ernst jünger in cyberspace

mailing list archive - DIE SCHERE #70: Text and rough translation

DIE SCHERE #70: Text

Daß wir den Gestirnen die Namen von Göttern und Tieren verleihen, ist ein
Zeichen der Verehrung-flüchtig wie in der Wüste eine Sandwehe.

Flüchtig sind auch die Tempel und Gebete, doch die Verehrung ist beständig;
sie lebt in der Welt. Die Wesen und Dinge verehren durch Existenz. Wenn die
Sonne aufgeht, begrüßt sie das Konzert der Tiere aus den Wäldern; die Blüten
wenden sich ihr zu. Selbst das Gestein beginnt zu atmen, es dehnt sich aus.

Hierzu das »Singen« der Memnonssäule bei Sonnenaufgang und der Vierzeiler,
den Goethe dem Atemholen und seinen Gnaden gewidmet hat. Der Trieb zur
Verehrung ist in der Materie verankert; daher läßt sich der Trieb
verdrängen, die Teilnahme nicht.

DIE SCHERE #70: Rough translation

It is an expression of veneration that we give the names of gods and animals
to the heavenly bodies-fleeting like a drift in the desert.

Fleeting as well are the temples and prayers, but veneration is permanent;
it is alive in the universe. Beings and things revere by existing. When the
sun rises, the concert of animals in he woods hails it; the flowers turn
toward it. Even the rocks begin to breathe; they expand.

In this context belongs the »singing« of the statue of Memnon at sunrise and
the four line poem Goethe wrote about drawing breath and its blessings. The
drive to revere is embodied in matter; hence the drive can be repressed, not
the taking part.




Markup © John King, 2008. Web archive generated Tue, 21st August 2007.