ernst jünger in cyberspace

mailing list archive - Rezension: Armin Mohler "Die Schleife"

Nachstehend eine Rezension von Armin Mohler "Die Schleife. Dokumente zum W=
eg von Ernst J=FCnger". In: Junge Freiheit. Wochenzeitung f=FCr Politik und Ku=
ltur, Berlin, Nr. 36 vom 31. August 2001, Kultur, S. 14
(c) Junge Freiheit, Berlin

die Besprechung ist =FCbrigens illustriert mit einer Zeichnung von Armin Moh=
ler von J=FCngers Haus in Wilflingen (1953) mit der Bezeichnung "Hier wohnt =
der Oberf=F6rster"


Thorsten Thaler: Fugen im groben Bau der Welt
Dokumente zum Weg von Ernst J=FCnger: In der Edition Antaios ist eine Neuauf=
lage der =84Schleife=93 von Armin Mohler erschienen

Jeder Literaturliebhaber kennt das Gl=FCcksgef=FChl, wenn man ein vergriffenes=
 Buch nach langer Suche endlich in den H=E4nden halten kann. So mu=DFten die L=
eser Ernst J=FCngers viele Jahre vergeblich nach einem Titel aus der Sekund=E4=
rliteratur suchen, dem 1955 im Z=FCricher Verlag Die Arche erschienenen Buch=
 =84Die Schleife=93, in dem Armin Mohler =84Dokumente zum Werk Ernst J=FCngers=93 ve=
r=F6ffentlichte. Sammler zahlten f=FCr dieses Werk, sofern es =FCberhaupt antiqu=
arisch angeboten wurde, dreistellige Betr=E4ge.

Da=DF der vollst=E4ndige Werkstattbericht jetzt wieder zug=E4nglich ist, verdank=
t die J=FCnger-Gemeinde der Edition Antaios, die 46 Jahre nach der einmalige=
n Ver=F6ffentlichung eine Neuauflage der =84Schleife=93 besorgt hat. Diese Gro=DFt=
at ist um so bemerkenswerter, als der Verlag erst vor gut einem Jahr gegr=FC=
ndet wurde und finanziell nicht auf Rosen gebettet ist. Trotzdem hat es de=
r junge Verleger G=F6tz Kubitschek vermocht, ein beachtliches Programm auf d=
ie Beine zu stellen (siehe Kasten auf dieser Seite).

Die Neuauflage der legend=E4ren =84Schleife=93 ist ein kaum zu untersch=E4tzendes =
Verdienst. Obschon Leben und Werk des 1998 im Alter von 102 Jahren verstor=
benen Ernst J=FCngers bis in die entlegensten Winkel ausgeleuchtet scheinen =
(mit Ausnahme der Briefwechsel und J=FCngers politischer Publizistik der zwa=
nziger Jahre, die jedoch im Oktober dieses Jahres komplett bei Klett-Cotta=
 erscheint), ist die Lekt=FCre der von Mohler zusammengestellten =84Bausteine =
zu einer Biographie=93 J=FCngers von hohem Wert. Wenn die S=FCddeutsche Zeitung =
mit leicht vorwurfsvollem Ton anmerkt, die Schrift Mohlers sei =84das Werk e=
ines Eingeweihten f=FCr Eingeweihte=93, verkennt sie den Umstand, da=DF es eine =
wachsende Schar j=FCngerer Leser gibt, die den Jahrhundertschriftsteller ger=
ade erst f=FCr sich neu entdecken. Im Dickicht der nahezu un=FCberschaubar gew=
ordenen Sekund=E4rliteratur zu Ernst J=FCnger kann =84Die Schleife=93 besonders au=
ch diesem Kreis als Einstieg und Leitfaden dienen.

