFt sich unter http://www.gea.de/nachrichten/gea/20020416/html/Ar=
ticle/1911430046=5F08702.html der Artikel abrufen - dort ist auch das Portra=
it zu sehen, das Schlichter vor vielen Jahren von Frl. Rieth gemalt hat.
Beste Gr=FC=DFe,
t=E9w=E9
(tobias wimbauer)


Kulturkampf f=FCr eine bessere Zukunft=20

Hedwig und Gustav Adolf Rieth, intellektuell-politische Begleiter des Zeit=
geschehens=20
Von Ingeborg Kunze=20
 =20
T=FCbingen. (GEA) Die Tochter von Laura Schradin war sich ein politisches Le=
ben lang des Beispiels der streitbaren Reutlinger Sozialdemokratin bewusst=
. Dabei hat Hedwig Rieth als junges M=E4dchen =BBbedauert, dass ich mit dieser=
 Frau verwandt bin, die verehrt wurde wie eine Halbg=F6ttin, weil sie andere=
n geholfen und f=FCr sie gek=E4mpft hat=AB. Dann hat sich das ge=E4ndert - dann wa=
r sie =BBnicht stolz, nein: gl=FCcklich, dass sie so viel f=FCr andere getan hat=
.=AB ben.=20


Mit selbstverst=E4ndlicher Konsequenz aber hat Hedwig Rieth in den Jahrzehnt=
en aktiver T=FCbinger Kultur- und Sozialpolitik die gleiche charakteristisch=
e Energie gezeigt wie ihre unkonventionell agierende k=E4mpferische Mutter, =
die 1919 als eine von vier Frauen in den w=FCrttembergischen Landtag einzog =
und gleichzeitig f=FCr drei Jahre in den Reutlinger Gemeinderat gew=E4hlt wurd=
e. Laura Schradin ist 1937 mit 59 Jahren gestorben. Der Einsatz beider hat=
te dasselbe Ziel: das Gelingen des Lebens der Mitmenschen, die bessere Zuk=
unft der Zeitgenossen.=20


Zur=FCck zu Kleist=20

Heute, mit 92, bedauert Hedwig Rieth die Begleiterscheinungen des Alters, =
den Verlust der Erinnerungen. Eine sch=F6ne Frau noch immer, schlank im beig=
en Hosenanzug, lange Beine, schmale H=E4nde, spontan, offen, lebhaft, intere=
ssiert, pr=FCfende dunkle Augen. Sie liest den Kleist, den sie sich aus ihre=
m T=FCbinger Haus voller B=FCcher und Bilder hat bringen lassen, =BBnoch einmal =
diese sch=F6ne Liebesgeschichte, das K=E4tchen von Heilbronn=AB, auch wenn die F=
rakturschrift in dem alten Band erm=FCdend ist.=20


=BBSchlichter ist ein phantastischer Portr=E4tist=AB, sagt sie. Das Bild, das Ru=
dolf Schlichter, damals Rottenburger, vor siebzig Jahren von ihr gemacht h=
at, Hedwig Rieth in roter Bluse, lockere Kurzhaarfrisur, die Momentaufnahm=
e schwer zu b=E4ndigender Aktivit=E4t, dieses sehr lebendige Bild ist zusammen=
 mit der gro=DFen Schlichter-Zeichnung ihres Mannes Dr. Gustav Adolf Rieth (=
1902-1984) und mit der geliebten dreihundert Jahre alten Naturszene eines =
unbekannten Malers der Kunst-Inhalt ihres Jetzt-Seins im T=FCbinger Pflegehe=
im.=20


Das =F6ffentliche Leben der Sozialdemokratin, die 24 Jahre T=FCbinger Stadtr=E4t=
in war, ist abgeschlossen. Auch wenn das Parteiblatt =BBVorw=E4rts=AB bei aktuel=
ler Post, dem Terminkalender und den Gedichten des T=FCbinger Denkers Dietri=
ch Uffhausen obenauf liegt.=20


Die Freundschaft mit dem Maler Rudolf Schlichter (1890-1955), der sich geg=
en die Enge seiner Welt mit schockierender Gesellschaftskritik zur Wehr se=
tzte, und mit dem Schriftsteller Ernst J=FCnger, mit dem Schlichter zwanzig =
Jahre lang, von 1935 bis zum Tod 1955, Briefe wechselte, betrifft eine wic=
htige Phase im gemeinsamen Leben der Rieths, eine Zeit ungebrochener Wachh=
eit und Aktivit=E4t inmitten der Br=FCche des Zeitalters: Drittes Reich, Krieg=
, Aufbau, Konsolidierung, Saturiertheit, die 68er-Revolte.=20

In einem ihrer letzten Interviews, dem zu ihrem Geburtstag am 11. Januar 2=
000, kam die Neunzigj=E4hrige auf J=FCnger zu sprechen, der f=FCnfzig Jahre zuvo=
r mit Hilfe der Rieths ins stauffenbergsche Forsthaus in Wilflingen eingez=
ogen war, in dem er bis zu seinem Tod im Januar 1998 gewohnt hatte. Sie zi=
tierte J=FCngers Alterswerk =BBSiebzig verweht=AB, die Tageb=FCcher 1965 bis 1996,=
 wandelte den Titel selbstironisch, aber doch =BBmit wehm=FCtigem L=E4cheln=AB, wi=
e geschrieben wurde, um in =BBNeunzig verweht=AB.=20


