ernst jünger in cyberspace

mailing list archive - Die Schere #17-18

Alright, your all back so here is the latest posting. See what you make
of it.

All the best,
Abdalbarr.

_Die Schere_ von Ernst Juenger.

17

Der Weg birgt ein Ganzes, an welchem Punkte er auch beendet wird.
»Unterbrochen« ist ein besseres Wort dafür.
In der Welle schlummert die namenlose Kraft. Sie artikuliert sich, wo
sie strandet und brandet: auf Widerstand stößt Funkströme setzen sich in
Laut und Farbe, in Romane und Melodien um. Das sind Gleichnisse.
Die Fabel wendet sich mit Vorliebe dem Tierreich, das Gleichnis den
Pflanzen zu— dem Senfkorn, dem Lotos, dem Feigenbaum, der Lilie. Das
sind Verwandte, ja Vorbilder des Menschen in der belebten Welt.
Beispiele aus dem Unbelebten finden sich in den Sprichwörtern. »Der Krug
geht so lang zum Brunnen, bis er bricht.« »Steter Tropfen höhlt den
Stein.« Wir nähern uns der Märchenwelt. Das Kind schlägt den Tisch, an
dem es sich gestoßen hat.

18

Inzwischen haben wir eine Station erreicht, in der auch die Physik
Gleichnisse anbietet. Das hängt damit zusammen, daß sie in die Lücke
eindringt, die der Rückzug der Götter hinterlassen hat. Dazu verfügt sie
über Vorweisungen, die alles überbieten, was einst als Wunder galt.
Freilich ist anzumerken, daß auch die Wunder der Bibel nur Gleichnisse
sind, also mehr als Tatsachen.
Daß Lazarus als Individuum auferweckt wird, ist unbedeutend, vielleicht
auch ärgerlich. Dagegen steht der Hinweis auf eine Hoffnung, die jeden
angeht, und ihre Erfüllung durch ein Einzelschicksal auf einem anderen
Blatt— als Ansporn zu einem Sprunge, der über Berg und Tal hinweghebt,
als Ausblick durch die Kerkerwand.
Nebensächlich bleibt dabei die Frage, ob jene Erwekkung auch
stattgefunden hat.



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