Den Titel =84Die Schleife=93 entlehnte Mohler bei Ernst J=FCnger aus dessen 1938=
 erschienenem Buch =84Das Abenteuerliche Herz. Figuren und Capriccios=93. In d=
em St=FCck =84Die Schleife=93 schreibt J=FCnger, rekurrierend auf Nigromontanus, e=
ine hier erstmals erw=E4hnte fiktionale Gestalt, in der J=FCnger die geistige =
Essenz verschiedener Philosophen (Hamann, Nietzsche, Hugo Fischer) verdich=
tete: =84Unter der Schleife verstand er eine h=F6here Art, sich den empirische=
n Verh=E4ltnissen zu entziehen. So betrachtete er die Welt als einen Saal mi=
t vielen T=FCren, die jeder ben=FCtzt, und mit anderen, die nur wenigen sichtb=
ar sind. Wie man in Schl=F6ssern, wenn F=FCrsten erscheinen, besondere, sonst =
streng verschlossene Portale zu =F6ffnen pflegt, so springen vor der Geistes=
macht des hohen Menschen die unsichtbaren T=FCren auf. Sie gleichen Fugen im=
 groben Bau der Welt, die nur das feinste Verm=F6gen zu durchgleiten vermag,=
 und alle, die sie je durchschritten, erkennen sich an Zeichen von geheime=
r Art.=93

Armin Mohler, der im Juni 1949 mit einer Arbeit =FCber =84Die Konservative Rev=
olution in Deutschland 1918-1932=93 promovierte und von September 1949 bis M=
itte 1953 Sekret=E4r bei Ernst J=FCnger war, widmete die =84Schleife=93 J=FCnger zu =
dessen 60. Geburtstag am 29. M=E4rz 1955; zugleich verantwortete er als Hera=
usgeber die eigentliche Festschrift f=FCr den Jubilar mit dem Titel =84Freunds=
chaftliche Begegnungen=93, zu der neben dem Bruder Friedrich-Georg Zeitgenos=
sen J=FCngers wie Gottfried Benn, Martin Heidegger, Carl Schmitt, Friedrich =
Sieburg und Hans Speidel Gedanken beisteuerten.

In der =84Schleife=93 zeichnete Armin Mohler als erster =84ein zwar vorl=E4ufiges,=
 doch die Ganzheit dieses Lebens gut erhellendes Bild=93, wie der J=FCnger-Bio=
graph Paul Noack 1998 ebenso zutreffend wie anerkennend feststellt. Mit se=
iner Sammlung von Dokumenten beabsichtigte Mohler, L=FCcken in dem seinerzei=
t nur bruchst=FCckhaft vorliegenden Werk J=FCngers zu schlie=DFen und insbesonde=
re Passagen aus jenen B=FCchern wieder zug=E4nglich zu machen, die aus dem Bli=
ckfeld verschwunden waren. Vor allem wollte er die Jugenderinnerungen J=FCng=
ers aus dem Buch =84Das Abenteuerliche Herz=93 retten, das damals zu einer =84fa=
st unauffindbaren Seltenheit=93 geworden war.

Wie kein anderer Autor hat Ernst J=FCnger seine =84Manie der Bearbeitungen und=
 Fassungen=93 kultiviert, wie er selbst in einem Brief 1964 an Ulrich B=F6hme =
einr=E4umte. Das gilt besonders augenf=E4llig f=FCr das 1929 in nur einer Auflag=
e ver=F6ffentlichte Buch =84Das Abenteuer-liche Herz=93 mit dem Untertitel =84Aufz=
eichnungen bei Tag und Nacht=93, das sp=E4ter als =84Erste Fassung=93 bezeichnet w=
erden sollte, nachdem J=FCnger es rigoros umgearbeitet und 1938 durch eine z=
weite Fassung mit dem Untertitel =84Figuren und Capriccios=93 ersetzt hatte. D=
iese zweite Fassung ist nicht nur stark gek=FCrzt - J=FCnger hat etwa zwei Dri=
ttel des Buches umgeschrieben -, sondern weist auch kaum noch =C4hnlichkeit =
mit der Erstfassung auf. J=FCnger sah die Revision des =84Abenteuerlichen Herz=
en=93 sp=E4ter als =84Beispiel ... f=FCr die Abl=F6sung von expressionistischen durc=
h magisch-realistische Tendenzen=93.

