ernst jünger in cyberspace

mailing list archive - Desinvolture

Desinvolture is one of the more fascinating terms
used by EJ. In German it would be something like
"Ungeniertheit". Unceremoniousness or free-and-easy
manner might be English counterparts. The French
word, however, conveys both a freedom and easiness
in the bearing or gait and might even be offhandedness
in one's dealings.

The Spanish desenvoltura may be expressed in the moment
of studied inattention a bullfighter displays as the
bull brushes past him.

I will bring a small portion from a letter by EJ to FGJ
of 17 March 1920 during the Kapp Coup in Berlin, when
EJ served in the Reichswehr. Am sorry it will be in
German for the Anglosaxons of the list, but I am interested
in views if EJ is expressing desinvolture here:

"Am naechsten Tag besetzte ich die Wache im Zeughaus an der
kleinen und fast leeren Strasse, die vom Waterloo-Platz
nach den Badeanstalten fuehrt. Hier wurde mir dann am Nach-
mittag telefonisch mitgeteilt, dass ein Zug von zweitausend
Menschen sich gegen den Waterloo-Platz bewege und in einer 
Viertelstunde zu erwarten sei. Ich liess daraufhin die
Strasse mit spanischen Reitern sperren und stellte die
Leute mit aufgepflanztem Seitengewehr dahinter auf. Obwohl
ich im Kriege kaum je erlebt hatte, dass Agenten-Nach-
richten sich bewahrheiteten, war das hier ganz anders:
genau nach der angekuendighten Zeit tauchte an der Ihme-
Bruecke ein gewaltiger Demonstrationszug auf und staute sich 
dann vor einem duennen Draht, durch den der Platz und die
Leibnizstrasse abgeschlossen waren. Der Platz war Menschen-
leer, und erst als die Demonstranten Anstalt machten, der
Draht zu ueberklettern, liess Stuelpnagel sie durch ein 
Hornsignal verwarnen und schickte der Leutnant Hartog
mit einer Maschinengewehr-Bedienung vor, die nach einem
weiteren Signal eine Serie von Schuessen abfeuerte. Hartog
erzaehlte mir spaeter, dass ihm der Auftrag unangenehm
gewesen sei - jedenfalls wollte er, so lange es irgend
ging, niemand beschaedigen, denn ich sah eine Garbe oben
am Turm der reformierten Kirche einschlagen, wo Wolken
von Moertel abstoben. Sofort brach unter der Masse eine
Panik aus, und man sah aus den Haufen, in die sie sich 
zusammendraengten, an Schirme und Stoecke gebundene
Taschentuecher aufsteigen. Nun fuelltes ich auch der
Waterloo-Platz mit Truppen an, ebenso oeffnete sich dass
grosse Tor des Polizei-Praesidiums, und ein Zug Polizei
ging vor meiner Wache im Schritt gegen die Ihme-Bruecke vor.
Ich wurde dadurch aller weiteren Sorgen enthoben; ueber-
haupt hatte meine Taetigkeit nur darin bestanden,
Nachmittags-Spaziergaenger und ihre Frauen, die in das
Gedraenge geraten waren, durchschluepfen zu lassen.
Zwischen der Polizei und dem Teil der Demonstranten, auf
den sie losging, spielte sich noch eine Reihe von auftritten
ab. Polizisten in Zivil, die in der Menge verteilt waren,
naeherten sich dabei von hinten den Hauptakteuren,
fassten sie am Kragen und stiessen sie in der Polizeikette
durch. Ich glaube, dass in drei Minuten der Vorgang 
beendet war, und nur noch einige Huete und zerbrochene
Regenschirme blieben auf dem Platz. D a s  G a n z e
h a t t e  e t w a s  z u g l e i c h  A e r g e r l i c h e s
u n d  E r h e i t e r n d e s, w i e  w e n n  
D i l e t t a n t e n  s i c h  m i t  u e b e r l e g e n e n
K u e n s t l e r n  e i n l a s s e n." (my emphasis).

Bertil Haggman
bertil.haggman@helsingborg.se


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