ernst jünger in cyberspace

mailing list archive - Zum Juenger-Buch von Steffen Martus

Tobias Wimbauer: Annäherung
Steffen Martus führt in Leben und Werk Ernst Jüngers ein

Der Berliner Germanist Steffen Martus hat eine solide Einführung in das
Leben und Werk Ernst Jüngers veröffentlicht. Der Autor, 1968 geboren,
entstammt nicht mehr jener Generation, die an Jünger exemplarisch die
sogenannte Vergangenheitsbewältigung austoben mußte. Das kommt dem Buch
sehr zugute. Martus betont im Vorwort, daß er "der Rekonstruktion den
Vorzug vor der Kritik gegeben" habe, was ihm auch weitgehend gelingt.

Steffen Martus kennt sich aus in der Materie, die Sekundärliteratur hat
er bis in die jüngste Zeit berücksichtigt. Zumeist greift er auf die
verschiedenen Fassungen und Bearbeitungen der Werke Jüngers zurück und
verweist auf signifikante Unterschiede. Seine Darstellung ist nahezu
durchgehend wohltuend sachlich gehalten und dabei gut lesbar
geschrieben. So ist das Buch vor allem jenen Lesern zu empfehlen, die
mit Jüngers Werk Bekanntschaft schließen wollen. Es ist eine
verdienstvolle Arbeit. Jünger wird völlig zu Recht als Klassiker der
Weltliteratur vorgestellt. Mit der Unvoreingenommenheit des
Wissenschaftlers stellt Martus wichtige Topoi Jüngers vor, blickt auf
die Rezeptionsgeschichte und die "umstrittene" Person Jüngers.

Nicht jeder Interpretation kann zugestimmt werden, so zum Beispiel der
ungerechtfertigten Kritik an der "Friedensschrift" als "skandalös" und
als "zweifellos auf eine schwer erträgliche Art erbaulich". Einige
Setzfehler ("Zapperi" statt Zapparoni) sollten in einer Folgeauflage
korrigiert werden, manche Angaben bedürften einer Präzisierung. Einige
Beispiele: Daß Jünger bei einer Rede Thomas Manns begleitet von Arnolt
Bronnen und SA-Männern als Krawallmacher auftrat, ist so nicht richtig,
sehr wohl aber war Jünger als Zuhörer zugegen. Jünger trat nach dem
Ausschluß der jüdischen Mitglieder nicht aus seinem Regiment, sondern
aus dessen Traditionsverein aus. Der bekannte Freisler-Brief ist als
Fälschung nachgewiesen, nicht nur "vermutlich", und von den
"Marmorklippen" erschienen bis 1942 mehr als sechs Auflagen. Daß bei der
Nennung der Jünger-Geschwister der Bruder Wolfgang Wilhelm Jünger
vergessen wird, ist mißlich. Mit den mehrere Auflagen erlebenden Büchern
über den Kautschuk und die Kaffeehäuser trat Wolfgang Jünger auch
literarisch in Erscheinung.

Den Kontakt Paul Celans zu Ernst Jünger wertet Martus als
"Überraschung". Die JF hat jedoch bereits im vergangenen Herbst auf
diese Verbindung hingewiesen (JF 48/00). Celan hatte sich 1951 an Jünger
"in Dankbarkeit und Verehrung" gewandt, in der Hoffnung, daß Ernst
Jünger ihm bei der Publikation eines Gedichtbandes behilflich sein
könne.

1981 war in der Reihe "Sammlung Metzler" der unsägliche Jünger-Band von
Wolfgang Kaempfer erschienen; diesen Makel hat der Verlag mit dem
vorliegenden Buch bereinigt.

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Steffen Martus: Ernst Jünger. Sammlung Metzler, Stuttgart 2001, 269
Seiten, Tb., 26,80 Mark

(Quelle: Junge Freiheit. Wochenzeitung für Politik und Kultur. Berlin,
16. Jahrgang, Nr. 21 vom 18. Mai 2001, Kultur, S. 14)




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