Trotzdem sind die =84Figuren und Capriccios=93 noch als Fassung der =84Aufzeichn=
ungen bei Tag und Nacht=93 zu erkennen. In beiden B=FCchern unternimmt J=FCnger =
den Versuch, =84hinter die Oberfl=E4che der Dinge zu blicken und das dort Gese=
hene sprachlich zu fixieren=93, wie Ulrich B=F6hme in seiner 1972 erschienenen=
 Studie =84Fassungen bei Ernst J=FCnger=93 nachweist. J=FCngers Absicht sei es gew=
esen, nicht die Konzeption, sondern die Formulierung zu ver=E4ndern. =84Was si=
e verbindet=93, schreibt auch Paul Noack, =84ist ein Denk- und Anschauungsstil=
, den J=FCnger nicht nur entwirft, sondern auch vorf=FChrt: die =92magische=91 Sic=
ht der Dinge.=93

J=FCnger selbst hat zu seiner =84Manie der Bearbeitungen=93 im Nachwort zur erst=
en Gesamtausgabe vermerkt: =84Oft habe ich mich gefragt, was die Unzufrieden=
heit mit den eigenen Texten bedeuten mag und mit ihr der ameisenhafte Trie=
b, am beschriebenen und bedruckten Papier herumzuminieren, sobald es mir w=
ieder vor Augen kommt: das Gef=FChl, da=DF die Deckung der Aussage mit dem Gem=
einten nicht gen=FCgt und da=DF der Satz besser, schlichter und treffender for=
muliert werden kann. (=85) Ein solches Durchgehen der Texte f=F6rdert nicht nu=
r ihre Lesbarkeit, sondern =FCberhaupt das Gef=FChl, da=DF eine Regel besteht un=
d geachtet wird. Werden dar=FCber hinaus veraltete Wendungen, fl=FCchtige Mode=
n und Manieriertheiten ausgemerzt oder wenigstens beschnitten, so ist auch=
 das ein Gewinn.=93

Zur Erstfassung von =84Das Abenteuerliche Herz=93 schreibt J=FCnger, da=DF ihm die=
ser Text =84fremd=93 geworden sei. F=FCr Armin Mohler dagegen ist sie das =84am un=
mittelbarsten von menschlicher W=E4rme erf=FCllte=93 Werk J=FCngers, in dem =84am ve=
rnehmlichsten die Grundmelodie=93 seines Lebens klingt. Vollst=E4ndig verf=FCgba=
r ist dieser Schl=FCsseltext erst seit Erscheinen der zwischen 1960 und 1965=
 publizierten, zehn B=E4nde umfassenden Werkausgabe, in die J=FCnger auch die =
erste Fassung des =84Abenteuerlichen Herzen=93 aufgenommen hat. Als eigenst=E4nd=
ige Schrift liegt das Buch seit 1987 wieder vor.

Das Herzst=FCck der =84Schleife=93 ist der noch heute lesenswerte Essay Mohlers =
=84Ein Tag im Leben des Schriftstellers=93. In einem Vorspann erkennt Mohler b=
ereits damals hellsichtig, da=DF von einem bestimmten Grad der Ber=FChmtheit a=
n kein Schriftsteller dem Zugriff auf seine Privatsph=E4re entgeht. Das Werk=
 allein gen=FCgt nicht mehr, der Leser will dem Autor unmittelbar begegnen. =
Im =84Zeitalter der Ersatzreligionen=93, so Mohler, wird der Schriftsteller zu=
m Ratgeber und Seelsorger. Dann schildert er am Beispiel eines idealtypisc=
hen Arbeitstages Ernst J=FCngers, =84gegen welchen Widerstand eine moderne Sch=
riftsteller-Existenz sich zu verwirklichen hat=93. Ohne Zweifel hat dieser E=
ssay nicht nur zu J=FCngers Nimbus des Unnahbaren und =84Nichtverwertbaren=93 (H=
eimo Schwilk) beigetragen; als literarisches Glanzst=FCck funkelt er auch au=
s dem Oeuvre des vorwiegend als politischer Publizist in Erscheinung getre=
tenen Armin Mohlers hervor.