Verweht, verloren sind inzwischen, das wei=DF sie und best=E4tigt es bedauernd=
, Daten und Details ihrer eigenen wichtigsten, aktivsten Jahrzehnte.=20


Gleichwohl tauchen in ihrem farbigen Erz=E4hlen Ereignisse auf: Ernst J=FCnger=
, 102 Jahre alt, am 12. September 1997 in der Schlichter-Ausstellung in de=
r T=FCbinger Kunsthalle vor dem Bild, das ihn mit nacktem Oberk=F6rper vor Alb=
felsen zeigt. Tauchen Bilder auf wie jene Szene vom Mai 1955, die Fotograf=
en am Platz des keltischen F=FCrstensitzes Heuneburg =FCber der Donau bei Ried=
lingen festgehalten haben: Theodor Heuss, der erste Pr=E4sident der Nachkrie=
gs-Republik Deutschland, Ernst J=FCnger, Gustav Adolf Rieth, damals Landesko=
nservator.=20


Rieth war ein liberaler Kopf, rotblonder Spro=DF einer Reutlinger B=E4ckerfami=
lie, unglaublich vielseitig, geistvoll und beweglich als Natur- und Kunstw=
issenschaftler, ein begabter K=FCnstler, passionierter Schachspieler und den=
kender Mensch. Die ausgebildete Hauswirtschafterin hat ihn 22-j=E4hrig gehei=
ratet. Mit ihm hat sie, mindestens genauso agil wie er, sich Kunst erschlo=
ssen und andere teilhaben lassen. Sie waren diesem Teil des Landes ein bes=
t=E4ndiger Faktor f=FCr Kunst. Mit vielen K=FCnstlern waren die beiden freundsch=
aftlich verbunden - die Kinder von Otto Dix verbrachten die Ferien bei Rie=
ths. Unabh=E4ngig ging Hedwig Rieth als T=FCbinger Gemeinder=E4tin politisch ihr=
en Weg und doch mit der Genugtuung vielfacher Einigkeit der Auffassungen m=
it diesem gleicherma=DFen unabh=E4ngigen Mann. Und mit Carlo Schmid, Theodor E=
schenburg, Hans Gmelin, Walter und Inge Jens als Freunden.=20


Die Stiftung=20

Die umfangreiche Rieth-Sammlung von K=FCnstler-Selbstbildnissen deutscher Ex=
pressionisten ist seit 1990 dem Kunsthistorischen Institut =FCberlassen. Die=
 Universit=E4t T=FCbingen ernannte daf=FCr die Stifterin zur Ehrensenatorin, w=FCr=
digte bei der Ernennung 1990 eine weitere Seite ihrer Wirkung: Mit einigen=
 Kunstausstellungen nach dem Krieg habe sie zusammen mit ihrem Mann in T=FCb=
ingen =BBvielen die Augen ge=F6ffnet f=FCr das, was in der braunen Diktatur unte=
rdr=FCckt war=AB. So habe die Stadt gegen=FCber der Universit=E4t kulturell Gewich=
t gewonnen.=20


Hedwig Rieth war eine jener Frauen in T=FCbingen, die in den f=FCnfziger Jahre=
n viel zur politischen Emanzipation beitrugen, auch mit dem 1952 von der S=
PD-Landtagsabgeordneten Else Berkmann unter dem Dach der Volkshochschule g=
egr=FCndeten =FCberparteilichen und =FCberkonfessionellen Zusammenschluss =BBT=FCbin=
ger Staatsb=FCrgerinnen=AB. Die aktive Gruppe hatte zwanzig Jahre Bestand.=20


Diese Frau, ungew=F6hnlich, temperamentvoll, witzig, gescheit, belesen, cour=
agiert und =FCberzeugungswillig wie die =BBrote Laura=AB, die Politikerin, von d=
er sie abstammt, war 1956 erstmals f=FCr den T=FCbinger Gemeinderat vorgeschla=
gen worden. Sie war damals parteilos, trat erst ein Jahr sp=E4ter der SPD be=
i. Bis 1980 war sie Kommunalpolitikerin, galt als =BBpersonifizierte M=F6glich=
keit eines Ausgleichs zwischen B=FCrgerlichkeit und Sozialdemokratie=AB, k=E4mpf=
te erfolgreich f=FCr die Bewahrung des historischen Stadtbildes.=20


Hedwig Rieth im Fr=FChjahr 2002. Der geistige Horizont der dynamischen Frau =
ist in jeder Richtung offen. Doch die vier W=E4nde, in denen sie lebt und di=
e sie nur noch ganz selten in Begleitung verl=E4sst, sind Begrenzung. Schwin=
del schr=E4nken die Bewegungsfreiheit ein.=20


Sie sagt: =BBDas Leben ist etwas Wunderbares, nicht Begreifliches. Ich lebe =
gern und ich bin dankbar, das so erleben zu d=FCrfen. Auch wenn es manchmal =
traurig ist, nicht mehr mitzugestalten. Alles gibt es noch - aber man sitz=
t schon daneben.=AB=20

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Keine verlorenen Lotto-Quittungen, keine vergessenen Gewinne mehr!=20
Beim WEB.DE Lottoservice: http://tippen2.web.de/=3Fx=3D13




Markup © John King, July 2001.