Erg=E4nzt und aufgewertet wird die Neuauflage der =84Schleife=93 durch ein Nachw=
ort von Tobias Wimbauer, in dem der Freiburger Germanistik-Student unter d=
em Titel =84Kritische Verehrung=93 das durchaus wechselhafte Verh=E4ltnis zwisch=
en Mohler und J=FCnger reflektiert. Dabei erweist sich der 25j=E4hrige nicht n=
ur als profunder Kenner der Schriften von und =FCber J=FCnger - Wimbauer verf=FC=
gt =FCber eines der umfangreichsten Privatarchive in Deutschland zu Ernst J=FC=
nger -, sondern ebenso als quellensicherer Interpret der einschl=E4gigen Sch=
riften Armin Mohlers. Auch kann er auf eine seit 1997 gef=FChrte Korresponde=
nz mit dem Ehepaar Mohler zur=FCckgreifen.

Und schlie=DFlich hat Wimbauer erstmals den bisher unver=F6ffentlichten Briefw=
echsel zwischen Mohler und dem Schriftsteller Erhart K=E4stner (1904-1974) a=
usgewertet, der sich in der Herzog-August-Bibliothek Wolfenb=FCttel befindet=
. So kann er aus einem Brief Mohlers an K=E4stner vom 7. M=E4rz 1950 zitieren,=
 in dem Mohler =FCber J=FCngers =84Waldgang=93 schreibt: =84Da=DF dieses Buch der best=
e J=FCnger seit langem ist, das ist auch meine Meinung. Seit dem =92Arbeiter=91 =
das erste Buch von ihm, das ich =92mit heraush=E4ngender Zunge=91 gelesen habe. =
J=FCnger war sich erst =FCber die Publikation nicht schl=FCssig und gab mir das =
Manuskript zu lesen. Ich legte mich damit auf die Couch und las es in eine=
m Zug in 2 1/2 Stunden. Dabei bekam ich einen ungeheuren Hunger; meine Fra=
u mu=DFte st=E4ndig neue Fressalien anschleppen, und unsere Speisekammer leert=
e sich erschreckend. Dies Argument best=E4rkte J=FCnger viel mehr als das, was=
 ich =FCber das Manuskript sagte =85=93

Zu der ersten Wiederbegegnung J=FCngers mit Mohler im Fr=FChjahr 1982 in M=FCnch=
en - Anfang der sechziger Jahre war es zum Zerw=FCrfnis zwischen den beiden =
gekommen, weil Mohler J=FCnger den editorischen Umgang mit seinem Werk ankre=
idete - zitiert Wimbauer aus einem Brief Edith Mohlers: =84Wir freuten uns b=
eide ungemein - so war das Eis gebrochen. Es war ein sehr vergn=FCgter Nachm=
ittag voller Erinnerungen an die alten Zeiten.=93 Und von einem sp=E4teren Bes=
uch des Ehepaares Mohler bei J=FCnger und seiner Frau Liselotte in Wilflinge=
n im Oktober 1982 berichtet Edith Mohler in einem Brief an Wimbauer: =84Die =
Oberf=F6rsterei hatte nichts von ihrem Charme eingeb=FC=DFt.=93

Da=DF die Edition Antaios bei ihrer Neuauflage der =84Schleife=93 auf einen Wied=
erabdruck der insgesamt f=FCnf Fotos Ernst J=FCngers aus der ersten Ausgabe ve=
rzichtet hat, ist zwar schade, f=E4llt aber nicht weiter ins Gewicht. Von Be=
deutung bleibt, da=DF die =84Schleife=93 dem Bild vom Leben Ernst J=FCngers und se=
iner Beziehung zu Armin Mohler eine weitere Schattierung hinzuf=FCgt, die ma=
n nicht mehr missen m=F6chte.

=20


=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F=5F
1.000.000 DM gewinnen - kostenlos tippen - http://millionenklick.web.de
IhrName@web.de, 8MB Speicher, Verschluesselung - http://freemail.web.de




Markup © John King, July 2001.